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Die innere und äußere Struktur kann Ursache für Frust und Demotivation sein.
 
Gesundheitspolitik 2. Juni 2014

Leserbrief: Dienstplan frisst Forschungsgeist?

Harmonisierung der Spannungsfelder der medizinischen Akademie in Wien.

Großartiges und zukunftsweisend Innovatives bieten MedUniWien und AKH in Form höchst entwickelter medizinischer Leistungen bekanntlich seit langem unserer Bevölkerung. Das zeigt: Die Einrichtung ist erfolgreich und vermag Einzigartiges. Allerdings darf medizinische Exzellenz nicht über gegenwärtige sozio-ökonomische und kulturpolitische Herausforderungen hinwegtäuschen. Die Exzellenz muss ihrerseits versuchen, diese Herausforderungen zu verstehen, um positiv darauf reagieren zu können.

Akademische medizinische Tätigkeit versteht sich auch als künstlerische Berufung und bedarf steter Besinnung auf ihr eigentliches Wesen, nämlich der Umsetzung gesundheitsfördernder und erhaltender Handlungen. Das benötigt Frei-Raum und Zeit zur Entfaltung kreativen Denkens. Wohlgemerkt: Wir sprechen von Kunst und nicht von Routine! Die positive, von ehrlichem Streben der jungen Generation getragene Energie wird im Spannungsfeld zwischen Forschung, Lehre und Routine jedoch nur allzu leicht aufgerieben, wenn nicht gar abgetötet: Und zwar im Rahmen eines demotivierenden, auseinander-verrechnenden Dienstzeitplanersystems. Eine Struktur, die das Wirken in der Einrichtung lediglich auf Verfüg- und Steuerbarkeit als An- und Abwesenheit in Form von Excel Listen und Diagrammen reduziert. Liegen hier vielleicht die Ursachen für Frust, Enttäuschung und Burn Out mancher Betroffener? Streben wir Leere statt Lehre an?

Architektur nach Rechnungstabellen-Muster...

Ist es Zufall oder nicht, dass die Architektur des Wiener AKHs die derzeitige, auf tabellarische Vereinheitlichung abgerechnete und aus-gerichtete Vermassung der Gesellschaft prophetisch vorausschauend geplant hat, wo der moderne Mensch in seiner Frei-Zeit zunehmend in Rechnungs-Tabellen artigen Wohnsilos vereinsamt?

Wäre es nicht an der Zeit, dass die Verantwortlichen (AKH, MedUniWien Management; Stadt, Land, Bund Politik) die Finanzierung bereitstellen, und ebenso dafür ausgebildete Persönlichkeiten, zur Lösung des in einer medizinischen Akademie dazugehörenden Spannungsfelds zwischen Forschung, Lehre und ärztlicher Tätigkeit am Patienten? Und sollten nicht alle Betroffenen in die Entscheidungsfindung mit einbezogen werden? Schüfe dies nicht die längst fällige Offenheit für neues akademisches Denken und dessen Umsetzung? Gäben wir damit der Wissenschaft nicht das, was sie dringend braucht: Frei-Raum und Zeit für ärztliche Kunst?

Prof. Dr. Martin Riegler, Chirurg, Wien, über die Auswirkungen des an der MedUniWien/Wiener AKH praktizierten Sparkurses. E-Mail:

Martin Riegler, springermedizin.at

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