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© Michael Appelt
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Martin Landau Präsident der Caritas

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

© Lilli Strauss
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Dr. Martina Kronberger-Vollnhofer Kinderärztin und Leiterin von Wiens mobilem Kinderhospiz MOMO

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

© BMG
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Prof. Dr. Gerhard Aigner Leiter der Sektion II im Bundesministerium für Gesundheit (BMG)

 
Gesundheitspolitik 27. April 2015

„Auf Worte müssen Taten folgen“

Caritas und Palliativeinrichtungen drängen auf eine rasche Umsetzung der Empfehlungen der Parlamentarischen Enquete-Kommission „Würde am Ende des Lebens“.

„Der größte Teil der Arbeit liegt noch vor uns“, bleibt die Leiterin von Wiens mobilem Kinderhospiz MOMO, Dr. Martina Kronberger-Vollnhofer, vorsichtig, was die tatsächliche politische Umsetzung der durchaus wünschenswerten Empfehlungen der Parlamentarischen Enquete-Kommission „Würde am Ende des Lebens“ betrifft. Die Erwartungen, die durch die Empfehlungen geweckt worden seien, wären groß, „allein die Aufgaben, die es zu lösen gelte, seien noch größer“.

Auch die Bioethikkommission formulierte bereits Empfehlungen, nachdem sie einen „dringenden Bedarf für die Stärkung der Palliativ- und Hospizdienste“ diagnostiziert hatte. Dazu zählen unter anderem die bundesweite Sicherstellung eines Rechtsanspruchs auf Palliativ- und Hospizversorgung, der Ausbau des Versorgungsangebotes, um diesen Rechtsanspruch durchsetzen zu können, sowie die Förderung der Vorsorge für medizinische Entscheidungen am Lebensende. Dazu nötig sei die Schaffung von Qualitätsstandards für die ärztliche und juristische Aufklärung zur Errichtung einer verbindlichen Patientenverfügung oder den Abbau formaler und finanzieller Hürden bei der Errichtung ebendieser.

Caritas Präsident DDr. Michael Landau hält daher jetzt den Zeitpunkt für gekommen, um bei diesem sensiblen Thema — endlich — einen entscheidenden Fortschritt zu verzeichnen.

Dazu müssten allerdings „auf Worte Taten folgen“, wie Landau in seinem nachfolgenden Kommentar (in der linken Rubrik) für die Ärzte Woche schreibt.

Kosten der Hospizversorgung sind nur zu 50 Prozent gedeckt

„Zur Kultur des Lebens gehört auch eine Kultur des Sterbens, eine Kultur der Solidarität mit den Sterbenden.“

Erstmals können wir den Hospiz- und Palliativbereich in Österreich wesentlich voranbringen. Nun müssen den Empfehlungen der Parlamentarischen Enquete-Kommission Taten folgen!

Denn noch immer werden Menschen mit lebensverkürzenden Erkrankungen bzw. ihre Angehörigen vielfach im Stich gelassen – schwer kranke Kinder ebenso wie alte Menschen. Noch immer sind wir im Bereich der Hospizarbeit auf Spenden angewiesen! Österreichweit ist die Hospiz- und Palliativversorgung nur zu knapp 50 Prozent gedeckt: Es fehlen Palliativbetten, vor allem Betten in stationären Hospizen sowie mobile Palliativ-und Hospizteams. Niemand würde heutzutage auf die Idee kommen, um Spenden für die Behandlung einer gebrochenen Hand im Spital zu bitten. Umso unverständlicher ist es, dass dies bei schwer erkrankten Menschen nach wie vor der Fall ist.

Wir fordern einen leichten und leistbaren Zugang zur Hospiz- und Palliativbetreuung in allen Formen – mobil, teilstationär und stationär –, flächendeckend in ganz Österreich. Nur so bekommt jeder am Ende seines Lebens die Begleitung und Versorgung, die er oder sie benötigt. Es mangelte bislang nicht nur am Ausbau der Angebote, es fehlte das Bekenntnis der Politik, diese Dienste ausreichend zu finanzieren. Das dürfte sich nun ändern. Bund, Länder und Krankenversicherungen müssen zusammenwirken und all dies durch eine gemeinsame Finanzierung sicherstellen. Um die Anliegen der Hospizkultur und Palliative Care in die Grundversorgung zu integrieren, ist eine Förderung einer geeigneten Aus- und Weiterbildung notwendig. Hier braucht es speziell auf Führungskräfte ausgerichtete Angebote.

Ich wünsche mir, dass in Österreich endlich der Tatsache Rechnung getragen wird, dass jeder schwer erkrankte und sterbende Mensch vor allem eines ist: ein Lebender und zwar bis zuletzt.

