zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 7. Jänner 2014

Elektronische Spielerei verkürzt keine Wartezeiten

Ärztekammer: Die desaströsen Wartezeiten in den Spitälern Ostösterreichs dürften nicht den Leistungserbringern im Gesundheitswesen angelastet werden, sondern seien Ursache falscher Schwerpunktsetzung.

Besonders betroffen sei die Strahlentherapie; hier sei die Situation prekär. Mehr Transparenz werde jedenfalls nicht zu einer Verkürzung der Wartezeiten beitragen, denn nicht digitale Listen würden Krebs heilen, sondern Ärzte und Linearbeschleuniger, sagte der Obmann der Bundesfachgruppe Strahlentherapie in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Robert Hawliczek.

"Es ist naiv zu glauben, dass online abrufbare Listen die Wartezeiten verkürzen werden, wenn gleichzeitig an allen Ecken und Enden gespart wird. Nicht Faulheit und Korruption, sondern simple Ressourcenmängel sind ihre Ursache. Es braucht Therapiekapazitäten, um Patientinnen und Patienten zeitgerecht behandeln zu können. Die Verantwortung für die jetzigen Zustände auf die Leistungsträger im Gesundheitswesen abzuwälzen ist unethisch", betonte Hawliczek.

Derzeit würden in Ostösterreich Hochvoltgeräte für die radioonkologische Behandlung fehlen. Rund 120 Millionen Euro wären notwendig, um die Geräte zu kaufen und zu betreiben. "Wenn wir 130 Millionen Euro für ELGA verschleudern können, sollten wir eigentlich auch Geld für solch wichtige Projekte haben", kritisierte der Experte. Die Erstellung transparenter Wartelisten bzw. damit verknüpfter internetbasierter Anmeldesysteme sei lediglich ein weiteres IT-Projekt, das Millionen kosten würde, aber definitiv nichts bringe. "Das Geld, das für dieses Projekt ausgegeben wird, fehlt uns dann in der Versorgung noch zusätzlich", zeigte Hawliczek auf.

Wartezeiten aufgrund fehlender Geräte

Die Folge fehlender Therapiegeräte seien lange Wartezeiten, die für Krebskranke unter Umständen lebensgefährlich sein können. Daran würde sich auch durch transparente Listen nichts ändern. "In Wien werden mit Ausnahme des AKH alle Betten für Strahlentherapiepatienten wegrationalisiert, die stationär behandelt werden müssen. Gleichzeitig müssen die Wiener Spitäler Patientinnen und Patienten aus Niederösterreich betreuen, weil es in Niederösterreich nur fünf Hochvoltgeräte gibt. Entsprechend lange müssen die Patienten auf einen Therapieplatz warten", sagte Hawliczek. Der im Vorjahr erhobene Vorwurf, Privatpatienten würden zu Lasten der Kassenpatienten bevorzugt, sei absurd. "Der Anteil der Privatpatienten in der Strahlentherapie liegt bei drei Prozent. Wie das zu längeren Wartezeiten führen soll, ist ein mathematisches Rätsel", so der Experte.

Rein kosmetische Maßnahmen seien sinnlos und nicht zielführend. "Wir brauchen mehr Ressourcen, damit wir unsere Patientinnen und Patienten nach westeuropäischen Standards behandeln können. Alles andere ist zweitrangig" sagte Hawliczek abschließend.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben