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KH Nord Außenansicht - der Vorplatz des Krankenhauses als öffentlicher Raum.
Das in Bau beflindliche neue Krankenhaus Nord in Wien 21.
 
Gesundheitspolitik 21. November 2013

Krankenhaus Nord als Impuls für Gesundheitsviertel

Mit Spitzenmedizin und vernetzten Angeboten soll die Patientenversorgung in der Region verbessert werden.

Neu ist: Ganze Abteilungen werden aus anderen Krankenhäusern Wiens in die Gesamtstruktur integriert. Neu ist auch: Ein Notfallzentrum – ähnlich jenem im AKH - für alle ungeplanten Zutritte mit einem Triagesystem. Und neu ist schließlich auch die Organisation von Terminambulanzen, in welchen der Patient durch EDV-Unterstützung innerhalb von 30 Minuten an die Reihe kommen soll. Dies ist aber nur ein kleiner Ausschnitt an strukturellen und organisatorischen Neuerungen, die mit dem Krankenhaus Nord in Wien-Floridsdorf in die Wiener Spitalslandschaft exemplarisch Einzug halten sollen.

Das medizinische Planungsduo Prof. Dr. Sylvia Schwarz und Prof. Dr. Walter Hruby und der logistische Projektleiter Dipl.-Ing. Dr. Peter Wölfl präsentierten kürzlich die Fülle an Eckpunkten, die im neuerrichteten Spital im Norden Wiens die Patientenversorgung der Region deutlich verbessern sollen. Der Rohbau steht. 2016 soll der Vollbetrieb erfolgen. „Bisher sind wir voll im Plan“, stellt Hruby fest.

Hohe Ziele gesteckt

Auf dem ehemaligen ÖBB-Gebäude an der Brünnerstraße entsteht unter der Gesamtprojektleitung von Mag. Alexandra Loidl-Kocher auf 111.000 Quadratmetern nicht nur ein Schwerpunktkrankenhaus sondern ein Gesundheitsstadtteil mit abgestuftem Versorgungsangebot, das den unterschiedlichen Bedürfnissen der Patienten optimal gerecht werden soll. Siehe Bildergalerie weiter unten.

Kernstück dabei ist das Krankenhaus, das für die Behandlung von jährlich etwa 46.000 stationären und etwa 250.000 ambulanten Patienten konzipiert wurde. Man hat sich hohe Ziele gesetzt: Die Nachhaltigkeit in Bau und Betrieb orientiert sich an einer 31 Punkte umfassenden Charta, die vom Schutz des bestehenden Naturraums und der Betrachtung des Baukörpers als Teil des Landschaftskonzepts über die Dämmung von Vibrationen, Barrierefreiheit, Kindergerechtheit und Sicherheit bis zur Minimierung des Gesamtenergiebedarfs und des Einsatzes der ökologischen Primärenergie und erneuerbarer Energie reichen.

Ambitionierte Leistungsplanung

Die Leistungsplanung ist ambitioniert und bereits in vielen Details konzipiert. Entsprechend dem Wiener Spitalskonzept 2030 setzt sich das KH Nord aus den bisherigen Krankenhäusern Floridsdorf, dem orthopädischen Spital Gersthof und der Semmelweis Frauenklinik sowie den Hochleistungsabteilungen des KH Hietzing und der Pulmologie und Thoraxchirurgie des Otto Wagner Spitals zusammen. Neu am Standort eingerichtete Abteilungen sind eine Kinder- und Kinderpsychiatrische Abteilung, eine Anästhesie- sowie eine Unfallchirurgische Abteilung, die damit das Donauspital als bisher einzige derartige Anlaufstelle jenseits der Donau entlasten soll. Eines der Ziele ist daher, so Hruby, die Harmonisierung der Ströme der Unfallpatienten aus Wien, Niederösterreich und dem Burgenland, die bisher zu großen Teilen das Donauspital in Anspruch nahmen.

Kleine Normalpflegestationen – große Spezialabteilungen

Insgesamt 785 Betten wird das neue Haus bieten, wobei man den zukunftsgerichteten Überlegungen folgend, die Normalpflegestationen eher klein dimensioniert hat, die Intensiv- und Überwachungsabteilungen hingegen groß. Um die Wege in dem von Architekt Albert Wimmer geplanten Haus möglichst kurz zu halten, wurden die einzelnen Fachrichtungen räumlich so gruppiert, dass sie möglichst gut zusammenpassen, berichtet Schwarz. Leere Betten in einer Abteilung und Gangbetten in anderen sollen durch ein neues Belegungsmanagement der Vergangenheit angehören: Ein Pool an Betten kann von allen Fachrichtungen je nach Bedarf belegt werden.

