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Gesundheitspolitik 24. Jänner 2014

Kinder- und Jugendpsychiatrie ist Mangelfach

Versorgungssituation verbesserungswürdig.

Es sei begrüßenswert, dass eine öffentliche Diskussion über die psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung von Kindern und Jugendlichen stattfinde und das Mangelfach Kinder- und Jugendpsychiatrie in den Fokus der Öffentlichkeit rücke. Das sagte die Obfrau der Bundesfachgruppe Kinder- und Jugendpsychiatrie in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Charlotte Hartl, in einer Aussendung.

Hartl reagierte damit auf die vom Team Stronach losgetretene Debatte um die Verschreibung von Antidepressiva bei Kindern und Jugendlichen und betonte, dass psychische Erkrankungen in jedem Alter ernst zu nehmen seien und von Experten behandelt werden müssten.

"Eine psychische Krankheit verschwindet nicht einfach wieder. Sie muss auf mehreren Ebenen behandelt werden; das bedeutet, dass wir Fachärztinnen und -ärzte mit anderen Gesundheitsberufen zusammenarbeiten müssen, etwa mit den Psychotherapeuten. Medikamente alleine richten meist nicht viel aus, wenn man sich nicht auch die Ursache des Problems vornimmt", sagte Hartl.

Verbesserungsbedarf

Generell ortet die Expertin enormen Verbesserungsbedarf, was die Versorgung betrifft. Hartl: "Das Fach der Kinder- und Jugendpsychiatrie steckt noch in den Kinderschuhen und ist noch nicht einmal zehn Jahre alt, die Versorgung ist entsprechend mager. Wir weisen seit Jahren darauf hin, dass die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Österreich ein Mangelfach ist und dringend mehr Ausbildungsstellen benötigt werden. Obwohl es in jüngster Zeit bundesweit graduelle Verbesserungen gegeben hat und der Politik die Problematik durchaus bewusst ist, ist noch viel zu tun." Mehr Betreuungsplätze in Rehabilitationseinrichtungen wären ein guter Anfang, mehr Kassenärzte ebenfalls. "Es kann nicht sein, dass Eltern, die unter der psychischen Krankheit ihres Kindes ebenso leiden wie das Kind selbst, für die Behandlungskosten privat aufkommen müssen. Wir brauchen schlicht und ergreifend in allen Bundesländern Kassenplanstellen, im Burgenland, in Salzburg und der Steiermark haben wir noch keine einzige", forderte Hartl.

Enttabuisierung

Die aktuelle Diskussion könne zur Enttabuisierung beitragen. Kinder und Jugendliche litten nämlich öfter an psychischen Erkrankungen, als gemeinhin angenommen. So seien rund fünf Prozent aller Kinder bereits depressiv, "darüber kann man nicht einfach den Mantel des Schweigens breiten", so die Expertin. Das Problem bestehe nicht darin, dass Kindern und Jugendlichen Antidepressiva verschrieben würden; kein Arzt werde leichtfertig ein Rezept ausstellen, wenn es nicht unbedingt erforderlich sei. Das Problem sei vielmehr, dass psychische Erkrankungen noch immer ein Tabuthema seien, und das quer durch alle Altersgruppen. Die Expertin mahnte abschließend zum behutsamen Umgang mit diesem sensiblen Thema: "Es hilft niemandem, wenn kranke Kinder und Jugendliche für populistische Zwecke instrumentalisiert werden."

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

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