Öffentliche Finanzierung ist dringend notwendig

„Die Versorgung im Kinderhospiz- und Palliativ- bereich steht in Österreich am Anfang.“

Im Rahmen der Enquete-Kommission „Würde am Ende des Lebens“ wurde der Kinderbereich vor den Vorhang geholt. Der Abschlussbericht, der einstimmig vom Nationalrat beschlossen wurde, ist ein gelungener Fahrplan, jetzt muss dringend eine rasche Umsetzung folgen.

Jedes Bundesland sollte über ein mobiles Kinderpalliativ- sowie ein Kinderhospizteam verfügen. Österreichweit besteht der Bedarf an zwei bis drei stationären Kinderhospizen sowie an pädiatrischen Palliativbetten an jeder Kinder- und Jugendabteilung. Derzeit werden nur in zwei Bundesländern – in NÖ und der Steiermark – mobile Palliativteams öffentlich finanziert, in allen anderen gibt es entweder gar keine Angebote oder sie sind rein spendenfinanziert. Stationäres Kinderhospiz gibt es in Österreich, laut Erhebung des Dachverbandes Hospiz Österreich, kein einziges.

Der Aufholbedarf im Kinder- und Jugendbereich wurde von der Politik wahrgenommen. Die Enquete-Kommission empfiehlt eine öffentliche Finanzierung der Palliativ- und Hospizversorgung für Kinder und Jugendliche mit einer Gesamtsumme von 8,9 Millionen Euro innerhalb von zwei Jahren. Diese Mittel sind ein erster Schritt, um eine flächendeckende Versorgung zu schaffen. Sowohl bestehende Einrichtungen, die zum Großteil spendenfinanziert sind, als auch zukünftige Einrichtungen sollen damit finanziert werden. Der Bedarf an Einrichtungen wie MOMO ist groß. In Österreich leiden rund 1.000, wahrscheinlich noch weit mehr, Kinder und Jugendliche an einer lebensbedrohlichen oder lebensverkürzenden Krankheit. Seit dem Start im März 2013 haben sich 80 Familien bei Wiens mobilem Kinderhospiz MOMO gemeldet und laufend erreichen uns neue Betreuungsanfragen. Im Jahr 2015 braucht das mobile Kinderhospiz MOMO etwa 500.000 Euro. Unsere medizinische und psychosoziale Begleitung ist ausschließlich spendenfinanziert und für die Familien kostenlos.

Schnittstellen- und Abgrenzungsprobleme

„Einigung über die benötigten Mittel im Rahmen des nächsten Finanzausgleichs ist erforderlich.“

Die Empfehlungen der Parlamentarischen Enquete-Kommission sind ein Appell an alle Verantwortungsträger, raschest die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen. Das BMG wird dafür im Rahmen seiner Möglichkeiten alle Anstrengungen unternehmen. Selbstverständlich dürfen Kompetenz- und Finanzierungsstrukturen kein Hindernis sein, deutlich ausgesprochen muss aber sein, dass es für einen Ausbau der Hospizdienste im Rahmen des nächsten Finanzausgleichs eine Einigung zwischen Bund und Ländern über die benötigten Mittel geben muss. Palliativversorgung ist Teil der Krankenbehandlung und liegt damit schon heute bei der gesetzlichen Krankenversicherung bzw. den Ländern hinsichtlich ihrer Verantwortung für Krankenanstalten. Damit ist der Finanzausgleich gefordert. Es ist zu hoffen, dass es gelingt, Schnittstellen- und Abgrenzungsprobleme zwischen Hospiz- und Palliativversorgung für alle Seiten fair und unbürokratisch zu lösen.

Mit der Umsetzung der Empfehlung zur Patientenverfügung hat das BMG begonnen. So hat Frau Bundesministerin Dr.in Sabine Oberhauser, MAS bereits alle Präsidenten der Landesärztekammern aufgefordert, dieses Thema als Schwerpunkt in die ärztliche Fortbildung zu setzen. Hoch erfreulich war, dass eine erste Informationsveranstaltung der Wiener Ärztekammer auf so große Nachfrage stieß, dass noch im Frühjahr eine Wiederholung stattfinden wird. Auch andere Ärztekammern haben zugesagt, den Vorschlag aufzugreifen.Weiters wird das BMG heuer den Entwurf einer Novelle zum Patientenverfügungsgesetz vorbereiten, mit dem den Empfehlungen Rechnung getragen wird.

Der Idee, die gesetzliche Krankenversicherung möge sämtliche Kosten für die Errichtung von Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten tragen, kann ich allerdings nichts abgewinnen. Letztlich lebenslimitierende Maßnahmen gehören nicht in das Portfolio der gesetzlichen Krankenversicherung.

Volkmar Weilguni, Ärzte Woche 18/2015

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