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© Christine Obergottsberger
Alljährlich bringt die ÖDG beim „Nordic City Walk“ Bewegung in die Bevölkerung.

© privat

Pastpresident Prof. Dr. Dr.hc. Heinz Drexel, Leiter der Abteilung für Innere Medizin und Kardiologie, LKH Feldkirch

 

© Christian Saupper

Die Bewegungsbox gehört zu den erfolgreichen Initiativen der ÖDG.

 
Gesundheitspolitik 23. Jänner 2014

Schritt für Schritt

Helfen, heilen, forschen: Die Österreichische Diabetes Gesellschaft arbeitet beständig an der Umsetzung ihrer Ziele.

Der Einsatz innovativer Medikamente, das Disease Management Programm „Therapie aktiv“ und die intensive Zusammenarbeit mit den Diabetespatienten gehören zu den besonderen Anliegen der heimischen Diabetologen. Bis zum Jahreswechsel 2013/2014 leitete der Vorarlberger Internist Prof. Dr. Dr. h.c. Heinz Drexel die Geschicke der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG).

Zum Ende seiner zweijährigen Präsidentschaft spricht der Leiter der Abteilung für Innere Medizin und Kardiologie am Landeskrankenhaus Feldkirch mit der Ärzte Woche über die Schwerpunkte seiner Tätigkeit bei der ÖDG und seine Hoffnungen für Verbesserung der Versorgung der Diabetespatienten.

Herr Prof. Drexel, welche Fortbildungsangebote für Diabetologen organisierte die ÖDG in den vergangenen Jahren?

Drexel: Die Jahrestagung der ÖDG findet traditionellerweise in Salzburg statt und ist der größte Medizin-Kongress in Österreich. 2012 hatte die Tagung bereits 1.300 Teilnehmer, 2013 besuchten 1.400 renommierte nationale und internationale Gäste unseren Kongress.

Daneben hat die ÖDG auch Fortbildungstagungen organisiert. Die letzte Tagung in Bregenz fand zusammen mit Schweizer Diabetologen statt. Die Schweizer Kollegen setzen andere Forschungsschwerpunkte und arbeiten in anderen Strukturen, was den wissenschaftlichen und medizinisch-praktischen Gedankenaustausch besonders erfolgreich und befruchtend gestaltete.

Ein neues Angebot der Gesellschaft stieß auf großes Interesse: Aktiv Forschende müssen notwendigerweise internationale Kongresse besuchen. Aber gerade für Spitalsärzte ist das mitunter ein großer Aufwand. Um den Kollegen trotzdem die Quintessenz der Kongresse näherzubringen und die neuesten Entwicklungen in aller Kürze zu präsentieren, entwickelten wir sogenannte „Wrap-Ups“. Etwa zehn Ärzte fassten den Kongress der European Association for the Study of Diabetes (EASD), der in Barcelona stattfand, und den Kongress der American Diabetes Association (ADA), der in Chicago abgehalten wurde, für die Kollegen, die nicht teilnehmen konnten, zusammen. Das Angebot kam gut an, 2013 hörten 350 Teilnehmer unsere Wrap-Ups.

Gab es während ihrer Präsidentschaft auch andere Neuerungen?

Drexel: Ja, jeweils zu Jahresbeginn treffen sich inzwischen 30 Diabetologen – sozusagen die „Nationalmannschaft“ – zu einem Expertenmeeting. Das sind Strategiemeetings, in denen besprochen wird, wie mit Neuerungen – vor allem im Zusammenhang mit dem Hauptverband – umzugehen ist und welche medikamentösen Defizite es in Österreich gibt. Diese Treffen ermöglichen auch einen Austausch über das Grundlagenwissen und einen Blick über den Tellerrand – „der Muskel als endokrines Organ“, „die Psychologie des Menschen mit Diabetes“, „kognitive Einschränkungen“ und „neue Labortechniken“ waren beispielsweise Themen, die diskutiert wurden.

