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Gesundheitspolitik 30. Dezember 2013

Neue Tätigkeitsfelder lösen Arbeitskräftemangel nicht

NÖ Ärztekammer: Wenn die "Pflege" mehr macht, wer macht dann Pflegetätigkeiten?

Mit Unverständnis reagiert Dr. Christoph Reisner, MSc, Präsident der NÖ Ärztekammer auf Ansätze der Gesundheitspolitik, wonach Pflegekräfte künftig bestimmte ärztliche Tätigkeiten übernehmen sollen, um dem Mangel an Spitalsärzten beizukommen.

"Schon jetzt sind zu wenige Pflegekräfte angestellt, um die gestellten Aufgaben zu bewältigen. Schon jetzt wären Tätigkeiten wie etwa Blutabnahmen aus rechtlicher Sicht von der Pflege durchführbar. Auch die Ausbildung ist schon vorhanden." Aus Sicht des Präsidiums der Ärztekammer für NÖ ist es daher sinnlos, über die Ausdehnung des Tätigkeitsbereichs einzelner Berufsgruppen im Gesundheitssystem nachzudenken. "Wir sollten erst einmal Gesetze leben, dann über Veränderungen nachdenken."

Stattdessen gibt es geradezu groteske Auswüchse der Personalknappheit. "Derzeit verteilen teilweise diplomierte Pflegekräfte das Essen in den Krankenhäusern. Auch von Putzarbeiten, die durch diplomierte Pflegekräfte verrichtet werden ist die Rede. In der ganzen Krankenhaushierarchie machen viele einfach das Falsche. Und das sollte zuerst abgestellt werden, bevor neue Aufgabenbereiche definiert werden", so Vizepräsident und Kuriensprecher der Angestellten Ärzte Dr. Ronald Gallob. Und bei der Pflege beginnt die Problematik erst: "Wir brauchen endlich Arbeitskräfte und Dienstposten, die uns Dokumentationsarbeit abnehmen, damit wir Ärztinnen und Ärzte genügend Zeit für ärztliche Tätigkeit haben."

Vernünftige Nutzung

Dr. Martina Hasenhündl, stellvertretende Kuriensprecherin der Niedergelassenen Ärzte vergleicht diesen Ansatz mit ELGA: "Die bestehenden EDV-Strukturen sind gut, lediglich die Personalausstattung ist teilweise mangelhaft. So wären auch die Möglichkeiten moderner Datenverarbeitung schon vorhanden, werden aber auch aufgrund Personalmangels zu wenig eingesetzt. Und nun kommt zusätzlich ELGA." Die vorhandenen Datenstrukturen sollen aus ihrer Sicht erst einmal vernünftig genutzt werden. "Stattdessen wird ein neuer Datenfriedhof gebaut, für dessen Bedienung erst recht die notwendige Personalkapazität fehlt."

Entlastung von Pflege und Ärzteschaft

Als wichtigstes Mittel, die Fehlentwicklungen im Gesundheitssystem zu beseitigen, nennt Präsident Dr. Reisner als Vertreter der gesamten Ärzteschaft in Niederösterreich die Einstellung von ausreichend Personal. "Wir müssen in allen Berufsgruppen genügend Arbeitskraft etablieren. Wir brauchen eine Entlastung der Pflege UND der ärztlichen Arbeitskraft durch ausreichend geschultes Personal im administrativen Sektor und das ganze zeit- und ortsnah, um die Arbeit am kranken Menschen bestmöglich bewältigen zu können. Die Bürokraten und Politiker sind nun gefordert, kreativ im eigenen Sektor zu denken und zu handeln."

  • Herr Prof.Dr. Thomas TREU MSc, 01.01.2014 um 17:25:

    „Das Thema ist enstanden, weil Turnusärzte nur sehr wenig lernen können im Turnus. Die Verantwortung liegt primär bei jenen Primarien, die ihre Ausbildungspflicht nicht wirklich wahrnehmen.
    Nun wird der Turnusarzt entlastet und wird wohl mehr Zeit haben sich mit jenen Tätigkeiten zu beschäftigen, die er praktisch lernen sollte, nachdem er an der Uni mit viel Unnötigem vollgestopft wurde.
    Das Verhältnis Arzt(Ärztin) und Schwester/Pfleger wird dadurch ein partnerschaftlicher und ist für beide ein Gewinn. Siehe Trends bzw. Gewohnheiten in anderen Ländern, wo das Pflegepersonal das übernimmt, was wir hier als "ärztliche" Domäne empfinden.
    Natürlich wehren sich die leitenden Ärzte, die es vorziehen, dass die Turnusärzte sich selbst überlassen sind und die Zeit nutzen nur für ihren unmittelbaren Bereich. Wie oft lernt der Turnusarzt sog. ärztlcihe Handgriffe von erfahrenen Krankenschwestern oder Pfleger. Das habe ich selber schon vor mehr als 30 Jahren in meinem Turnus z. PA erlebt. In Frankreich habe ich auch bei der Fachausbildung die Qualität und den Vorzug von Schwestern/Pflegern, die auch medizinisch aktiv tätig sind, erlebt.“

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