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Gesundheitspolitik 28. Februar 2014

Sinnvolle Lösungen kommen nicht zustande

Bessere Versorgung österreichischer CED-Patienten gefordert.

In Österreich leben mindestens 40.000 Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, für die im Rahmen des ECCO-Kongresses im Februar in Kopenhagen jetzt konkrete Versorgungsziele definiert wurden. Sie sollen in vollem Umfang auch für Österreich gelten, fordert der Experte Prof. Dr. Gottfried Novacek.

„Vielleicht nimmt die heimische Politik die europäische Initiative, die durch ECCO angestoßen wird, zum Anlass, die Versorgung der österreichischen CED-Patienten zu verbessern“, hofft Novacek und erläutert weiter: „Wir haben in Österreich in der Versorgung von CED-Patienten Nachholbedarf. Vor allem die fehlende Abstimmung zwischen Spitälern und niedergelassenen Ärzten führt dazu, dass versorgungswissenschaftlich sinnvolle Lösungen nicht zustande kommen. Die Zielsteuerungsverträge des Bundes und der Länder bieten die Möglichkeit, eine gute Versorgung von CED als klares Ziel zu definieren. Von dieser Möglichkeit sollte im Sinne der Betroffenen Gebrauch gemacht werden.“

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen beginnen meist im Jugend- und jungen Erwachsenenalter und begleiten die Betroffenen viele Jahrzehnte. CED scheinen eine komplexe multifaktorielle Ursache zu haben, bei der genetische Prädisposition, Umweltfaktoren und Veränderungen des Mikrobioms und des Immunsystems wesentliche Rollen spielen. Durchfall, plötzlicher Stuhldrang, Bauchschmerzen, Gewichtsabnahme, Fieber und Gelenkschmerzen sind die häufigsten Beschwerden. Operationen, schlechte Lebensqualität sowie soziale und berufliche Einschränkungen mit gehäuften Krankenständen und erhöhten Raten an Frühpensionen sind oft die Folgen, denen oft nur durch eine lebenslange und qualitätsgesicherte Versorgung entgegengetreten werden kann.

Definierte Ziele

Im Rahmen des ECCO hat IBD 2020, ein internationales Forum zur Verbesserung der Versorgungsqualität der Patienten mit CED, folgende Ziele definiert:

1.) Patienten mit CED sollen:

  • mit dem Ziel, die Entzündung zu kontrollieren und ein Fortschreiten der Krankheit zu verhindern, behandelt werden
  • Zugang zu einer auf CED spezialisierten multidisziplinären Versorgung haben
  • Zugang zu allen therapeutischen Möglichkeiten haben
  • einen raschen Zugang zu einer spezialisierten Versorgung haben, um eine korrekte Diagnose zu ermöglichen
  • durch einen leichten Zugang zu Patientenschulung unterstützt werden
  • über Studien informiert werden, für die sie geeignet sein könnten, und deren Teilnahme sollte unterstützt werden, falls dies von Patientenseite gewünscht ist.

2.) In der Patientenversorgung Tätige und Gesundheitsbehörden sollen die Rolle der Patientenselbsthilfegruppen unterstützen.

3.) Regierungen und Gesundheitsbehörden sollten sicherstellen, dass die Versorgung von CED ausreichend gewährleistet wird.

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen sind aktuell nicht heilbar, jedoch durch Behandlung meist beherrschbar. Das Repertoire der medikamentösen Therapie reicht bis zum Einsatz von Immunsuppressiva und Biologika. Funktionelle Einbußen des Magen-Darm-Traktes, Komplikationen und extraintestinale Manifestationen können zu einer körperlichen Behinderung führen. Eine gute Versorgungsstruktur, die eine rasche Diagnose und eine effektive Behandlung ermöglicht, ist nicht nur für die betroffenen Patienten essentiell, sondern, wie Studien belegen, auch von volkswirtschaftlicher Bedeutung.

CED = chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
ECCO = European Crohn´s and Colitis Organisation
IBD = inflammatory bowel diseases

massgeschneidert PR, Ärzte Woche 10/2014

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