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Gesundheitspolitik 7. Februar 2014

Lachen und Zweifeln

Selbstkritik, Selbstzweifel und auch Selbstironie sind Eigenschaften, die mit der Fähigkeit zur Reflexion einhergehen. Im hektischen Alltag geht das Bewusstsein dafür allerdings leicht verloren. Dann richten sich Kritik, Zweifel und Ironie gerne nach außen und treffen oft das nähere und weitere Umfeld. Was wiederum ein beträchtliches Potential für Missstimmungen und auch zur Eskalation hat. Bis zu dem Punkt, wo man nicht mehr miteinander kann – nicht mehr miteinander reden, nicht mehr miteinander arbeiten, nicht mehr miteinander planen und schon gar nicht: Miteinander lachen.

Lachen reinigt die Seele und das Gemüt

Die reinigende und heilsame Wirkung des Lachens ist ja mittlerweile durchaus bekannt und anerkannt, aber die Umsetzung in das eigene Leben – privat wie beruflich – bleibt leider häufig in den Auseinandersetzungen und der Hektik auf der Strecke. Und über sich selbst zu lachen ist bei Vielen schon lange verlorengegangen. Dabei wirkt es so unglaublich befreiend – für einen selbst und meist auch in angespannten Situationen. Wenn plötzlich klar wird, dass die vermeintliche Wichtigkeit – der Person oder der Entscheidung – in Wirklichkeit und in Relation zum großen Ganzen schnell an Bedeutung verliert. Damit wird freilich auch eine Basis geschaffen, auf der Ehrlichkeit und Vertrauen viel besser gedeihen als auf jener, wo permanent gelauert wird, Fehler der Anderen zu entdecken, um den eigenen Vorteil zu erringen, um vermeintliche Siege da vonzutragen. In einer Atmosphäre des Vertrauens hingegen können eben auch Ängs­te und Zweifel artikuliert werden, können Dinge in Frage gestellt werden und tragfähige Lösungen für alle gefunden werden. Die vermeintlich voll Selbstsicherheit strotzenden Akteure kennen keinen Zweifel und keine Angst. Aber Erich Fried, politischer und hochemotionaler Lyriker und genialer Shakespeare Übersetzer, hat auch dazu sehr kluge Gedanken in knappe Vers form gebracht:

Zweifle nicht an dem der dir sagt er hat Angst aber hab Angst vor dem der dir sagt er kennt keinen Zweifel

 

Schnellebige Zeit und kurzlebiger Erfolg

Die Realität sieht freilich konträr aus: Wer Zweifel an sich und seinem Tun hat, wird schnell mit allen möglichen negativen Etiketten versehen und im Arbeits wie auch im Privatleben an den Rand gestellt. Zwei fel und Ängste sind in unserer schnelllebigen, zum raschen und meist auch kurzlebigen Erfolg gezwungenen Zeit ein Makel, keine Tugend. Angst und Zweifel werden schnell pathologisiert, als Krankheitssymp­tom taugen sie gerade noch. Dabei sind es gerade die feinfühligen, die sensiblen, die aufmerksamen Menschen, die mit der artigen Problemen zu tun haben und deren Potential damit ungenützt bleibt. Statt dessen werden allerorts mit Begeisterung Machtspiele veranstaltet – mit Siegern und Verlierern, über Letztere triumphiert man lautstark und lässt keinen Zweifel darüber, dass die Niederlage schmerzlich ist. So wer den Verhandlungen auf politischer Ebene geführt, ebenso wie auf geschäftlicher und auf privater Ebene. Übersehen wird dabei, dass dieses Vorgehen in Wahrheit auf bei den Seiten Verlierer produziert. Aber man sollte nicht aufgeben auf Veränderungen und ein Umdenken zu hoffen. Vielleicht schon im Neuen Jahr.

Dies wünscht uns allen Ihre

Verne Kienast

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