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Gesundheitspolitik 24. Februar 2014

Offener Brief der Wiener Ärztekammer

MedUni Wien/AKH: Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres richtet offenen Brief an Rektor Wolfgang Schütz.

Im Zuge der Diskussion um Personaleinsparungen an der MedUni Wien/AKH hat Wiens Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres an den Rektor der Medizinischen Universität Wien, Wolfgang Schütz, einen offenen Brief gesendet, in dem er sich unter anderem gegen die andauernde Diskreditierung von Mitarbeitern durch den Rektor und dessen Vorwurf von "Geldgier" entschieden verwehrt.

Nachstehend der offene Brief im vollen Wortlaut:

"Sehr geehrter Herr Rektor Schütz,

vor zehn Jahren wurde die Medizinische Universität aus der Universität Wien ausgegliedert. Eines der Ziele war es damals, die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine bessere Zusammenarbeit mit der Gemeinde Wien zu schaffen, um die gemeinsame Betriebsführung des größten österreichischen Krankenhauses, des AKH, zu ermöglichen.

Alle Versuche scheiterten. Das Verhältnis zur Krankenhausverwaltung ist nach wie vor ambivalent. Der Spitalsbetrieb funktioniert nur, weil sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der täglichen Routine nicht um die Streitigkeiten zwischen Rektorat und Direktion kümmern, sondern zum Wohle ihrer Patientinnen und Patienten bestmöglich zusammenarbeiten.

Das AKH ist trotz widriger Rahmenbedingungen ein exzellentes Krankenhaus hinsichtlich der medizinischen Spitzenversorgung bei einem respektablen wissenschaftlichen Output. Entsprechend hoch ist auch seine nationale und internationale Reputation. Dies ist nur durch Motivation und überdurchschnittlichen Einsatz aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, zum Großteil in der Freizeit, zu erreichen.

Eigentlich könnten und sollten Sie stolz sein auf 'Ihre' Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, und sie sollten stolz sein, einer einzigartigen Einrichtung, wie der Medizinischen Universität Wien, vorstehen zu dürfen.

Wir haben aber nicht den Eindruck, dass dem so ist. Im Gegenteil: Seit Jahren werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter abgebaut, Dienste eingespart, und Sie versuchen, für die Patientenversorgung wichtige Einrichtungen zu beschneiden. Offensichtlich sind Sie der Überzeugung, dass das Krankenhaus zu groß ist und wir zu viel für die Gemeinde Wien arbeiten. Anders können wir uns das nicht erklären. Wir arbeiten und forschen aber nicht für eine Körperschaft, sondern für unsere Patientinnen und Patienten.

Das Spital ist groß dimensioniert, was bei der Entstehung visionär war und heute, wenn man sich die Spitalsreform der Stadt Wien anschaut, dem Trend entspricht. Es ist daher medizinisch und wirtschaftlich kontraproduktiv, den Krankenhausbetrieb zu reduzieren. Genau das tun Sie aber mit der Reduktion des Personalstandes bei gleichzeitiger Verdichtung der Arbeit.

Sie sind offensichtlich der Meinung - und sagen dies auch öffentlich -, dass Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr arbeiten sollten und diese ohnehin nur an Einkommenssteigerungen interessiert seien. Dies aber ist falsch. Und es ist menschlich enttäuschend. Anstatt die vielen hart arbeitenden Universitätsangehörigen entsprechend wertzuschätzen, diskreditieren Sie sie öffentlich. Es gehe uns nur um das Einkommen, wir würden in Nachtdiensten nur kassieren und nichts arbeiten. Das ist ungerecht und führt zu Demotivation und Frustration. Sie sollten wissen, wie schwierig es ist, neben der Routine auch Lehre und Forschung zu betreiben. Sie sollten wissen, wie schwierig es ist, die Hürden für Vertragsverlängerungen zu meistern. Die Voraussetzungen werden immer schlechter, die Unsicherheit steigt. Heute müssen junge Assistentinnen und Assistenten, um verlängert zu werden, Leistungen erbringen, die man vor wenigen Jahren nur von Spitzenmedizinern verlangte.

Es geht nicht an, im klinischen Bereich Stellen abzubauen und Nachtdienste zu kürzen, und das ohne jegliche Leistungs- oder Personaleinsatzplanung. Gleichzeitig werden andere nationale Projekte, wie die MedUni in Krems, oder internationale Vorhaben (MUVI) ideell und finanziell gefördert.

Ich ersuche Sie im Namen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Ihrer Universität, Leistung zu belohnen, Leistungsträger zu fördern und Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Ihre Universität entsprechend öffentlich zu würdigen, anstatt von oben verordnet Personal zu reduzieren, uns Geldgier vorzuwerfen und uns zu diskreditieren.

Ihr, ao.Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres, Präsident der Ärztekammer für Wien"

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