zur Navigation zum Inhalt
© www.atmenstatthusten.at
Die TV-Spots der ÖGP zeigten Wirkung: Mehr als 32.000 Personen informierten sich näher über COPD.
 
Gesundheitspolitik 28. November 2013

Atmen statt Husten kommt an

Erfreuliche Bilanz der diesjährigen COPD-Initiativen: Die Österreicher beginnen, sich mit ihrem Husten auseinanderzusetzen.

Das Bewusstsein für COPD in der Bevölkerung ist deutlich gestiegen, freut sich die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP).

Im Rahmen der Aktion „Atmenstatthusten“ haben insgesamt rund 32.000 Menschen aktiv Informationen zu COPD eingeholt. Davon nutzten 1.050 Personen auch das Angebot, sich durch Registrierung auf www.atmenstatthusten.at weitere Informationen und Hilfe von Experten zu holen.

Von erhöhter Aufmerksamkeit für COPD zeugen auch die Zwischenergebnisse des COPD-Selbsttests, den bislang mehr als 11.000 Personen gemacht haben. Insgesamt ist die Bekanntheit von COPD bereits in den letzten zehn Jahren kontinuierlich angestiegen, wie eine vor kurzem durchgeführte Umfrage der Karmasin Motivforschung zutage brachte.

Männer waren stärker aktiv als Frauen

Eckpfeiler der Initiative „Atmenstatthusten“ waren TV-Spots in ORF1 und ORF2 im März/April und im September/Oktober 2013, Medienberichte nach Präsentation der Kampagne sowie die Landingpage www.atmenstatthusten.at, über die Expertenhilfe in Anspruch genommen werden konnte.

Zwischen März und November haben rund 32.000 Personen aus 50 verschiedenen Ländern die Website www.atmenstatthusten.at besucht: 89 Prozent kamen aus Österreich, sechs Prozent aus Deutschland und drei Prozent aus der Schweiz. Die restlichen zwei Prozent der Besucher verteilten sich auf 47 nicht deutschsprachige Länder.

Mehrheitlich Raucher und Exraucher

Dem Angebot, sich über die Website weitere Hilfe und Informationen zu holen, folgten insgesamt 1.057 Personen. Fast zwei Drittel von ihnen (65,3%) waren Männer, das Durchschnittsalter war mit 54 Jahren bei beiden Geschlechtern fast gleich.

Die meisten Besucher – mehrheitlich Raucher und Exraucher – die sich über die Website an die Lungenexperten wandten, nannten als Symptom vor allem dauerhaften Husten, häufig auch mit Auswurf. Viele wiesen darauf hin, dass ihnen ihr Husten als mögliches COPD-Symptom erst durch die Kampagne der ÖGP bewusst geworden sei.

Die Aktion habe gezeigt, resümierte ÖGP-Past- Präsidentin Dr. Sylvia Hartl, „dass mit einer solchen Initiative einiges erreicht werden kann. Wenn es gelungen ist, Hunderte Menschen zur medizinischen Abklärung ihrer Symptome zum Lungenfacharzt zu bringen oder ihnen zumindest bewusst zu machen, dass dauerndes Husten auch auf eine beginnende COPD hinweisen kann, ist dies für eine kleine wissenschaftliche Gesellschaft wie die ÖGP ein Mut machender Erfolg.“

Selbsttest COPD: mehr als 11.000 Mal ausgefüllt

Weiterer Schwerpunkt der ÖGP im Kampf gegen COPD war heuer der Selbsttest COPD (in Kooperation mit Netdoktor.at), an dem seit 3. März 11.577 Personen teilgenommen haben. Auch hier waren Männer mit 57 Prozent etwas stärker aktiv als Frauen. In den Altersgruppen waren die 40- bis 49-Jährigen mit fast 50 Prozent am häufigsten vertreten, gefolgt von den 50- bis 59-Jährigen (26,05%) und den 60- bis 69-Jährigen (20,9%).

Die Testauswertung zeigte bei 62,7 Prozent der Teilnehmer ein leicht erhöhtes und bei 12,2 Prozent ein stark erhöhtes Risiko für COPD. Bei 21,1 Prozent gab es keinen Hinweis auf ein Risiko, ebenso auch bei 4,1 Prozent, die sich als aktuelle Raucher deklarierten. Von den Teilnehmern mit leicht erhöhtem Risiko suchten 39 Prozent den Kontakt zu COPD-Experten, zehn Prozent wollten weitere Informationen.

