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Gesundheitspolitik 26. November 2013

Gewalt an Frauen: Jede vierte Frau in WHO-Region Europa betroffen

Internationale Konferenz zu Bekämpfungsstrategien im Wiener Rathaus - Neue Richtlinien für Gesundheitspersonal.

Das Wiener Rathaus ist am 25. und 26. November Schauplatz einer internationalen Konferenz zum Thema Gewalt an Frauen. Experten diskutieren hier über Strategien zur Bekämpfung geschlechtsspezifischer violenter Erscheinungsformen. Dass Handlungsbedarf besteht, zeigen aktuelle Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO): Jede vierte Frau ist zumindest einmal im Leben Opfer von Gewalt.

Diese Zahl bezieht sich auf die 53 Länder umfassende WHO Region Europa und stammt aus dem aktuellen WHO Bericht "Globale und regionale Schätzungen zu Gewalt an Frauen". Sie mache deutlich, dass körperliche und/oder sexuelle Gewalt medizinisch gesprochen geradezu epidemische Ausmaße habe, machte WHO-Genderberaterin Isabel Yordi Aguirre in einer Pressekonferenz auf die Dimension des oft versteckten Problems aufmerksam. Die Missstände zögen sich durch alle Staaten und könnten keinesfalls auf rein regionaler oder nationaler Ebene, sondern nur im Zusammenwirken aller wichtigen Player gelöst werden.

Um den Kampf gegen Gewalt an Frauen zu forcieren, soll die Rolle der Gesundheitseinrichtungen mehr in den Mittelpunkt gerückt werden. Denn an diese wenden sich Gewaltopfer am häufigsten. Insofern werden im Rahmen der Konferenz auch neue WHO-Richtlinien für Ärzte und Pflegepersonal vorgestellt. Sie enthalten Empfehlungen, wie Gewalt überhaupt erkannt und Betroffene infolge klinisch betreut werden sollten, sowie zu Erstversorgung, Fortbildungsmaßnahmen oder Fragen bezüglich der Meldepflicht von Fällen häuslicher Gewalt.

Letztere macht den Großteil der Vorfälle aus. Das Europäische Institut für Gleichstellungsfragen (EIGE) hat erhoben, dass in den EU-Staaten der Anteil jener Bürgerinnen, die Opfer von physischer Gewalt durch ihre Partner werden, zwischen 12 und 35 Prozent liegt. Dass Gewalt unter Paaren vor allem ein weibliches Problem ist, zeigt die Tatsache, dass EU-weit neun von zehn Opfern in der Partnerschaft Frauen sind.

Frauen suchen selten Hilfe bei professionellen  Stellen

Außerdem beunruhigend: Laut vorläufigen Daten einer Studie der Europäischen Grundrechtsagentur (FRA), die 2014 veröffentlicht werden soll, wenden sich ganze 80 Prozent der Frauen auch nach schwerwiegender Gewalt durch andere Täter nicht an Gesundheits-, Sozial- oder Opferschutzeinrichtungen. Nicht zuletzt womöglich auch deshalb, da diese in vielen Staaten nicht ausreichend vorhanden sind. So fehlen EU-weit EIGE zufolge rund 25.000 Frauenhausplätze.

Gerade Opferschutzeinrichtungen für Frauen würden in finanziell schwierigen Zeiten oftmals dem Sparstift zum Opfer fallen, beklagte Wiens Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ). Sie verwies auf die Folgen, unter denen Betroffene zu leiden hätten. Nicht nur, dass laut WHO 42 Prozent aller Frauen, die mit häuslicher Gewalt konfrontiert worden sind, Verletzungen erleiden, tragen die Betroffenen zudem ein höheres Risiko an Fehlgeburten, haben öfter Angst-, Ess- oder Schlafstörungen und sind anfälliger für Alkoholmissbrauch. Wehsely mahnte Beharrlichkeit ein - denn: "Der Kampf, dass Gewalt gegen Frauen als Kavaliersdelikt gesehen wird, ist nie fertiggekämpft." Um Tabus aufzubrechen, müssten bereits Mädchen lernen, Nein sagen zu können.

Kampagne 16 Tage gegen Gewalt

Gleichzeitig mit der Konferenz im Rathaus startete heute die jährliche internationale Kampagne "16 Tage gegen Gewalt". Sie will auf das Phänomen der Gewaltausübung und Frauen als Opfer aufmerksam machen und endet am 10. Dezember, dem internationalen Tag der Menschenrechte. Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) wies zum Start der Aktion in einer Aussendung darauf hin, dass sie dabei Hilfseinrichtungen für von Gewalt betroffene Frauen in den Mittelpunkt stellen wolle. "Jede fünfte Frau wird einmal in ihrem Leben Opfer von Gewalt, das ist alarmierend", betonte sie.

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