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Gesundheitspolitik 27. Mai 2015

Manche Berufsgruppen sind immuner als andere

Für Politologen Heinisch ist der Wiener Ärztekammerpräsident bloßgestellt

Der Konflikt zwischen Wiener Ärzten und Politik wird wohl auf der Straße ausgetragen werden. Die Bevölkerung habe für streikende Mediziner ein gewisses Verständnis, sagt der Salzburger Politikwissenschaftler Prof. Dr. Reinhard Heinisch.

In Österreich ist Streik ein seltenes Ereignis, wie schätzen Sie die Erfolgsaussichten der Ärzte ein?

Heinisch: In Österreich ist ein Streik immer ein Indikator, dass etwas nicht funktioniert. In Deutschland ist ein Streik oft Teil der Verhandlungsstrategie, das muss immer wieder bis zum Streik gehen, damit man den eigenen Leuten sagen kann, wir haben alle Möglichkeiten ausgereizt. In Österreich ist ein Streik immer ein Zeichen für ein Systemversagen und damit negativ konnotiert. Wir wissen aber von Streiks der Gewerkschaft gegen die schwarz-blaue Koalition, dass sie sehr viel Verständnis von der Bevölkerung bekommen hat und es der Organisation nicht geschadet hat. Es dreht sich letztendlich ums Geld, aber wenn es von der öffentlichen Wahrnehmung her so ausschaut, dass die Ärzte überarbeitet sind und dass es junge Ärzte gibt, die bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit arbeiten müssen, und durch die Kürzungen auch hohe Gehaltseinbußen verkraften müssen, dann wird es größtes Verständnis geben. Wenn es aber so aussieht als würde es zu Versorgungsengpässen kommen oder wenn Zahlen von Verdienstmöglichkeiten kolportiert – und das sind für die Durchschnittsbevölkerung hohe Zahlen –, dann würde das Verständnis geringer ausfallen. Dies auch weil Ärzte als Berufsstand ein sehr hohes Ansehen genießen. Wo es das wenigste Verständnis gibt, ist die Sorge, dass Ärzte nach Deutschland abwandern. Diese europäische Mobilität ist zu schwierig für die Leute, um es nachzuvollziehen.

Alle genannten Faktoren spielen in der öffentlichen Diskussion eine Rolle. Geht sich das dennoch aus für die Mediziner?

Heinisch:Ärzte sind als Berufsgruppe immuner als alle anderen. Wenn in den Ambulanzen keine Härtefälle auftreten, die dann medial hochgespielt werden, wird man Verständnis haben. Der Eindruck ist: Die Ärzte haben ihre berechtigten Gründe. Man ist eher auf die Politik böse. Wenn die Ärzteschaft ihr Blatt nicht überreizt, wird eher die Politik ihr Fett abbekommen. Dass Primare sich ihren Privatpatienten am Nachmittag widmen und kaum zu erreichen sind, weil sie ja sehr wenig Gehalt bekommen im Vergleich zum Ausland, diese ganzen Deals sind typisch für Österreich und ziehen sich durch alle Sektoren des Lebens. Das kennen und verstehen die Leute und dafür gibt es sicher ein gewisses Verständnis.

Wie sehen Sie die Rollen der Protagonisten, Szekeres und Wehsely?

Heinisch: Sezekeres hat sich zu weit aus dem Fenster gelehnt, musste zurückrudern und ist desavouiert. Dafür, dass man als Politiker hier nicht gewinnen kann, hat sich Wehsely nicht schlecht geschlagen.

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