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Gesundheitspolitik 29. November 2013

Rauchverbot - Offener Ärztebrief an Bundespräsident und Regierung

 "Interessen der Gesundheit stehen über jenen der Wirtschaft".

In einem offenen Brief mit dem Titel "Rauchverbote retten Menschenleben" an Bundespräsident Heinz Fischer sowie Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) fordert ein Ärztekomitee gesetzliche Grundlagen für ein absolutes Rauchverbot in der Gastronomie in Österreich.

Hintergrund ist eine kürzlich veröffentlichte Studie, wonach Österreichs Jugendliche in punkto Rauchen auf Platz eins aller OECD-Länder liegen. "Wirtschaftliche Interessen dürfen nie über den Interessen der Gesundheit stehen. Wir fordern die nächste Regierung daher auf, endlich klare gesetzliche Grundlagen für ein absolutes Rauchverbot in der Gastronomie zu schaffen und die Verbote mit den geeigneten Maßnahmen durchzusetzen", heißt es im Brief.

Unterzeichnet wurde das Dokument von acht namhaften Medizinern. Darunter sind unter anderem auch Gerald Maurer, Leiter der Klinischen Abteilung für Kardiologie an der Uniklinik, Michael Micksche, Präsident der Österreichischen Krebshilfe Wien, der Vorstand der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Arnold Pollak, der Rektor der Meduni Wien, Wolfgang Schütz sowie dem Präsident der Ärztekammer für Wien, Thomas Szekeres.

Der offene Brief im vollen Wortlaut

S.g. Herr Bundespräsident, s.g. Herr Bundeskanzler, s.g. Herr Vizekanzler,

in Österreich sterben jedes Jahr 14 000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums und bis zu Tausend an den Folgen von Passivrauch.

In einer eben veröffentlichten Studie zeigt sich, dass unter 34 OECD-Staaten Österreichs Jugend beim Rauchen an der Spitze liegt. 29 Prozent der 15-jährigen Mädchen rauchen zumindest einmal pro Woche.

Alle Versuche der Gesundheitspolitik, daran etwas zu ändern, sind bis dato gescheitert. Das Tabakgesetz wird in weiten Bereichen nicht umgesetzt und bietet weder den Angestellten der Gastronomie noch den Gästen ausreichend Schutz vor Passivrauch.

Rauchverbote helfen Rauchern, die Zahl der konsumierten Zigaretten zu reduzieren beziehungsweise mit dem Rauchen ganz aufzuhören. Rauchverbote tragen dazu bei, dass junge Menschen erst gar nicht mit dem Rauchen beginnen. Rauchverbote retten daher Menschenleben. Die Zahl der Herzinfarkte kann - wie zahlreiche Studien aus Ländern mit Rauchverboten zeigen - sofort um bis zu 20 Prozent gesenkt werden.

Wirtschaftliche Interessen dürfen nie über den Interessen der Gesundheit stehen. Wir fordern die nächste Regierung daher auf, endlich klare gesetzliche Grundlagen für ein absolutes Rauchverbot in der Gastronomie zu schaffen und die Verbote mit den geeigneten Maßnahmen durchzusetzen.

Hochachtungsvoll,

Univ.-Prof. Dr. Gerald Maurer, Leiter der Klinischen Abteilung für Kardiologie, Universitätsklinik für Innere Medizin II, Wien

Univ.-Prof. Dr. Michael Micksche, Präsident der Österreichischen Krebshilfe Wien

Univ.-Prof. Dr. Arnold Pollak, Vorstand der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Wien

Univ.-Prof. Dr. Anita Rieder, Leiterin des Zentrums für Public Health, Medizinischen Universität Wien

Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Schütz, Rektor der Medizinischen Universität Wien

ao.Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres, Präsident der Ärztekammer für Wien

Univ.-Prof. Dr. Bernhard Schwarz, Leiter des Instituts für Gesundheitsökonomie der Karl Landsteiner Gesellschaft

Univ.-Prof. Dr. Christoph Zielinski, Leiter der Klinischen Abteilung für Onkologie, Vorstand der Universitätsklinik für Innere Medizin I, Wien"

  • Herr Richard Hagenauer, 09.12.2013 um 16:57:

    „Es ist sehr erfreulich, aber natürlich längst überfällig, dass sich eine Reihe von bedeutenden Ärzten aktiv an den Bundespräsidenten und die Regierung wenden um Klartext zu reden über die größte vermeidbare Krankheits-und Todesursache weltweit - nämlich die Folgen der hochgiftigen Nikotindroge Tabakrauch.
    Es zerbricht jeder klar denkende menschliche Verstand an der Gewissheit, dass die Verantwortlichen der Politik nicht verhindern, dass Frauen, Kinder und Männer in Massen körperlich geschädigt werden bis zum vielfachen Tode. Dies geschieht überall, wo auch immer sich Raucher befinden. Sie müssen sich gefallen lassen, dass
    sie vergiftet werden mit tausenden im Rauch befindlichen Giftstoffen wie Teer, Schwermetalle, Nitrosamine, Nickel, Hydrazin, Vinylchlorid, Benzol, Benzypren, Polonium 210, Formaldehyd, Anilin, Blei, Akrolein, Nikotin, Kohlenmonoxid, Toluol, Blausäure, Cyanid, Zink, Phenole, Ammoniak, Stickoxide, Kohlendioxide, um nur einige wenige zu nennen!
    Würden die Geschädigten beim Rauchen gleich tot umfallen, wäre ein sofortiges Verbot die Folge. Aber der Tod erfolgt langsam und qualvoll in kleinen Schritten. Deshalb können die Täter ihr Unwesen weiter betreiben, ohne wesentlich gestört zu werden!
    Weil dies so ist, muss Tabak gänzlich verschwinden. Es reicht nicht aus, nur für die Gastronomie ein Verbot auszusprechen. Wenn ja, würde man den Rauchern einen Freischein für alle andere Gebiete ausstellen. Das wäre fatal!!!“

  • Herr Prof. Manfred Neuberger M.D., 09.12.2013 um 18:50:

    „Faymann und Spindelegger handeln verantwortungslos, falls sie dem Druck von Dr. Leitl (als Sprachrohr der Tabakindustrie) nachgeben und das Verbot weiter hinauszögern. Jährlich sterben in Österreich ca. 1000 Menschen an Folgen des Passivrauchens und noch mehr erkranken daran, darunter auch viele Kinder. In Schottland gingen Spitalsaufnahmen von Kindern mit Asthma durch das Rauchverbot in allen Lokalen signifikant zurück. Die Überwachung kostete nur im 1. Jahr einen erhöhten Polizeieinsatz, vergleichbar der Einführung der Gurtenpflicht im Auto. Danach war das Rauchverbot "self-policing" und damit kostenlos, brachte aber einen deutlichen Rückgang der Herzinfarkte in der Bevölkerung und auch die Schlaganfälle nahmen ab, vor allem bei Ex-Passivrauchern. Wenn SPÖ und ÖVP unter dem Druck der Tabakindustrie das Thema bis zur nächsten Wahl vor sich her schieben, werden sie viele Wähler verlieren, die sich eine saubere Politik, mehr Transparenz und die Bekämpfung der Korruption ("Tabakmafia") wünschen.“

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