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© Alice Schnuer-Wala
Mag. Volkmar Weilguni Gesundheitspublizist
 
Gesundheitspolitik 2. September 2014

Weniger ist nicht immer mehr?

Die Komprimierung der Alpbacher Gesundheitsgespräche sollte dringend überdacht werden.

Die Gesundheitsgespräche in dem Tiroler Kongressdorf Alpbach gehören zu den Höhepunkten des Jahres. Heuer wirkte die Veranstaltung allerdings etwas zerfahren.

„At the Crossroads“ lautete das Motto der diesjährigen Gesundheitsgespräche im Rahmen des Forums Alpbach. Bezogen hat sich das natürlich auf die Entwicklung der modernen Medizin. Manche Teilnehmer waren am Ende der zwei Tage aber eher versucht, „At the Crossroads?“ als Fragestellung zur zukünftigen Ausrichtung der Gesundheitsgespräche selbst zu verstehen.

Die Veranstalter haben in diesem Jahr vieles geändert, manches Neue versucht. Ob mit Erfolg - darüber gingen die Meinungen weit auseinander.

Diskutieren ließe sich trefflich etwa über Themenwahl und inhaltliche Ausrichtung. Das Gesundheitssystem 2025 sollte entworfen werden. Das liefert freilich viel Platz für philosophische Erörterungen und abstrakte Gedankengebäude, für Wunschszenarien und Horrorvisionen. In diesem Sinn kommt „At the Crossroads“ dem Gründungsgedanken des Forums Alpbach durchaus nahe: sich zurückziehen, gemeinsam nachdenken, den Alltag hinter sich lassen. Wer Alpbach jedoch eher als einen Ort begreift, wo hochkarätige Experten aktuelle gesundheitspolitische Entwicklungen besprechen, kommentieren und politisch beeinflussen wollen, der würde sich konkretere Themen wünschen (Journalisten natürlich auch!). In diesem Sinne schwärmen heute noch viele von den Gesprächen des Jahres 2012 zur „Kindergesundheit“.

Kritischer noch wurden die adaptierten Veranstaltungsformate gesehen. Die Komprimierung der Veranstaltung auf zwei Tage sorgte für Reise- und Terminhektik und ließ kaum Raum für kontemplative oder vernetzende „Side Events“. Ein Teilnehmer brachte es folgendermaßen auf den Punkt: „Während die einen mit ihren Reisekoffern noch in der Schlange standen, um sich registrieren zu lassen, dachten andere (ebenfalls mit ihren Reisekoffern) schon darüber nach, wo sich zwischen den dicht gedrängten Programmpunkten der optimale Abreisezeitpunkt finden ließe.“

In der Zeit dazwischen führte die Idee der Veranstalter, die großen Gesundheitsfragen der heimischen Gesundheitspolitik innerhalb von drei Stunden in 25 Kleingruppen zu je acht Teilnehmern beantworten zu lassen, nicht nur zu Chaos, sondern leider auch zur Produktion von Gemeinplätzen anstelle von fundierten Expertisen. In diesem Fall zumindest wäre weniger wohl mehr gewesen. Auch die neue Form der Abschlusspräsentation nach der Pecha Kucha Methode sorgte am Ende für manche Überforderung bei Vortragenden und Zuhörern. Die Zeit war knapp. Passt das eigentlich zur Alpbach-Idee? Ich werde im nächsten Jahr wieder da sein– und ich freue mich schon darauf. Denn dort, wo Innovation ist, da muss auch Platz für Versuche sein. Nicht alle davon können gelingen. Gerade daraus lässt sich viel neue Innovationskraft ziehen.

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