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Gesundheitspolitik 29. November 2013

WHO-Bericht Tuberkulose

Kaum noch Fortschritte bei der Bekämpfung.

Die Zahl der TB-Neuinfektionen und der TB-Toten ist im vergangenen Jahr fast konstant geblieben, geht aus einem aktuellen WHO-Bericht hervor. Dennoch könnten wichtige Millenniumsziele bis 2015 erreicht werden.

Jetzt bloß nicht mit den Anstrengungen nachlassen – das ist eine der wichtigsten Schlussfolgerungen, die sich aus dem aktuellen Tuberkulosebericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ergeben (WHO Global tuberculosis report 2013).

Denn das selbst gesteckte Ziel, die Mortalitätsrate des Jahres 1990 bis zum Jahr 2015 zu halbieren, ist in Reichweite. Allerdings gab es im vergangenen Jahr keine allzu großen Fortschritte mehr, die TB-Inzidenz und die TB-Mortalität sind im Vergleich zum Vorjahr nur noch marginal gesunken.

1,3 Millionen Tuberkulose-Tote

Nach dem aktuellen Report erkrankten 2012 weltweit 8,6 Millionen Menschen neu an TB und 1,3 Millionen starben daran. Im Vorjahr zählte die WHO noch 8,7 Millionen Neuinfektionen und 1,4 Millionen TB-Tote. Immerhin geht die Zahl der Neuinfektionen nun schon etwa ein Jahrzehnt zurück, die Inzidenz sank seit dem Jahr 2000 global von 148 auf 122 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner. Die TB-Mortalität fiel im selben Zeitraum von 22 auf 13 pro 100.000 Einwohner. Eines der Millenniumziele der WHO, nämlich ein Rückgang der TB-Inzidenz, ist damit bereits erreicht worden. Mit einer Reduktion der Mortalität um 45 Prozent seit 1990 ist auch das zweite Ziel – ein Rückgang um die Hälfte – in Reichweite. Deutlich verfehlt wird wohl das dritte Ziel, die TB-Prävalenz um 50 Prozent zu senken.

Um TB weiter einzudämmen, müssten noch eine ganze Reihe von Problemen gelöst werden, heißt es in dem am 23. Oktober veröffentlichten Bericht. Sorge bereitet der WHO, dass noch immer jeder dritte Neuerkrankte vom lokalen Gesundheitssystem nicht erfasst und damit auch nicht behandelt wird. Immerhin ist auch dieser Anteil in den vergangenen zwölf Jahren gesunken – im Jahr 2000 waren es noch 42 Prozent. Dennoch fehle es in vielen schwer betroffenen Ländern weiterhin an Ressourcen, um auch Personen jenseits der staatlichen Gesundheitssysteme zu erreichen und nach der Diagnose adäquat zu behandeln. Hier sei unter anderem ein vermehrter Einsatz von freiwilligen Helfern und NGOs erforderlich, um solche Defizite zu mildern, schreibt die WHO.

Leicht verbessert hat sich offenbar auch der Nachweis multiresistenter Erreger (multi drug resistant TB, MDR-TB). Schätzungen gehen von 450.000 MDR-Neuerkrankungen im Jahr 2012 aus, es erfolgte aber nur bei einem Viertel der Betroffenen ein MDR-Nachweis. Im Jahr zuvor war der Anteil mit einem Fünftel allerdings noch geringer. Von dieser Verbesserung bei der Diagnose profitierten aber nicht alle Patienten: Etwa 16.000 bekamen trotz MDR-Nachweis keine Therapie, sondern wurden auf eine Warteliste gesetzt. „Es ist völlig inakzeptabel, dass ein verbesserter Zugang zur Diagnostik nicht auch zu einem besseren Zugang zur Therapie führt“, schreibt Dr. Mario Raviglione, Direktor des TB-Programms der WHO.

Hohe Inzidenz in Afrika

Verbessern muss sich nach dem WHO-Bericht auch die Versorgung von HIV-Patienten mit TB. Noch immer erhielten 60 Prozent der Koinfizierten keine antiretrovirale Behandlung. Bei solchen Patienten müsse primär eine geeignete Aids-Therapie initiiert werden, diese habe Vorrang vor der TB-Behandlung.

Sehen lassen kann sich dagegen die Erfolgsrate bei der TB-Therapie: So war diese im vergangenen Jahr bei 87 Prozent der behandelten Patienten erfolgreich, im Jahr 2000 erst bei 69 Prozent. Die WHO sieht in der Verbesserung einen der wichtigsten Indikatoren für den Fortschritt bei der TB-Bekämpfung.

Am schwierigsten ist die Situation nach wie vor in Afrika südlich der Sahara. So liegt die Inzidenz in Südafrika und Swasiland bei über 1000, in westlichen Ländern hingegen bei unter 10 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner. Auch Länder wie Kongo, Mozambique und Afghanistan haben ein massives TB-Problem und werden bis 2015 voraussichtlich keines der WHO-Ziele erreichen.

springermedizin.de, Ärzte Woche 48/2013

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