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Gesundheitspolitik 8. Jänner 2014

Seelische Gesundheit der Österreicher unter der Lupe

Erstmals handfeste Datensammlung und Analyse über psychische Erkrankungen und die Versorgungssituation.

Eine neue Studie soll Lücken im Wissen über die Verbreitung von "Leiden der österreichischen Seele" und die Versorgungssituation der Betroffenen schließen. In den nächsten zwei Jahren wird die Epidemiologie der psychischen Erkrankungen in Österreich wissenschaftlich erhoben. Die Studie wird vom Wiener Sozialpsychiater Johannes Wancata (Psychiatrische Universitätsklinik) geleitet.

"Wir planen die erste echte epidemiologische Studie zu den psychischen Erkrankungen und zur Versorgung der Betroffenen", sagte Wancata, Vorstand der Abteilung für Sozialpsychiatrie an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie im AKH. Die Datenlage zu den psychischen Erkrankungen und zur Versorgung der Patienten war in Österreich bisher dürftig.

2011 stellte der Hauptverband der Sozialversicherungsträger eine aus Behandlungs- und Medikationsinformationen abgeleitete Studie vor. Im Jahr 2009 erhielten laut diesen Informationen 900.000 Österreicher Leistungen der Krankenkassen wegen psychischer Erkrankungen. 840.000 Patienten erhielten Psychopharmaka verschrieben. Die Zahl der Krankenstände wegen psychischer Leiden ist offenbar von 2007 auf 2009 um 22 Prozent gestiegen.

Dunkelziffer erfassen

Naturgemäß kann eine solche Analyse aber nur jene Personen umfassen, bei denen eine solche Erkrankung diagnostiziert und auch behandelt wurde. Wancata: "Wer nicht zum Arzt geht, fällt dabei nicht auf. In unserer Studie wollen wir eine für die 18- bis 65-Jährigen repräsentative Gruppe von rund 1.000 Österreichern von Fachleuten aufwendig untersuchen lassen. Die Untersuchenden werden Psychologen mit klinischer Erfahrung, speziell geschulte Allgemeinmediziner oder Psychiater in Ausbildung sein. Es geht hier auch um die Einschätzung des Grades von psychischer Gesundheit bzw. Krankheit." Es handelt sich damit um keine bloße Fragebogen-Aktion.

Mit der neuen Studie sollen hingegen die Häufigkeit psychischer Erkrankungen, die Konsequenzen im Arbeitsleben inklusive Krankenständen und Pensionierungen sowie der Bedarf an Versorgungskapazitäten und ihre Inanspruchnahme genau untersucht werden. Hinzu kommt die Prüfung der Genauigkeit und Praxistauglichkeit von drei kurzen Fragebögen über Depressionen, Alkoholkonsum und psychisch bedingte körperliche Störungen. Der jeweils passendste Screening-Fragebogen könnte eventuell einmal für Gesundenuntersuchungen verwendet werden.

Die Studie könnte auch Auswirkungen für die zukünftige Planung im österreichischen Gesundheitswesen haben. Der Sozialpsychiater: "Die Informationen über den Behandlungsbedarf und den Anteil an ungedecktem Bedarf sollen eine bessere Planung und einen effizienteren Ressourceneinsatz ermöglichen." Die Untersuchung könne auch dazu beitragen, Strategien zur Vermeidung von Krankenständen und frühzeitigen Pensionierungen aufgrund psychischer Krankheiten zu entwickeln.

Für die Finanzierung kommen 200.000 Euro aus dem zweckgebundenen Anteil des Rahmen-Pharmavertrages des Verbandes der pharmazeutischen Industrie Österreichs (Pharmig) mit dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger. Für 2014 werden insgesamt 1,1 Millionen Euro für Projekte zur psychischen Gesundheit investiert. Die Ergebnisse der Studie sollen in rund zwei Jahren vorliegen.

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