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Plädieren für ein neues Leistungsprofil (v.l.): Dr. Wolfgang Hockl, Jonas Rech, Dr. Erwin Rebhandl.
 
Gesundheitspolitik 16. Juni 2014

Weil einer die Übersicht behalten sollte

Die Oberösterreichische Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin fordert für den Hausarzt die Rolle des Managers für die Gesundheit des Einzelnen ein.

Unser Gesundheitssystem ist zu spitalslastig. Die geplante Reform sieht eine Aufwertung des Hausarztes und des extramuralen Bereichs vor. In der 15a Vereinbarung zur Reform wird dezidiert auch das Primary Health Care Modell (PHC) angeführt. Daher fordert die Oberösterreichische Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin eine Primärversorgung, in der der Hausarzt die zentrale Rolle als Manager, Koordinator, Begleiter, kurz als Drehscheibe für die Gesundheit des Einzelnen, einnimmt.

Das PHC-Konzept wurde 1978 von der WHO formuliert, von Österreich unterschrieben, aber bis heute nicht umgesetzt. Dazu braucht es verbesserte Strukturen, Rahmenbedingungen, Ausbildung sowie einen modernisierten Leistungskatalog, monierte Dr. Wolfgang Hockl, seines Zeichens Präsident der Oberösterreichische Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (OBGAM) auf einer Pressekonferenz Anfang Juni.

Am Land kriselt es deutlich

Hockl nannte auch jene Gründe, warum jetzt schon so manche Landarztpraxis nicht mehr nachbesetzt wird:

  • Die Arbeitsbelastung steigt, der Arbeitsaufwand ist nicht berechenbar.
  • Bereitschaftsdienste sind unattraktiv, der Job mittlerweile familienfeindlich.
  • Der Leistungskatalog ist nicht mehr zeitgemäß und zudem kompliziert.
  • Einführung der verpflichtenden Lehrpraxis

Für den letztgenannten Punkt gab es deutliche Zustimmung vonseiten der JAMÖ (Junge Medizin Österreichs). Deren Vorstandsmitglied Jonas Rech insistierte: „Die schon mehr als 20 Jahre geforderte verpflichtende Lehrpraxis muss endlich umgesetzt werden. Nur dort kann ein Jungarzt lernen, was im niedergelassenen Bereich auf ihn zukommt. Konzepte dazu liegen im Ministerium.“

Mehr als 80 Prozent der Gesundheitsstörungen können im niedergelassenen Bereich abgeklärt und behandelt werden. Nur unter Einbeziehung aller bei der Grundversorgung Tätigen wird es gelingen, PHC-Modelle zu installieren. Detailkonzepte für Pilot-Projekte sind in Ausarbeitung.

Wohnortnahe, umfassende Basisversorgung

Innerhalb von 15 Minuten mit dem Auto erreichbar, sollen möglichst viele gesundheitliche Probleme gelöst werden. Es braucht eine Grundversorgung, die neben der allgemeinmedizinischen Ebene auch die Bereiche der Pflege, Psychologie, Psychotherapie, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Arzneimittelversorgung und soziale Dienste umfasst. Der Großteil der Versorgung findet in der Ordination oder in Gesundheitszentren statt, wo selbstverständlich auch nichtärztliche therapeutische Leistungen erbracht werden sollten. Internationale Vergleiche zeigen indes deutlich, dass ein hausarztbasiertes gutes System der Bevölkerung mehr Jahre bei guter Gesundheit bringt. Der OBGAM-Präsident aus Enns erwartet sich viel vom Primary Health Care-Modell daher viel: „Bessere Ergebnisse in der Versorgung bei niedrigeren Ausgaben, rasche umfassende Betreuung Akutkranker, Erhöhung der Lebensqualität chronischer Kranker, Senkung unnötiger Krankenhausaufenthalte und Ambulanzbesuche“. Bis zum ersten Quartal 2016 sollten neue Strukturen als Pionierprojekte in jedem Bundesland installiert sein.

Quelle: Pressekonferenz „Eine klare Entscheidung – Hausarzt vor Spitalsambulanz. Der Allgemeinmediziner als Drehscheibe der Gesundheit“; Linz, 4. Juni 2014

Christine Radmayr, Ärzte Woche 25/2014

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