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© dpa
 
Gesundheitspolitik 28. April 2014

Webauftritte und täuschend echte Verpackungen

Hinter Arzneimittelfälschungen stecken nicht kleine Betrüger, sondern organisierte Kriminalität.

Arzneimitteln durch kriminelle Netzwerke nehmen dermaßen Überhand, dass von Interpol ein eigener Fachausdruck dafür kreiert wurde: „Pharmaceutical crime“ beschreibt das Verbrechen, Arzneimittel zu fälschen und in Verkehr zu bringen. Gesundheitsorganisationen, Zoll und Polizei arbeiten eng zusammen, um den mafiösen Strukturen der Arzneimittelfälscher das Handwerk zu legen.

Ein aktueller Coup gelang im französischen Le Havre, wo im Februar ein Frachtschiff mit 2,4 Millionen als Tee deklarierten Arzneimittelfälschungen im Hafen einlief und gestellt wurde. Im Juni 2013 wurden bei der Interpol-gestützten Aktion PANGEA VI weltweit 9,8 Millionen illegale und gefälschte Arzneimittel konfisziert.

Gefälschte Arzneimittel gelangen über illegale Vertriebswege an die Konsumenten. Mittels Internetbestellungen und Versandhandel unterwandern tausende Packungen auch den österreichischen Markt. Das österreichische Finanzministerium berichtet in seinem aktuellen Produktpirateriebericht 2013, dass vergangenes Jahr 22.293 Tabletten vom Zoll abgefangen wurden. Wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs. Vertrieben werden diese Fälschungen über professionell gestaltete Online-Portale, die den Konsumenten Echtheit und Seriosität vortäuschen.

Forderung nach mehr Mitteln für „Enforcement“

Hinter „Pharmaceutical crime“ stecken jedoch nicht kleine Betrüger, sondern organisierte kriminelle Strukturen. Die Fälschungen werden mehrfach zwischen verschiedenen Kontinenten hin- und hertransportiert, um Spuren zu verwischen. Jüngst wurden im Internet bestellte gefälschte Arzneimittel an österreichische Konsumenten verschickt und als Absender nichtsahnende österreichische Apotheken angegeben.

Der Betrug flog auf, weil die Post falsch frankierte Pakete an die am Absender angegebenen Apotheken retournierte. Leider ist es extrem schwierig, den ausländischen Fälscherbanden habhaft zu werden. Deswegen fordert die Apothekerkammer mehr Mittel für das sogenannte Enforcement – Überwachung, Zollaktivitäten sowie polizeiliche Aufklärung und Verfolgung.

„Besonders problematisch ist, dass gefälschte Arzneimittel eine ernste Gefahr für die Gesundheit darstellen. Pharmaceutical crime ist ein Verbrechen, dem leider viele unbedarfte Kunden zum Opfer fallen“, warnt Apothekerkammerpräsident Mag. Max Wellan. Auch was seriös erscheinen mag, ist noch lange nicht sicher. Denn die Fälschermafia investiert in gute Webauftritte und täuschend echte Verpackungen, um die Kunden/Opfer in gefährlicher Sicherheit zu wiegen. „Wirklich sicher sind nur die Medikamente in den österreichischen Apotheken“. Der Konsument kann nicht erkennen, ob er sich auf einem gefälschten Webportal eines kriminellen Netzwerks befindet.

Vor wenigen Tagen bekam „Pharmaceutical crime“ eine neue Dimension. In Italien versuchte die Fälschermafia, manipulierte und wirkungslose Ampullen in die legale Lieferkette einzuschleusen. Die Folge ist ein weltweiter Rückruf eines Krebsmedikaments, das in Krankenhäusern verabreicht wird. Österreich ist Teil eines sehr engmaschigen europäischen Arzneimittel-Überwachungsnetzwerks, das eine höchst mögliche Sicherheit gewährleistet.

Österreichische Apothekenkunden können trotz dieser alarmierenden Warnungen getrost aufatmen. Jede der 1.340 Apotheken in Österreich hat durchschnittlich rund 19.200 Arzneimittelpackungen auf Lager. Dank der hohen Sicherheitsstandards und der präzise kontrollierten Logistik ist in den Apotheken noch nie eine Fälschung aufgetreten.

„Im Fall des manipulierten Krebsmedikaments wurden alle öffentlichen Apotheken und Krankenhausapotheken binnen Minuten nach den offiziellen Informationen der Behörde informiert und von den Apothekern die entsprechenden Medikamente fachkundig kontrolliert“, so Mag. Raimund Podroschko, Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer. „Dabei hat sich bestätigt, dass die Arzneimittel in den Apotheken sicher sind.“

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