Konnten Sie Ihre politischen Ziele erreichen?

Drexel: Wir haben nicht alle unsere Ziele erreicht. Zum Teil sind die neuesten Medikamente in Österreich nicht gut verfügbar. Das betrifft vor allem – zugegebenermaßen teure – innovative GLP-1-Agonisten in Spritzenform, die hierzulande nicht in gleicher Weise anerkannt werden wie in anderen Ländern. Die Zulassung und Erstattung dieser Präparate ist nur in drei Ländern der EU nicht möglich, und Österreich gehört traurigerweise dazu. Hier müssen wir weiterkämpfen, um die Versorgung der Menschen mit Diabetes zu verbessern.

In welchen Bereichen gab es bereits Verbesserungen?

Drexel: Neue Medikamente in Tablettenform, DPP-4-Hemmer und GLP-2-Hemmer, wurden in Österreich sehr schnell eingeführt und werden auch nach vernünftigen Richtlinien erstattet. Da muss man den Hauptverband loben! Was orale Medikamente betrifft, können wir zufrieden sein.

Welche Ziele wird die ÖDG 2014 verfolgen?

Drexel: Die Diabetes-Charta von 2011 fordert Grundsätze in der Betreuung und ich glaube, dass wir diese Grundsätze in Österreich schon ganz gut erfüllen. Das Disease Management Programm „Therapie aktiv“ stottert allerdings ein wenig. Es existiert zwar schon einige Jahre, aber läuft – abhängig von den jeweiligen Trägern und der Ärztekammer – nicht in allen Bundesländern so gut wie in Salzburg und Vorarlberg. Außerdem ist das Programm in mancher Hinsicht, speziell bei der Blutdruck- und Cholesterinbehandlung, nicht modern genug. Daher gibt es Pläne für 2014 dieses DMP zusätzlich zu beleben.

Eine weitere Herausforderung für die Zukunft ist, dass wir über kein österreichweites Diabetesregister verfügen. Daran war die Politik bisher nicht interessiert, was die Sache natürlich etwas erschwert. Da müssen wir in mehreren kleinen Schritten hinkommen. Es gibt ein Register in Tirol und ein österreichisches Schwangerschaftsregister, aber die ÖDG möchte ein lückenloses Diabetesregister, wie es zum Beispiel die skandinavischen Länder haben.

Auch bei der Zusammenarbeit mit Patienten hat die ÖDG Akzente gesetzt …

Drexel: Die Gesellschaft arbeitet sehr gut mit Patientinnen und Patienten sowie Patientenvertretern wie der Diabetikervereinigung zusammen. Wir haben zum Beispiel Camps unterstützt und internationale Initiativen wie „Insulin für die Welt“. Es ist ein unerträglicher Zustand, wenn Patienten in armen Ländern kein Insulin bekommen können und Kinder an Diabetes sterben. Für „Insulin für die Welt“ hat die Diabetesgesellschaft daher einen nennenswerten Beitrag gespendet und auch ihre Mitglieder und die Öffentlichkeit um Unterstützung gebeten.

Was ist Ihnen persönlich ein besonderes Anliegen?

Drexel: Dass man bei der Zuckerkrankheit nicht nur auf den Zucker schaut, sondern die Erkrankung als Problem des gesamten Körpers erkennt und auch Cholesterin und Blutdruck so gut wie möglich behandelt. Inzwischen zeigen mehrere Studien, dass die Cholesterinzielwerte zur Hälfte nicht erfüllt werden. Das ist in Österreich nicht besser oder schlechter als in anderen Ländern. Die Hälfte der Patienten ist am Ziel, die andere Hälfte ist es noch nicht. Ein Weiterkommen ist hier nur in Zusammenarbeit mit den praktischen Ärzten möglich.

Das Gespräch führte Tanja Fabsits

T. Fabsits, Ärzte Woche 4/2014

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