Der Test, der über die Seiten www.atmenstatthusten.at oder www.netdoktor.at erreichbar ist, läuft noch bis März 2014.

Aufmerksamkeit deutlich gestiegen

Wie eine kürzlich von Karmasin Motivforschung durchgeführte repräsentative Befragung zeigte, ist die Bekanntheit von COPD seit 2003 kontinuierlich gestiegen. Aktuell geben 40 Prozent der Bevölkerung an, von der Krankheit COPD zumindest dem Namen nach bereits gehört zu haben (2009 waren es 21%, 2003 nur 9%). 95 Prozent von ihnen wissen, dass es sich dabei um eine Lungenkrankheit handelt (2009: 76%, 2003: 59%), wobei Männer mit 97 Prozent darüber noch besser informiert sind als Frauen (94%). In den Altersgruppen zeigt sich, dass 50- bis 59-Jährige (99%) am besten darüber Bescheid wissen.

COPD wird nach wie vor als Folge von Rauchen gesehen, wobei Frauen (52%) Rauchen stärker als Grund für die Erkrankung an COPD sehen als Männer (47%). In den Altersgruppen zeigt sich, dass 50- bis 59-Jährige Rauchen am häufigsten als Ursache für COPD vermuten. Nur ein Viertel jener Personen , die die Krankheit COPD dem Namen nach kennen, fühlt sich (sehr) gut darüber informiert. 41 Prozent fühlen sich mittelmäßig und 34 Prozent sehr bzw. eher schlecht informiert.

Als wichtigste Maßnahme, um COPD zu vermeiden, nennen 70 Prozent regelmäßige Kontrollen der Lunge und Atemwege beim Arzt. Speziell Frauen (73%) und 50- bis 59-Jährige (81%) vertreten diese Meinung.

Weiters wird die Tabakentwöhnung von zwei Dritteln der Bevölkerung als Maßnahme gegen COPD gesehen. Dieser Ansicht sind primär die über 60-Jährigen (72%).

Erste Smartphone-App für COPD-Patienten

In Zusammenarbeit mit der Österreichischen Lungenunion entwickelte die ÖGP unter dem Titel „Besser leben mit COPD“ eine Smartphone-Applikation, die die Lebensqualität der Betroffenen verbessern soll.

„Mangels umfassender Betreuungsmodelle in Österreich – unabdingbare Voraussetzung für eine gute Lebensqualität chronisch Kranker – soll die App praktische Hilfe im Alltag anbieten und den Alltag von COPD-Patienten so begleiten und strukturieren, dass die medizinischen, psychischen und sozialen Rahmenbedingungen individuell Berücksichtigung finden“, erläutert ÖGP-Generalsekretär Doz. Dr. Georg-Christian Funk.

Dazu gehören unter anderem die Überwachung der Medikamenteneinnahme und des Terminplans sowie die Erinnerung an Fälligkeiten, beispielsweise der nächste Arztbesuch oder Impfungen. Ein COPD-Ausweis beinhaltet die wichtigsten Eckpunkte der Lungenkrankheit. Die Inhalationstechnik wird mittels Anleitungsvideos optimiert.

Benutzerfreundlich auch für ältere Patienten

Auch psychologische Unterstützung kommt vom Handy: durch Feedback beim Tagesreport. Darüber hinaus sind in der App alle Inhalte der pneumologischen Rehabilitation, beispielsweise Trainingsplan und Atemphysiotherapie, integriert. Besonders hilfreich erweist die App in Notfällen, indem selbsttätig vorprogrammierte „Notfall-Nummern“ angerufen werden.

COPD betrifft in hohem Maße Menschen ab 45 Jahre, die „Usability“ des Programms ist daher von wesentlicher Bedeutung. „Wichtig ist, dass die App auch bei älteren Personen hohe Akzeptanz erfährt. Daher wurde bei der Entwicklung hohes Augenmerk auf Funktionalität und einfache logische Bedienbarkeit gelegt“, erklärt Funk.

In Österreich sind rund 1,1 Millionen Menschen von COPD betroffen. Mindestens jeder Fünfte besitzt ein Smartphone, Tendenz stark steigend. „Die Zielgruppe für eine COPD-App umfasst in Österreich somit deutlich mehr als 200.000 Personen bzw. Patienten“, sagt Funk.

 

Mediengespräch der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) anlässlich des Welt-COPD-Tages, Wien, 18. November 2013

ÖGP/bannert-pr, Ärzte Woche 48/2013

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben