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In mobilen Kliniken von Ärzte ohne Grenzen werden die Patienten in den durch die Kampfhandlungen medizinisch unterversorgten Gebieten im Irak behandelt.

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Die Krankenhäuser sind leer. Ärzte ohne Grenzen kommt mit mobilen Kliniken zu den Patienten.

 
Gesundheitspolitik 15. Juli 2014

Irak: Krankenhäuser unter Beschuss

Zehntausende Zivilisten von dringend benötigter medizinischer Hilfe abgeschnitten

Im Irak sind in den vergangenen Tagen mehrfach Krankenhäuser und medizinische Einrichtungen beschossen und aus der Luft angegriffen worden. Einige dieser Einrichtungen wurden von Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) unterstützt. Zehntausende Zivilisten sind dadurch von dringend benötigter medizinischer Hilfe abgeschnitten. Die internationale Hilfsorganisation ruft alle Konfliktparteien dazu auf, medizinische Einrichtungen zu respektieren und dafür zu sorgen, dass medizinisches Personal dort auch weiter arbeiten kann.

Ärzte ohne Grenzen sucht für die weltweiten Hilfseinsätze dringend folgende Fachkräfte: Fachärzte der Unfallchirurgie, Notfallmediziner, Anästhesisten, Hebammen, Psychologen und Psychotherapeuten.

In den vergangenen Wochen seien immer mehr Krankenhäuser beschossen worden, sagt Fabio Forgione, der Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen im Irak. Er beruft sich auf die Berichte von medizinischem Personal. „Viele Mitarbeiter sind geflohen, weil sie Angst vor weiteren Angriffen hatten. Wir sind sehr besorgt, weil nun viele Patienten nicht mehr so versorgt werden können."

Nordirak und Zentrum des Landes besonders betroffen

Betroffen sind vor allem der Norden und das Zentrum des Landes. In Shirqat, einer Stadt zwischen Mossul und Tikrit, ist das Krankenhaus am 20. Juli bombardiert worden. „Ich war gerade dabei, einen Patienten in der Notaufnahme zu operieren, als das Krankenhaus getroffen wurde", berichtet ein irakischer Chirurg per Telefon aus dem umkämpften Gebiet. „Plötzlich brach die Hölle los: Der Strom fiel aus, alle liefen durcheinander. Die Menschen wussten nicht, ob sie fliehen oder lieber Schutz im Krankenhaus suchen sollten. Und alle hatten schreckliche Angst."

Nach diesem Vorfall wurde das Krankenhaus in Shirqat weitere Male getroffen und inzwischen evakuiert. Ein Teil der Patienten wurde in das nächste noch funktionierende Krankenhaus in der Stadt Hawija gebracht. Einige medizinische Leistungen wurden auf andere Orte der Stadt verteilt. „Die Arbeitsbedingungen sind schlecht. Vieles fehlt, etwa Antibiotika und Anästhetika", so der irakische Chirurg.

Angriffe auf Krankenhäuser schon im Juni

In Tikrit waren bereits am 13. Juni eine Klinik von Ärzte ohne Grenzen und am 27. Juni das größte Krankenhaus der Stadt getroffen worden. Dort traf eine aus einem Hubschrauber abgeworfene Bombe den Eingang und die Notaufnahme. Die Explosion überraschte einen irakischen Chirurgen nach einem gerade beendeten Kaiserschnitt. „Die Wände wackelten, und die Fenster und Türen sind zersprungen", erzählt er. „Dann sahen wir dichten Rauch aus der Notaufnahme qualmen, und wir eilten hinunter in das zerstörte Erdgeschoss. Wir fanden einen Toten. Alle anderen Patienten brachten wir ins Saladin-Krankenhaus. An diesem Tag ist der Großteil des Personals geflohen." Die Frau, die er zuvor operiert hatte, und ihr Baby überlebten.

Auch in den darauffolgenden Tagen wurde das Krankenhaus in Tikrit, in dem zuvor etwa 5.000 Patienten pro Monat behandelt wurden, wiederholt getroffen; ebenso das zweite Krankenhaus der Stadt. „Es ist ein Desaster", beschreibt der Chirurg aus Tikrit. „Die Krankenhäuser sind leer. Die Menschen müssen nun mehr als 200 Kilometer durch Kriegsgebiet fahren, um die nächstgelegenen Krankenhäuser in Erbil oder Kirkuk zu erreichen."

Notfallpläne für Evakuierung

Das Krankenhaus in Hawija, in dem Ärzte ohne Grenzen seit 2011 arbeitet, ist eines der wenigen in der Region, die noch nicht von einem Luftangriff getroffen wurden. Ein Mitarbeiter berichtet aber, dass in der vergangenen Woche zweimal Bomben in der Nähe der Klinik explodiert seien. „Wir fürchten, dass das Krankenhaus getroffen werden könnte", sagte er. „Wir machen daher zurzeit Notfallpläne, um unsere Dienste an andere Orte verlegen zu können."

Ärzte ohne Grenzen unterstützt drei Krankenhäuser in den Städten Sinjar, Hawija und Heet mit 24-Stunden-Notfalldiensten. Die Organisation betreibt zudem in den Gebieten von Mossul und Kirkuk mobile Kliniken mit Fokus auf Mutter-Kind-Gesundheit und chronische Krankheiten. Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 2006 im Irak – zurzeit mit mehr als 300 Mitarbeitern. Mit Spenden kann die wichtige Arbeit unterstützt werden.

Informationen: http://www.aerzte-ohne-grenzen.at/


 

ki/Ärzte ohne Grenzen, springermedizin.at

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