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Gesundheitspolitik 18. Dezember 2013

Genmais-Anbauverbot

Ärztekammer sieht sich durch EU-Umweltausschuss bestätigt.

"Trotz mancher Versuche von Lobbyisten haben die Experten des Umweltausschusses des EU-Parlaments mit ihrer kürzlich erfolgten Ablehnung des Anbaus von Genmais 1507 eine nachhaltige Entscheidung erwirkt, welche wir sehr begrüßen", betont der Referent für Umweltmedizin der Ärztekammer für Wien, Piero Lercher.

Seit Längerem habe sich die Ärztekammer mit diversen Aktivitäten auf nationaler und internationaler Ebene gegen eine Freisetzung von transgenen Pflanzen im Allgemeinen und transgenem Mais im Speziellen eingesetzt. Lercher: "Unsere Expertise beruhte nicht nur auf theoretischer Studienanalyse, sondern auch auf Sachverstand, Beobachtungsgabe, Kombinationsfähigkeit und praktischer Auseinandersetzung mit der Materie." Unzählige Gespräche mit Landwirten und Konsumenten, aber auch die Berücksichtigung von technischen und gesetzlichen Entitäten, wurden in der Argumentation berücksichtigt. "Damit hat die Ärztekammer eine ganz neue Qualität in diesen Diskussionsprozess eingebracht", so Lercher.

In einer umfassenden Risikobewertung müssten unbedingt auch nicht medizinische Phänomene ins Kalkül gezogen werden, wie beispielsweise die negativen Auswirkungen auf die agrokulturelle und biokulturelle Diversität, ist Lercher überzeugt. Zudem könne eine Gefährdung von Nützlingen bis dato nicht zu 100 Prozent ausgeschlossen werden.

Österreich sei darüber hinaus in der glücklichen Lage, im Sinne der Biodiversität über ein breites Angebot an Pflanzen- und Obstsorten zu verfügen: "Obwohl wir ein sehr kleines Land sind, haben wir eine Vielzahl regionaler Spezialitäten, davon auch sehr viele alteingesessene Sorten, die in geschmacklicher Hinsicht unvergleichlich gut und von Natur aus gegen viele Schädlinge resistent sind." So seien in Österreich derzeit weit mehr als 200 Maissorten verfügbar. Fakt sei zudem, dass österreichische Landwirte nach wie vor selbst Samen züchteten, um nicht von Großkonzernen abhängig zu sein. Lercher: "Man muss sich das einmal vorstellen. Derzeit bestimmen sechs multinationale Konzerne fast 80 Prozent des weltweiten kommerziellen Saatgutmarkts."

Recht auf Gesundheit wichtiger als wirtschaftliche Interessen

"Der gesundheitliche Wert biologisch erzeugter Nahrungsmittel ist unbestritten", meint Lercher. Auch habe Österreich das Know-how, diese Nahrungsmittel in ausreichender Menge zu produzieren und zu konkurrenzfähigen Preisen anzubieten. Lercher führt weiters an, dass man "letztendlich auch den Willen der österreichischen Konsumenten respektieren muss, die auf gentechnikfreie Lebensmittel zurückgreifen wollen".

Österreich sei ein Land der "gesundheitsbewussten Feinschmecker" und nicht umsonst weltweit Spitzenreiter in Sachen Lebensmittelqualität. "Das Recht auf Gesundheit und nachhaltige Integrität muss im Sinne einer Generationenverantwortung höher stehen als wirtschaftliche Interessen", ist Lercher überzeugt, für den "eine neutrale Koexistenz von gentechnisch veränderten und biologisch-konventionellen Pflanzen nicht möglich ist".

Die Forderung nach hermetisch abgeschlossenen Forschungseinrichtungen rühre aus der Tatsache, dass in einigen Bundesländern Österreichs eine Freisetzung von genmanipulierten Organismen strikt verboten ist. Zusätzlich könnten damit lizenz- und patentrechtliche Klagen von Landwirten vermieden werden, die sich mit konventionellem Anbau beschäftigen, indem in ihren Feldern keine durch Wind und Wetter verbreiteten genmanipulierte Pflanzen nachgewiesen werden können. "Die traurige Wahrheit ist, dass es in anderen Ländern diesbezüglich bereits existenzbedrohende Klagen wegen Patenrechtsverletzungen gibt", sagt Lercher, für den "das Vorsorgeprinzip so lange gilt, bis etwaige direkte und indirekte gesundheitliche Folgen zu 100 Prozent ausgeschlossen werden können und Haftungs- und Versicherungsfragen im Falle etwaiger Schäden restlos geklärt sind".

Rückfragehinweis: Ärztekammer für Wien - Pressestelle, Dr. Hans-Peter Petutschnig, Tel.: (++43-1) 51501/1223, 0664/1014222, F:51501/1289, mailto: , http://www.aekwien.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/30/aom

*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT ***

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