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© Waltraud Grubitzsch /dpa

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

© Helge Bauer

Prof. MMag. Dr. Gottfried Haber Leiter Krankenhausmanagement Donau-Uni Krems

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Mag. Karl Lehner, MBA Vorstand OÖ Gesundheits- und Spitals-AG

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

© Christoph Ascher

Doz. Prim. Dr. Rudolf Knapp Stv. Obmann Bundeskurie Angestellte Ärzte

 
Gesundheitspolitik 26. Mai 2015

Kollegiale Führung unter Beschuss

Ärztekammer-Vize Mayer behauptet, die Spitäler würden unter alleiniger ärztlicher Führung eine bessere Performance abliefern. Ein Machtkampf.

Bei der Tagung der europäischen Spitalsärzteschaft in Wien hat der Gastgeber Dr. Harald Mayer, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer und Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte, die Sinnhaftigkeit der in Österreich seit Langem etablierten kollegialen Führung von Krankenhäusern in Frage gestellt und gemeint: „Mein Ideal wäre, dass der Arzt das gesamte Team führt und die Letztverantwortung für sämtliche Prozesse trägt.“ Die Qualität der stationären Versorgung könnte damit ebenso verbessert werden, wie die Patientenzufriedenheit, meint Mayer.

Letzteres bestreitet der Vorstandssprecher des oö. Spitalsbetreibers „gespag“, Karl Lehner, vehement. Mayer, unbeirrt: Die Krankenhäuser würden unter rein ärztlicher Führung eine bessere Performance abliefern. Seine These stütze sich auf eine Reihe internationaler Untersuchungen, welche „die Effizienz ärztlicher Führung schon lange nachgewiesen haben“.

So würden Spitäler mit einer hohen Anzahl an ärztlichen Führungskräften um 50 Prozent besser abschneiden als Krankenhäuser, die kollegial geführt würden. Es sei evident, dass Krankenhäuser unter ärztlicher Führung finanziell besser dastünden. Voraussetzung für Effizienz wären nämlich optimale medizinisch-wissenschaftliche Prozesse, die ein betriebswirtschaftlich ausgebildeter Manager nicht immer überblicke, ein ärztlicher Leiter hingegen schon, sagt Mayers Stellvertreter in der Kurie, Dr. Rudolf Knapp. Lehner lehnt auch dieses Ansinnen ab: Sei eine Klinikleitung nur durch ein Fachgebiet abgedeckt, müssten Sub-Ebenen dieses Manko kompensieren. Die Pflege spielt in diesem Kampf keine Rolle.

Eigenverantwortung und Vielfalt zulassen

„Eine unverkrampfte Diskussion kann jedenfalls nicht schaden“

Die kollegiale Führung in Krankenhäusern hat aus Managementsicht sowohl Vor- als auch Nachteile. Krankenhäuser als Gesundheitseinrichtungen sind mit großen Unternehmen vergleichbar, die durch eine Vielzahl komplexer Prozesse gekennzeichnet sind. In diesen Unternehmen ist es üblich, dass es einen Vorstand gibt, der sich aus zumindest zwei oder drei Personen zusammensetzt, die für die unterschiedlichen fachlichen und administrativen Bereiche zuständig sind. So gibt es in Technikunternehmen in der Regel einen Vorstand, der für technische Inhalte zuständig ist, und einen Vorstand für Finanzen. Im Krankenhaus gliedern sich die Hauptbereiche logischerweise in die drei Bereiche Medizin, Pflege sowie kaufmännische Angelegenheiten.

Diese inhaltlichen Bereiche werden in Wirtschaftsunternehmen aber nicht notwendigerweise direkt in eine übergeordnete oder untergeordnete Verbindung miteinander gebracht. In Krankenhäusern stellt sich diese Frage jedoch wesentlich emotionaler dar: vor allem Kompetenzverteilungen zwischen Medizin und Pflege sind in der Diskussion nicht frei von berufsständischen Aspekten und Fragen der Hierarchien.

In Wirtschaftsbetrieben gibt es im Gegensatz zum Krankenhaus fast immer einen Sprecher oder Vorsitzenden der Geschäftsführung oder des Vorstandes, der das Unternehmen nach außen repräsentiert und in strittigen Fragen die Letztverantwortung trägt. Wichtige Beschlüsse werden fast immer einstimmig oder zumindest mehrheitlich von der Geschäftsführung gemeinsam getroffen. Wer die Funktion dieses Vorstandssprechers ausübt, ist in der Wirtschaft nicht von vornherein fachlich vorherbestimmt. In manchen Unternehmen ist der CEO aus dem Finanzbereich, in anderen beispielsweise aus dem Technikbereich.

Eine unverkrampfte Diskussion über moderne Managementstrukturen im Krankenhausbereich kann jedenfalls nicht schaden – hier könnte man Eigenverantwortung und Vielfalt zulassen und den Markt bzw. im öffentlichen Bereich Kosten- und Qualitätseffekte entscheiden lassen!

Gute Führung lebt vom Teamwork

„Eine kollegiale Klinikleitung ist für mich alternativlos“

Eine gleichberechtigte Zusammenarbeit der Bereiche Medizin, der Pflege und des kaufmännischen Bereiches stellt das Hauptmerkmal eines erfolgreichen Spitalsmanagements dar. Hohe Interdisziplinarität zur Sicherstellung reibungsloser und qualitätsgesicherter Abläufe darf nicht nur von den Mitarbeitern gefordert werden, sondern muss selbstredend auch von einer Klinikführung vorgelebt werden.

Ein Spital ist mit all seinen Prozessen ein extrem komplexer Betrieb. Je größer ein Spital ist, umso mehr ist die reibungslose Zusammenarbeit gefordert. Betriebsgrößen von Hunderten bis Tausenden Mitarbeitern und Belagsstände von mehreren Hundert Patienten erfordern ein erhebliches Maß an Verantwortung und Planungskompetenz. Hier ist neben hohem fachlichem Know-how der Leitung ebenso ein State of the Art-Management gefordert. Jegliche Vergleiche zwischen Kliniken bzw. Spitalssystemen in anderen Ländern sind nur dann zulässig, wenn sie die jeweils selben Prämissen berücksichtigen.

Als Spitalsträger im Eigentum der öffentlichen Hand ist es unser Auftrag, eine qualitätsorientierte und regional ausgewogene Patientenversorgung unter den Aspekten der Wirtschaftlichkeit und der Nachhaltigkeit sicherzustellen. Dass dies mit der aktuellen Führungsstruktur gut gelingt, zeigen die kontinuierlichen Patientenbefragungen. Die Zufriedenheitsparameter unserer zehn Spitalsstandorte sind über die Jahre bei allen Fragestellungen gleichbleibend hoch.

Ist eine Klinikleitung nur durch ein einzelnes Fachgebiet – egal durch welches – abgedeckt, müssten Sub-Ebenen dieses fachliche Manko kompensieren. Die Umsetzungsstärke einer monokratischen Führung und damit einhergehend die Akzeptanz durch die Belegschaft wäre ungleich schwieriger. Daher bin ich davon überzeugt, dass eine interdisziplinäre Klinikführung für eine qualitativ optimale Patientenversorgung vorteilhaft ist. Ein gut geführtes Spital lebt von gutem Teamwork – auch in der Führung. Eine kollegiale Klinikleitung ist unter den Prämissen, die die Spitalslandschaft mit sich bringt, für mich daher alternativlos.

Führungskompetenz fördern

„Ärztliche Gesamtleitung hat Qualität und Effizienz der medizinischen Versorgung im Auge“

Die Gesundheitssysteme in westlichen Ländern werden sich in den kommenden Jahren zahlreichen Herausforderungen stellen müssen. Im klinischen Bereich kann der Schwenk zur rein ärztlichen Führung helfen, diese Herausforderungen zu meistern. Eine ärztliche Gesamtleitung hat die Qualität und Effizienz der medizinischen Versorgung im Auge. Die Ökonomie ist integrierter Bestandteil der Überlegungen, aber nicht das alles beherrschende Ziel.

Wir wissen aus von McKinsey publizierten Studien, dass die rein ärztliche Führung eines Krankenhauses in steigender Qualität der Versorgung und mehr Patientenzufriedenheit resultiert; zudem verbessert sich die Gesamtleistung deutlich. Das liegt in erster Linie daran, dass ein Arzt oft besser versteht, was seine Kollegen und die anderen Berufsgruppen im Spital brauchen. Er weiß, wie er die Versorgungsqualität heben kann, da er täglich ins Krankenhausgeschehen involviert ist. Ein Manager hat diesen Blick für medizinisch-wissenschaftliche Prozesse oft nicht, sondern konzentriert sich in erster Linie auf die Wirtschaftlichkeit sowie reine Verwaltungsprozesse. Nicht umsonst wurde mancherorts die Entscheidung, die Leitung einer Klinik einem Manager zu übertragen, wieder rückgängig gemacht – die medizinischen Entscheidungen waren schlichtweg nicht optimal.

Aus den erwähnten Studien wissen wir auch, dass gut verwaltete Spitäler über ein größeres Ausmaß an Freiräumen und Autonomie verfügen. Größere Spitäler sind zudem besser verwaltet als kleinere, und private Krankenhäuser schnitten besser ab als öffentliche Spitäler.

Ärzte benötigen jedoch Anreize, um eine Führungsposition anzustreben. Führungskompetenz muss gezielt gefördert werden, interessierten Medizinern soll der Besuch einer Managementfortbildung ermöglicht werden. Ziel muss es sein, der Ärzteschaft die Skepsis im Hinblick auf die Führung eines Spitals zu nehmen bzw. zu verdeutlichen, dass eine Führungsposition nicht bedeutet, dass Patienten nicht mehr optimal versorgt werden. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall.

Volkmar Weilguni, Ärzte Woche 22/2015

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