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(c) MUW

Prof. Florian Thalhammer
Klinische Abteilung für Infektionen und Tropenmedizin, MedUni Wien, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Infektionskrankheiten

 

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 


(c) KH der Elisabethinen, Linz

Prof. Dr. Petra Apfalter
Leiterin des Instituts für Hygiene, Mikrobiologie & Tropenmedizin am KH der Elisabethinen Linz, Medizinische Leitung analyse BioLab GmbH

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


(c) Foto Kirschner

Dr. Thomas Peinbauer
President European Committee for Homeopathy

 
Gesundheitspolitik 10. November 2014

Homöopathie – Option für weniger Antibiotika?

Der Verbrauch von Antibiotika ist in den vergangenen Jahren signifikant zurückgegangen. Österreich steht damit im europäischen Vergleich gut da. Trotzdem wäre in manchen Bereichen noch ausreichend „Optimierungspotenzial“ vorhanden.

Am 18. November findet auch in diesem Jahr wieder der „EAAD“ statt, der Europäische Antibiotic Awareness Day. Er geht auf eine Initiative des ECDC (Europan Center for Disease Prevention & Control) in Kooperation mit der Weltgesundheitsorganisation und anderen Organisationen zurück und wird seit 2008 mit dem Ziel veranstaltet, Expertenkreise, Politik und Bevölkerung über den rationalen Einsatz von antimikrobiell wirksamen Arzneimitteln zu informieren, um damit vor allem Resistenzentwicklungen zu vermeiden.

Im europäischen Vergleich befindet sich Österreich bezüglich des Antibiotikaverbrauches laut einem ECDC-Bericht („Surveillance of antimicrobial consumption in Europe 2012“) heute in einer sehr guten Position. Dazu wesentlich beigetragen hat die Tatsache, dass es gelungen ist, den Verbrauch zwischen 2008 und 2012 signifikant zu reduzieren, von 15,1 auf 13,9 DDD (Defined Daily Dose) pro 1.000 Einwohner und Tag. Niedriger ist der Verbrauch in den Niederlanden (11,3 DDD/1.000 EW & Tag), exorbitant hoch in Griechenland (31,9 DDD/1.000 EW & Tag).

Dennoch werden in manchen Bereichen immer noch zu viele Antibiotika verschrieben, meinen Experten, sehr oft auf Verlangen und Wunsch der Patienten selbst. Hier gibt es nach wie vor enorme Erwartungshaltungen und massive Informationsdefizite, etwa darüber, dass Antibiotika bei Virusinfektionen völlig wirkungslos sind. Den behandelnden Ärzten fehlen dann fallweise offenbar Energie und Zeit, um diese Patienten in einem Gespräch von einer anderen Therapie zu überzeugen.

Große Verantwortung

„Patientenaufklärung könnte dazu beitragen, den Antibiotikaverbrauch zu reduzieren.“

Prof. Florian Thalhammer, Klinische Abteilung für Infektionen und Tropenmedizin, MedUni Wien, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Infektionskrankheiten

Im europäischen Vergleich liegt Österreich im Antibiotikaverbrauch sehr gut. Auf der anderen Seite zeigt sich, dass in der kalten Jahreszeit, in der Zeit der akuten Bronchitis (Virusinfektion!) und der Grippe, der Antibiotikaverbrauch hinaufschnellt. Ein Teil dieses Anstiegs ist nachvollziehbar, jedoch besteht auch der begründete Verdacht, dass zu viele virusbedingte Infektionen des Respirationstraktes mit einem Antibiotikum behandelt werden. Neben den Respirationstraktinfektionen sind die Harnwegsinfektionen ein weiteres großes Indikationsgebiet, welches einen differenzierten Einsatz von Antibiotika erfordert. Beispielsweise sind bei Nachweis einer asymptomatischen Bakteriurie Antibiotika (Ausnahme Schwangere sowie Patienten vor einem urologischen Eingriff) nicht indiziert, ganz im Gegenteil, kann der unkritische Einsatz hier rasch zu einem Resistenzproblem bei den Uropathogenen führen. In der Indikation akute Zystitis kann sogar die Verordnung eines NSARs ausreichend sein (vgl. Bleidorn, BMC Medicine 2010).

Die behandelnde Kollegenschaft – vor allem im ambulanten, niedergelassenen Bereich – trägt hier große Verantwortung, sie benötigt jedoch auch Unterstützung durch die Gesundheitspolitik: Es ist leicht ex cathedra zu sagen, hier ist kein Antibiotikum indiziert, wenn man nicht dem täglichen Druck der Patienten ausgesetzt ist. Daher sind entsprechende Patienten-Aufklärungskampagnen wünschenswert, dass ein Antibiotikum nicht immer sinnvoll ist. Eine englische Studie zeigte vor Jahren klar, dass Aufklärung zu einem reduzierten Antibiotikaverbrauch beiträgt.

