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Linearbeschleuniger
 
Gesundheitspolitik 4. April 2014

Strahlentherapie: Mediziner beklagen zu lange Wartezeiten

Europäische Strahlentherapeuten tagen in Wien - Neuer Linearbeschleuniger am AKH.

 In der strahlentherapeutischen Versorgung sind Wartezeiten in Österreich so lang, dass Patienten gefährdet werden. Das beklagte der Obmann der Bundesfachgruppe Strahlentherapie der Ärztekammer, Robert Hawliczek, anlässlich des heute, Freitag, in Wien beginnenden fünftägigen Kongresses der Europäische Gesellschaft für Strahlentherapie (ESTRO).

"Dass wir in sehr vielen Fällen keine zeitgerechte Behandlung anbieten können, bedeutet, dass sich die Prognose der davon betroffenen Krebspatientinnen und -patienten verschlechtert. Das ist ein medizinisch und ethisch unerträglicher Zustand", erklärte Hawliczek vom Wiener SMZ Ost in einer Aussendung der Ärztekammer.

In Österreich gebe es zu wenige Strahlentherapie-Geräte. Die Richtwerte des Österreichischen Strukturplanes Gesundheit (ÖSG) liegen laut Ärztekammer bei einem strahlentherapeutischen Großgerät pro 100.000 bis 140.000 Bewohner. "Demnach müsste es in Österreich mindestens 64 Geräte geben, tatsächlich gibt es 43. Damit fällt Österreich gegenüber west- und nordeuropäischen Ländern deutlich ab. Für eine Million Einwohner stehen hierzulande durchschnittlich fünf Linearbeschleuniger zur Verfügung, in Westeuropa sind es sieben", erläuterte Karin Kapp (MedUni Graz), die Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Radio-Onkologie, Radiobiologie und Medizinische Radiophysik (ÖGRO).

Ost-West-Gefälle

Innerhalb Österreichs gibt es laut Kapp bei den Geräten ein Ost-West-Gefälle: "Während sich zum Beispiel Vorarlberg eher an die ÖSG-Vorgaben hält, ist das in Wien, Niederösterreich und der Steiermark nicht der Fall. In der Steiermark ist die Geräteausstattung am schlechtesten, in Wien sind die Wartezeiten am längsten. Außerdem sind viele Geräte in Wien nicht auf dem neuesten Stand", bemängelte die Medizinerin.

Neuer Linearbeschleuniger im AKH-Wien

Im Wiener AKH steht nach Angaben des Krankenhauses ab April ein neuer Linearbeschleuniger zur Verfügung. Dieses Strahlentherapiegerät verfüge gegenüber üblichen Modellen über die doppelte Dosisleistung. Somit könne bei Patienten mit hoch dosierter Strahlentherapie die reine Bestrahlungsdauer auf die Hälfte der Zeit reduziert werden, teilte das AKH in einer Aussendung mit. Mit dem neuen Linearbeschleuniger würden pro Tag etwa 45 Patienten behandelt.

Zugute kommen werde der Linearbeschleuniger vor allem Patienten, die mittels einer hoch dosierten Präzisionsradiotherapie behandelt werden, zum Beispiel gegen Lungen- oder Hirntumore sowie gegen Prostatatumore. An dem Linearbeschleuniger kommt ein Robotertisch zum Einsatz, auf dem die Position des Patienten bildgeführt und computergesteuert adaptiert werden kann. Auf diese Weise könne die Bestrahlung automatisch an Veränderungen angepasst werden, beispielsweise eine Änderung der Lage eines beweglichen Tumors in der Lunge, erklärte das AKH. Je nach Beschaffenheit und Lage des Tumors und der nahe gelegenen Organe könne das Feld bzw. die Strahlintensität kontinuierlich verändert werden. In die Anschaffung des Linearbeschleunigers wurden zwei Millionen Euro investiert.

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