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Gesundheitspolitik 5. September 2013

Prävention ist nicht nur Privatsache!

Vorsorgen statt reparieren – so soll die  Zukunft der Gesundheitsversorgung der  heimischen Bevölkerung aussehen. Egal  ob Politiker oder andere Entscheidungsträger im Gesundheitswesen – alle betonen seit Jahren, wie wichtig ihnen das  Thema Prävention ist, wie viele Kosten  dadurch eingespart werden können und  wie sehr die Gesellschaft davon profitieren würden. In Zahlen lässt sich dieses allgemeine  Interesse allerdings schwer nachvollziehen: Laut Statistik Austria beliefen sich die gesamten heimischen Gesundheitsausgaben auf mehr als ‰† Milliarden Euro. Davon flossen nicht einmal 1,5 ŒProzent in den Bereich „Prävention“,  und vielmehr wird es offenbar auch in Zukunft nicht werden. Damit zählt Österreich in Europa zu den Schlusslichtern.  

Schlechte Rahmenbedingungen

Und das ist nur die eine Seite der Medaille:  Wirkliche Gesundheitsvorsorge bedeutet  viel mehr als rein medizinische Maßnahmen wie Impfprogramme und Vorsorgeuntersuchungen; auch mehr als ständige Appelle an die „Eigenverantwortung“ der  Bürger. Primärprävention setzt ganz am  Anfang an und umfasst grundlegende gesellschaftspolitische Maßnahmen, um die  Gesundheit zu erhalten und zu fördern:  Bildung, Aufklärung, Erziehung, Information. Und da schaut’s düster aus.  Beispiel Bildung/Erziehung: Ob PISA,  PIRLS oder TIMSS – internationale Bildungsstudien offenbaren seit Jahren gravierende Schwächen der österreichischen  Schüler, ohne dass dies sichtbare Konsequenzen hätte. (Frage: Geht es beim Thema „Bildungsreform“ eigentlich irgendwann einmal um etwas Anderes als die  Bedürfnisse der Lehrer?) Auch Themen  wie mehr wöchentliche Turnstunden, gesundes Schulbuffet, zusätzliches Sportangebot oder Nahrungsmittelkunde als  Unterrichtsfach werden halbherzig angegangen. Die meisten entsprechenden Projekte basieren auf der Eigeninitiative von  Schulleitern und Lehrern. Beispiel Information/Aufklärung:  Wenn ich mir einen neuen Wecker kaufe, werde ich in der Gebrauchsanweisung  eindringlich davor gewarnt, das Gerät anzuzünden, zu schlucken oder in der Mikrowelle zu garen. Auf der anderen Seite ist eine für den Durchschnittsbürger einigermaßen verständliche Lebensmittelkennzeichnung offenbar nicht durchsetzbar, ein Ampelsystem wie in Großbritannien illusorisch.  

Lieber reich und gesund  als arm und krank

Personaleinsparungen, All-inclusive-Arbeitsverträge, „leistungsgerechte“ Entlohnung und flexible Arbeitszeiten bei  gleichzeitigen Reallohnsenkungen – der  Druck auf die Arbeitnehmer ist in den  letzten Jahren massiv gestiegen. Die Folgen sind unter anderem eine wachsenden Kluft zwischen arm und reich und  eine steigende Anzahl an „Working Poor“  – Menschen, deren Gehalt nicht mehr ausreicht, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Dieser Entwicklung (glaubhaft!)  entgegenzutreten, wäre eine echte Aufgabe für die kommende Regierung.  Klassenkampfrhetorik? Vielleicht, aber  alle relevanten Studien zeigen einen direkten Zusammenhang von Wohlstand und  Gesundheit. Und bei allem Respekt für  die immensen medizinischen Fortschritte: Zum Anstieg der Lebenserwartung in  den vergangenen ˆŒ‡ Jahren haben nicht  zuletzt der Aufbau der Sozialsysteme, der  Abbau von sozialen Ungleichheiten, die  Absicherung der Menschen vor den Folgen von Krankheit, der Ausbau der Bildungssysteme und der wachsende Wohlstand beigetragen, meint

Ihr Ingo Schlager
Redaktion hautnah
 

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