Eine nicht zu unterschätzende Gefahr stellt ein Patentablauf bei Antiinfektiva dar, da durch den nachfolgenden Preissturz die Gefahr steigt, dass ein unnötig breites und potenteres Antibiotikum zum Einsatz kommt. Wesentlich wichtiger ist, dass die vorhandenen Antibiotika ausreichend hoch dosiert werden. Nobelpreisträger Fleming sagte schon 1945 anlässlich seiner Nobelpreisrede: „It is not difficult to make microbes resistant to penicillin in the laboratory by exposing them to concentrations not sufficient to kill them, and the same thing has occasionally happened in the body …“

Vorhandenes nicht verschleudern

„Wir sind ein moderates Antibiotika-Verbrauchsland mit starken saisonalen Schwankungen.“

Prof. Dr. Petra Apfalter, Leiterin des Instituts für Hygiene, Mikrobiologie & Tropenmedizin am KH der Elisabethinen Linz, Medizinische Leitung analyse BioLab GmbH

In Österreich zeigt sich bei MRSA eine stabile Situation mit im Europavergleich niedrigen Resistenzraten – aktuell neun Prozent in Blutkulturen. Problematisch stellen sich Enterobakterien dar: Jeder zweite E. coli ist gegen Aminopenicilline resistent, jeder Fünfte auf Chinolone. Besonders besorgniserregend ist der kontinuierliche Anstieg der Carbapenemase-bildenden Stämme. Darüber hinaus stellen die hohen Personenströme durch geschäftliche und touristische Reisen oder auch Migrationsströme ein ständiges Risiko dar, Resistenzen mitzubringen, die es bisher in Österreich in dieser Form noch nicht gegeben hat.

Im Europavergleich ist Österreich ein moderates Antibiotika-Verbrauchsland, wobei auffällt, dass Verordnungen saisonal stark schwanken. Antibiotika-Hauptsaison sind die Herbst- und Wintermonate, wenn auch die viralen Infektionen im Vordergrund stehen. Dabei wirken Antibiotika gegen Viren nicht. Unangemessene, weil nicht indizierte, aber auch unterdosierte Antibiotikatherapien zeigen nicht nur beim Indexpatienten Auswirkungen, sondern im gesamten Kollektiv. Bei Aminopenicillinen mit Betalaktamaseinhibitoren ist es im Vergleich zum Vorjahr zu einem starken Anstieg der Verordnungen gekommen. Auch der Verbrauch an oralen Zweitgeneration-Cephalosporinen hat sich im Vergleich zu vor zehn Jahren verdoppelt, von 0,7 auf 1,2 Verordnungen pro 10.000 Einwohner pro Tag. Letztere Substanzklasse wird schlecht resorbiert und heizt die Resistenzbildung im gramnegativen Bereich besonders an.

Faktum ist, dass keine neuen Entwicklungen am Antibiotikasektor in Sicht sind. In diesem Sinne müssen wir das Vorhandene für die Indikation „bakterielle Infektion“ bewahren und nicht aus einem falschen Sicherheitsdenken heraus – insbesondere vor der saisonal bereits anflutenden Erkältungswelle – verschleudern. Antibiotika wirken bei Virusinfektionen nicht, sondern stellen einen Fördermechanismus für Resistenzen dar. Sie bewirken keine Besserung der Symptome und bergen das Risiko von schweren Nebenwirkungen. Dort, wo Antibiotika indiziert sind, ist es erforderlich, ausreichend lange und hoch zu dosieren.

Homöopathie als Alternative

„Optimal wäre, wenn Homöopathie als kassenärztliche Leistung zur Verfügung stehen könnte.“

Dr. Thomas Peinbauer, President European Committee for Homeopathy

Weltweit gilt die Antibiotikaresistenz als eines der größten Probleme, mit denen die Gesundheitssysteme konfrontiert sind. Die WHO schreibt: „Wenn keine wirksamen neuen Antibiotika gefunden werden und sich die Resistenzen weiter ausbreiten, droht der Gesellschaft eine Rückkehr zu Verhältnissen, wie sie vor der Entdeckung der Antibiotika herrschten, als Kinder oft an einer einfachen Lungenentzündung starben und Ärzte gegen Meningitis machtlos waren.“

Vor diesem bedrohlichen Szenario steht mit der Homöopathie eine zusätzliche ärztliche Therapiemethode zur Verfügung, die auf eine mehr als 200-jährige Erfahrung in der Behandlung von Infektionserkrankungen zurückblicken kann, die in Österreich mit mehr als 650 Ärzten mit homöopathischer Zusatzausbildung gut etabliert ist, die sicher in der Anwendung bei Patienten aller Altersgruppen ist, gleichzeitig kostengünstig, die keine Antibiotikaresistenzen fördert und die in Studien zeigt, wo mithilfe homöopathischer Arzneien der Einsatz von Antibiotika reduziert werden könnte.

Obere Atemwegsinfekte sind einer der häufigsten Gründe für die Verordnung eines Antibiotikums in der ärztlichen Grundversorgung, obwohl deren Verschreibung oft unnötig oder unangemessen ist, da nur etwa ein Viertel dieser Infekte eine bakterielle Ursache hat. In der Beurteilung der Studien zur Effektivität der homöopathischen Behandlung von oberen Atemwegsinfekten mit mäßiger und starker Evidenz zeigt sich ein positiver Effekt, insbesondere bei folgenden Infektionen, die gewöhnlich mit Antibiotika gehandelt werden: Otitis media, Sinusitis, Erkältungen, leichte und schwerere grippale Infekte.

Optimal wäre, wenn Homöopathie wie in der Schweiz für alle Patienten oder wie in Deutschland für mehr als 70 Prozent der Patienten bei 69 der 134 gesetzlichen Krankenkassen als kassenärztliche Leistung zur Verfügung stehen könnte. Neben dem zusätzlichen therapeutischen Angebot hätte dies auch einen volkswirtschaftlichen Vorteil. So konnten Studer & Busato (2011) im Rahmen der Schweizer PEK-Studie zeigen, dass Kassenärzte mit homöopathischer Zusatzausbildung 15 Prozent weniger Kosten verursachten.

Volkmar Weilguni, Ärzte Woche 46/2014

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