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Nachtschicht - einsparen?
 
Gesundheitspolitik 18. Dezember 2013

Ärzte-Personalkrach an Universitätskliniken

Nicht zum ersten Mal gibt es Probleme.

Laut dem Betriebsratsobmann des wissenschaftlichen Personals, Thomas Perkmann, will Rektor Wolfgang Schütz offenbar zwölf Nacht-Journaldienste streichen. "Der Rektor müsste uns aktiv informieren. Das ist nicht erfolgt", sagte Perkmann gegenüber der APA. Das MedUni Wien-Rektorat stellte die Sachlage völlig anders dar.

 Zuvor war eine Betriebsversammlung mit einstimmiger Verabschiedung einer Protestresolution im AKH abgelaufen. Beim Rektorat verwies man auf ein geplantes Gespräch mit dem Betriebsrat am kommenden Freitag. Perkmann: "Was jetzt passiert, hatten wir bereits einmal im größeren Ausmaß im Jahr 2011, als 24 ärztliche Journaldienste gestrichen werden sollten. Jetzt sollen zwölf Nacht-Journaldienste gestrichen werden. Das erfolgt 'stückerlweise'."

Skurril, so Perkmann, sei zunächst einmal die mangelnde Information der Abteilungschefs der betroffenen Kliniken. Der Betriebsratsobmann: "Wir sind durch das elektronische Dienstplanungssystem draufgekommen. Darin trägt man einen Monat oder noch länger vorher die geplanten Dienste ein. Und das konnte man bei bestimmten Diensten nicht mehr." Eine Sekretärin hätte bei der EDV-Abteilung nachgefragt und die Antwort bekommen, dass es die Dienste im Jahr 2014 nicht mehr geben werde.

Für den Betriebsrat und die bei der Betriebsversammlung an Dienstag anwesenden Ärzte ist die Sache prekär, weil es offenkundig zu Leistungseinschränkungen an den Wiener Universitätskliniken kommen müsse. Perkmann: "Es gab bisher einen Anästhesisten in einem eigenen Schmerzdienst für alle Kliniken im Haus, zum Beispiel für Tumorpatienten in der Nacht. Der soll gestrichen werden. Es gab einen Psychiater in der Nacht für die Betreuung von psychiatrisch auffälligen Patienten auf anderen Kliniken, zum Beispiel auf der Unfallchirurgie. Auch der soll gestrichen werden."

Darstellung des Rektorats

Völlig anders wurde Dienstagnachmittag die Sachlage vom Rektorat der MedUni Wien dargestellt. Ein Sprecher: "Alle Journaldienste, die eingespart werden, sind mit allen Klinikchefs abgesprochen. Diese haben die einzusparenden Journaldienste vorgeschlagen. Es ist nicht so, dass sie einfach durch die EDV gesperrt wurden. Es ist Aufgabe der Klinikchefs, einsparbare Journaldienste vorzuschlagen. Der Rektor ist diesen Vorschlägen gefolgt. Am Freitag gibt es ein Gespräch mit dem Betriebsrat." Die Klinikchefs hätten wohl auch die Aufgabe, ihre Mitarbeiter zu informieren.

Das Rektorat der MedUni Wien argumentiert die Nachtdienst-Einsparungen mit dem Inkrafttreten der Betriebsvereinbarung über die Dienstzeiten vor einigen Wochen. Damit wurde gemäß dem Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz die durchgängig mögliche Arbeitszeit eines Arztes am Patienten von 32 Stunden auf höchstens 25 Stunden reduziert. Dies betrifft die Nachtdienste. Damit sind aber am Tag nach dem Nachtdienst weniger Ärzte vorhanden.

Das Rektorat will offenbar über die Einsparung der Nachtdienste die Besetzung am Tag erhöhen. Der Sprecher der MedUni Wien: "Für jeden Journaldienst, der gestrichen wird, werden zusätzlich zwei Ärzte eingestellt." Damit wären jeden Vormittag für einen weggefallenen Nachtdienst drei Ärzte mehr vorhanden.

Betriebsrat Perkmann hingegen sprach von ganz anderen "Tauschgeschäften": "Prof. Husslein (Chef der Universitätsklinik für Frauenheilkunde; Anm.) soll den Journaldienst des Oberarztes auf der Geburtshilfeabteilung einsparen und im Gegenzug drei Sekretärinnen dazu bekommen." Zu einer Aufstockung von Ärzten käme es nicht. Der Standesvertreter: "Das ist eine extreme Fehlentwicklung."

Das Problem ist komplex, erklärt Husslein.

Dieses Angebot hätten – so der Leiter der Universitäts-Frauenklinik, Peter Husslein – alle Abteilungsleiter bekommen. Gleichzeitig sei es zu Widerstand bei den jungen Ärzten gekommen. Der Klinikchef: "Eingebettet ist das Ganze in eine Situation, in der die jungen Mitarbeiter beschämend schlecht bezahlt werden. Unser System basiert auf der Ausbeutung der Jungen. Ich verstehe ihren Groll und kann auch einen beträchtlichen Teil der Resolution des Betriebsrates verstehen. Aber das Leben ist halt auch so, wie es ist."

Zahlreiche, aber nicht alle Klinikchefs, hätten schließlich das Angebot des Rektors angenommen. Husslein: "Wie viel oder wie wenig sie mit ihrem Personal darüber gesprochen haben, kann ich nicht sagen. Die einzige Dienstschiene, die offenbar ohne Wissen des Abteilungsleiters gestrichen worden ist, ist jene des 'Schmerzdienstes'." Letztere sei von einem externen Beratungsgremium aber längst als einsparbar bezeichnet worden.

An der Wiener Universitäts-Frauenklinik kam es in der Angelegenheit zu mehrfachen Diskussionen, an denen alle Beteiligten teilnahmen, so der Klinikchef: "Bei uns hat der Stellvertreter der größten Abteilung, Alexander Reinthaller, vorgeschlagen, bei Einsparung eines Journal-Nachtdienstes drei wissenschaftliche Dokumentationssekretärinnen einzustellen. Das hat zwei Gründe: Wir können nicht mehr Ärzte ausbilden. Dafür würden die Dokumentationsassistentinnen den Ärzten solche Arbeiten abnehmen und sie hätten auch mehr Zeit für die Forschung."

Die Gemeinde Wien habe zwar eine solche Stelle versprochen, er, Husslein, sei aber skeptisch, ob dieses Versprechen auch eingelöst werde. Der Klinikchef: "Ich habe derzeit acht Posten von Sekretärinnen etc., die zum Teil seit 18 Monaten genehmigt, aber nicht nachbesetzt sind." Allerdings, auch an der Universitäts-Frauenklinik wurde dieses geplante Vorgehen vom Personal offenbar nicht goutiert. Husslein: "Ich habe aber klar gesagt, dass ich ein Nichteingehen auf die Vorschläge für organisatorischen Selbstmord halte. Wir werden mit 1. März kommenden Jahres einen Oberarzt-Journaldienst streichen und die Arbeit unter den Oberärzten neu verteilen. Sie sind auch von Einkommenseinbußen durch Wegfall von Nachtdiensten weniger betroffen. Wahrscheinlich werden wir jetzt eine neue Facharzt-Ausbildungsstelle und ein bis zwei Dokumentationsassistentinnen bekommen." Es laufe auf einen Kompromiss hinaus.

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