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Dr. Thomas Perkmann, Vorsitzender des Betriebsrats für das wissenschaftliche Universitätspersonal

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

© VAMED

Stellungnahme des Rektorats der MedUni Wien – Auszüge aus einer schriftlichen Aussendung inklusive aktuellem Statement

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

© Franz Pflügl

Prof. Dr. Thomas Szekeres Präsident der Ärztekammer für Wien

 
Gesundheitspolitik 27. Jänner 2014

Standpunkte: Personal-Raubbau an den Unikliniken?

Lautstarke Ärzteproteste sind keine Seltenheit mehr. Ärzte, die ihren Forderungen auf der Straße Nachdruck verleihen, aber schon. Es rumort an den Universitätskliniken am Wiener AKH.

Zwischen 150 und 300 Ärzte – so genau wollten oder konnten das am Ende weder Organisatoren noch Polizei sagen – machten am vergangenen Dienstag ihrem Unmut Luft und verlegten eine Betriebsversammlung öffentlichkeitswirksam auf die Spitalsgasse. Sie wehrten sich damit gegen die vom Rektor der Medizinischen Universität Wien, Wolfgang Schütz, Anfang des Jahres angeordnete Reduktion der Journal-Nachtdienste und fordern deren sofortige Zurücknahme. Andernfalls würde eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen für die Ärzteschaft drohen und damit verbunden eine Gefährdung der Qualität in der Patientenversorgung. Die Kundgebung wurde vom Betriebsrat gemeinsam mit der Wiener Ärztekammer ausgerichtet. Schütz zeigte sich von den Protesten allerdings unbeeindruckt und ließ den Demonstranten ausrichten, dass an seiner Entscheidung nicht zu rütteln sei. Die Ärzte Woche bat Rektor Schütz, seine Vorgehensweise in einem persönlichen Kommentar in der Rubrik „Standpunkte“ zu argumentieren und seine weiteren Pläne zur Deeskalierung darzustellen. Dieser lehnte dieses Angebot jedoch ab und ließ der Redaktion über seinen Sprecher ausrichten, dass die Führung der MedUni Wien „die Gespräche zu diesem Thema derzeit nicht öffentlich, sondern intern führen möchte“.

Anstelle eines persönlichen Kommentars werden daher in der mittleren Spalte Auszüge aus einer bereits früher publizierten offiziellen Erklärung der MedUni abgedruckt, die laut dem Sprecher von Schütz „nach wie vor aktuell“ sei.

Keine Strukturreform

„Eine gleichbleibend hohe Versorgungsqualität muss auch in der Nacht gewährleistet werden.“

Dr. Thomas Perkmann, Vorsitzender des Betriebsrats für das wissenschaftliche Universitätspersonal

Die Ärztinnen und Ärzte der MedUni Wien gehen erst dann auf die Straße, wenn eine Lösung auf dem Verhandlungsweg nicht mehr möglich erscheint. Viel zu groß sind das Verantwortungsgefühl und die Verpflichtung der Ärzte den Patienten gegenüber, als dass man zu solchen Mitteln aus purer Effekthascherei greifen würde. Rektor Schütz hat Anfang dieses Jahres die ärztlichen Mitarbeiter mit der Streichung von zwölf Journaldiensten überfallen, ohne dass dieses Vorhaben rechtzeitig kommuniziert, geschweige denn adäquat vorbereitet worden wäre. 172 Journaldienste, die zur Versorgung der ambulanten und stationären Patienten am AKH Wien in den Nachtstunden benötigt werden, wurden mit einem Schlag auf 160 Journaldienste reduziert. Dass eine solche Reduktion von Journaldiensten mögliche Auswirkungen auf die Versorgung der Patienten haben könnte, dürfte bei diesem Schritt nicht ausreichend bedacht oder billigend in Kauf genommen worden sein.

Man hätte sich wohl vorab die Frage stellen sollen, warum sich die Anzahl der Journaldienste bereits seit vielen Jahren recht konstant auf diesem Niveau eingependelt hat. Die Anzahl der Journaldienste spiegelt die notwendigen Personalressourcen zur Erbringung eines bestimmten Leistungsvolumens wider. Wird die Anzahl der Journaldienste reduziert, so kommt es zu einer sicheren Reduktion der Leistungen und somit zu Einschränkungen in der Patientenversorgung. Dieser Leistungsreduktion können die Ärzte dann nur noch durch mehr Arbeitseinsatz entgegenwirken, sie werden dabei aber schnell an ihre Grenzen stoßen.

Übrig bleiben unzufriedene Patienten und überlastete Ärzte, denen sowohl die Arbeitsverdichtung als auch die Unzufriedenheit der Patienten zusetzt und die Freude an der Arbeit raubt. Der zunehmende Arbeitsdruck für Spitalsärzte in den Nachtdiensten wird in diversen Spitalärzte-Umfragen als wesentlicher Grund für die Abwanderung der Ärzte aus den Spitälern genannt. Planlose Kürzungen von Journaldiensten sind keine Strukturreform, sondern nehmen dem AKH die hohe Qualität der Patientenversorgung und vertreiben hoch qualifizierte Ärzte.

Fortschrittliche Anpassung

„Regelung entspricht einer Annäherung an die aktuellen europäischen Arbeitszeitgesetze.“

Stellungnahme des Rektorats der MedUni Wien – Auszüge aus einer schriftlichen Aussendung inklusive aktuellem Statement

Seit 2014 stehen tagsüber an den Universitätskliniken der MedUni Wien am AKH Wien mehr Ärzte für die Patientenversorgung zur Verfügung, außerdem werden neue Ressourcen für die Forschungsarbeit frei. Das ergibt eine Anpassung der Dienstzeiten aufgrund der neuen Betriebsvereinbarung zum Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz zwischen Betriebsrat und Rektorat: Seit Beginn des Jahres gibt es an den Universitätskliniken eine Reduktion von insgesamt elf Journaldiensten in der Nacht, wofür 22 neue Ärzte eingestellt werden.

Die Auswahl der eingesparten elf Journaldienste ist mit den jeweiligen Klinikleitern akkordiert worden - selbstverständlich auch der oft kolportierte Schmerzdienst auf der Universitätsklinik für Anästhesie, auf der auch nach der Umstellung der Journaldienste in der Nacht 29 Ärzte im Einsatz sind und Patienten mit Schmerzen fachgerecht behandeln können.

Diese Anpassung wird aufgrund der neuen Betriebsvereinbarung an der MedUni Wien, die seit 1. September 2013 für alle Ärzte an der Universitätsklinik im AKH Wien gilt, durchgeführt. Darin wurde als zentraler Punkt die maximale durchgängige patientenbezogene Arbeitszeit an Wochentagen von 32 auf 25 Stunden beschlossen, um mit ausgeruhten Ärzten die hohe Qualität der Patientenversorgung zu gewährleisten.

Das entspricht auch einer Annäherung an die aktuellen europäischen Arbeitszeitgesetze und ist eine Anpassung im fortschrittlichen Sinn. Auch andere renommierte Universitätskliniken wie die Berliner Charité haben entsprechende Anpassungen in der Vergangenheit durchgeführt. Zudem war die Reduzierung der patientenbezogenen Arbeitszeit eine langjährige Forderung der Österreichischen Ärztekammer.

Mit der Einsparung von Journaldiensten und der Einstellung neuer Ärzte reagiert die MedUni nun auf die fehlenden Ressourcen für die Patientenversorgung untertags. Das bedeutet auch, dass einige routinemäßige Tätigkeiten, die bisher in der Nacht erledigt wurden, in den Tag verlegt werden müssen. Selbstverständlich betrifft das in keinem Fall lebensbedrohliche, akute Notfälle, die tagsüber wie nachts stets unmittelbar versorgt werden.

Rektor Schütz muss handeln

„Es gab für uns keine andere Möglichkeit mehr, den Protest auszudrücken.“

Prof. Dr. Thomas Szekeres, Präsident der Ärztekammer für Wien

Gerne sind wir nicht auf die Straße gegangen, aber es gab und gibt keine andere Möglichkeit, den Protest gegen die autoritäre und einseitige Streichung von Journaldiensten an der MedUni Wien auszudrücken. Rektor Schütz tat dies ganz ohne vorherige Personalplanung und ohne Berechnung, ohne dass klar ist, welche Dienste genau eingespart werden und was die Kolleginnen und Kollegen in diesen Diensten zu tun hatten. Er geht davon aus, dass diese Dienste nicht notwendig sind, und will damit Geld sparen. Das aber ist grundlegend falsch.

Selbstverständlich fehlen diese Dienste, in denen wichtige ärztliche Leistungen in der Nacht erbracht wurden, wie die Behandlung von Schmerz- und psychiatrischen Patienten oder auch die Versorgung von gebärenden Frauen. Darüber hinaus wird an der Orthopädie die Rufbereitschaft eingeführt. Das heißt: Ärzte müssen tagelang zu Hause auf ihren Einsatz warten. Idealerweise sollen sie in der Nähe warten, um im Notfall dann schnell in den OP geholt zu werden.

All dies bedeutet eine massive Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und des Einkommens. Zusätzlich kommt es zu einer Verdichtung der Arbeit. Davon sind überwiegend Assistenten betroffen, vermutlich, weil man dort auf weniger Gegenwehr hoffte. Die Jüngsten können leichter unter Druck gesetzt werden, so die offensichtliche Denkweise.

Der Rektor möchte mit dieser Maßnahme die Routineleistungen des AKH beschränken, allerdings steht bekanntermaßen das Haus für Patienten offen und diese kommen wegen der guten medizinischen Versorgung, unabhängig davon, wie viele Ärzte im Dienst sind.

In der Klinik soll Geld gespart werden. Gleichzeitig haben wir aber genug Ressourcen, um in Krems eine Privatuniversität mit unserem Personal zu versorgen. Wir haben genug Geld, um Hunderte von Mitarbeitern im Rektorat zu beschäftigen und ein Millionenbudget für das Rektorenteam und seine Berater zu bezahlen. Wir haben Millionen für ein Grundstück, um ein neues Vorklinikgebäude zu bauen. Wir hatten genug Geld, um die Zahnklinik neu zu bauen. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Aber wir haben nicht genug Geld für Nachtdienste!

V. Weilguni, Ärzte Woche 5/2014

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