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© Dario Lo Presti / fotolia.com
Die WHO und die G7-Gruppe wollen sich die Last der Weltgesundheit besser schultern.
 
Gesundheitspolitik 1. Juni 2015

Ebola hat alle wachgerüttelt

WHO will vorbereitet sein. Gesundheit wird zentrales Thema bei G7.

Delegierte aus 194 Ländern zogen auf der 68. Weltgesundheitsversammlung Ende Mai in Genf Lehren aus Ebola. Der Schock sitzt bei allen tief. Dabei hätte das Geschehen vorhersehbar sein können.

Die Worte der Direktorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) waren klar. Und einprägsam: „Ich möchte nie wieder erleben, dass diese Organisation mit einer Situation konfrontiert ist, für deren Bewältigung sie nicht vorbereitet, personell nicht stark genug, nicht ausreichend finanziert oder verwaltungstechnisch nicht aufgestellt ist“, sagt Margaret Chan vor 3.000 Delegierten aus 194 Ländern bei der 68. Weltgesundheitsversammlung in Genf.

Jetzt stehe ein Jahr des Wandels und der Transformation an. 2015, so Chan, stelle die WHO Weichen. Fast 11.000 Menschen sind bislang durch Ebola in den drei westafrikanischen Ländern Sierra Leone, Liberia und Guinea gestorben. In den Ländern kam es zum totalen Stillstand, ihr ohnehin fragiles Staats- und Gesundheitssystem brach zusammen.

Und jetzt, gut eineinhalb Jahre nach Bekanntwerden des ersten Ebola-Opfers, jetzt wollen alle alles besser machen. Die WHO will Chan zufolge ein Programm zur Reaktion auf Erregerausbrüche aufstellen, ein Programm, das detailliert vorgibt, was in Krisenfällen innerhalb von 24, 48 und 72 Stunden zu tun ist. Es soll ein Fonds entstehen, der für Sofortmaßnahmen über Mittel in Höhe von 87 Millionen Euro verfügt. Mitarbeiter sollen stärker geschult, mehr Experten für Krisensituationen ausgebildet und eine bessere Logistik soll geschaffen werden.

Thema für G7-Gipfel

Die deutsche Bundesregierung will für den Aufbau von Gesundheitssystemen in armen Ländern 200 Millionen Euro bereitstellen. Gesundheit wird eines der zentralen Themen der deutschen G7-Präsidentschaft sein und darüber mit den Staats- und Regierungschefs der G7-Gruppe Anfang Juni auf Schloss Elmau beraten. Antibiotikaresistenzen, vernachlässigte und armutsassoziierte Krankheiten stehen obenauf der Tagesordnung.

Nicht zuletzt setzen alle Akteure der UN und NGOs auf eine bessere Verzahnung ihrer Arbeit, damit sie im Krisenfall stärker Hand in Hand arbeiten können. Das alles klingt gut, macht Sinn und ist notwendig. Doch das alles wussten alle lange vor der Ebola-Krise. Dass Ebola so viele Opfer kostete, hat politische und sozio-ökonomische Ursachen: 70 Prozent der Armen leben in Ländern mit einem mittleren Einkommen. In vielen Schwellen- und Entwicklungsländern besitzen nicht einmal zehn Prozent der Bevölkerung eine Versicherung. Wer schwer krank wird, gerät in totale Armut.

Die Ausgaben für Gesundheit gemessen am Bruttoinlandsprodukt liegen in den allermeisten Schwellen- und Entwicklungsländern bei ein bis zwei Prozent. Die WHO fordert fünf Prozent. Die Eigenbeteiligung der Patienten ist enorm. Mangelhaft ist die Infrastruktur: Krankenhäuser mit schlechter Ausstattung und Mangel an Fachkräften. Die wenigen guten Fachkräfte, die es gibt, wandern in die Städte oder ins Ausland ab.

„Ärzte ohne Grenzen“ erinnert seit vielen Jahren an die Notwendigkeit, Gesundheitsforschung, die Entwicklung von Impfstoffen, Diagnostika und Therapien voranzubringen. Die Daten aus der Industrie geben etwas Hoffnung: Mit derzeit 180 Forschungsprojekten hat sich die Zahl der Projekte vervielfacht. Der Wert der Medikamentenspenden steigt kontinuierlich.

Ebola war nur die Spitze des Eisberges. Immerhin sind nun alle wachgerüttelt. Hoffentlich bleiben sie eine Weile wach.

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