Das Kernstück, so Schwarz, stellt das OP-Zentrum mit 16 Operationssälen dar, wovon drei 24 Stunden in Betrieb sein sollen, eine eigene Versorgungsschiene für den OP-Bereich sichert dessen Unabhängigkeit vom Gesamtbetrieb und soll die Abläufe möglichst flexibel halten. Forciert werden sollen tageschirurgische Eingriffe. Nicht jeder Patient muss eine oder mehrere Nächte im Spital verbringen – entsprechend größer ist der tagesklinische Bereich dimensioniert und wird die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten und Betreuungsanbietern der Region gesucht. Auch, um das Verständnis für die Konzentration auf die jeweiligen Kernkompetenzen der jeweiligen Partner zu fördern: Schwere und komplexe Erkrankungen im Spital, nicht spitalspflichtige Erkrankungen im niedergelassenen Bereich.

„Durch die Konzepte des Krankenhaus Nord wurden viele andere gesundheitsbezogene Projekte angestoßen“, berichtet Hruby. Ein Gesundheitsviertel Nord ist im Entstehen. Im Gebäudekomplex selbst wird künftig unter anderem ein Babypoint als Außenstelle des Standesamt Floridsdorf, ein Gesundheitszentrum für Frauen, Eltern und Mädchen (F.E.M.) und ein Büro des VertretungsNetz, in dem Sachwalterschaft, Patientenanwaltschaft und Bewohnervertretung  zusammengeschlossen sind, untergebracht sein.

Synergien mit dem Donauspital

Das Einzugsgebiet jenseits der Donau wird jedenfalls durch die großen Stadtentwicklungsgebiet weiter anwachsen. Alleine in der Seestadt Aspern werden in den nächsten Jahren etwa 12.500 Wohnungen fertiggestellt. Gemeinsam mit dem Donauspital soll das KH Nord den erwarteten Bedarfszuwachs in der Patientenversorgung bewältigen. Und die bestehende Expertise soll gegenseitig genützt werden. Man verspricht sich Synergien. Die onkologische Betreuung wird beispielsweise nach derzeitiger Planung zum Großteil vom Donauspital abgedeckt, Pulmologie, sowie Thorax- und Herz- und Gefäßchirurgie vom Krankenhaus Nord. In den Bereichen Neurologie sowie Augen, Dermatologie, HNO und Urologie wird das Donauspital mit Konsiliardiensten zur Verfügung stehen.

Einen Baustein in der modernen Qualitätssicherung des Krankenhaus Nord stellt das Simulationszentrum dar – nach den bewährten Konzepten aus der Luftfahrt. Für alle KAV-Mitarbeiter aber auch für Studenten besteht hier die Möglichkeit einerseits ihre technischen Fertigkeiten, beispielsweise in der Laparoskopie, zu schulen, aber auch das Zusammenspiel im Team kann hier für den Notfall erprobt werden, etwa beim schwierigen Atemweg oder in der kardiopulmonalen Reanimation. Damit jeder weiß, was er im Ernstfall zu tun hat.

Patientenorientierung als oberste Prämisse

Als oberste Prämisse steht naturgemäß die Patientenorientierung, die sich in der Gestaltung des Hauses mit Ein- und Zweibettzimmern und großzügigem Grünraum ebenso manifestiert, wie in der Übersichtlichkeit des Gebäudes und umfassender Patienteninformation. Für die potentiellen Patienten des KH Nord, die Bevölkerung des Bezirks, wurde eine eigene Patientenombudsstelle eingerichtet. Charlotte Staudinger, ehemals für Strategische Planung und Qualitätsmanagement im Wiener Krankenanstaltenverbund verantwortlich, nimmt sich in dieser Position der Anliegen und Sorgen der Anwohner und Interessierten an und schafft damit ein überwiegend konfliktfreies Miteinander.

Da bisher also alles im Zeitplan ist, sind die Aussichten für die Vollinbetriebnahme des neuen Spitals Mitte 2016 gut. Innerhalb von ein bis zwei Monaten soll, so Projektleiter Wölfl, der Betrieb aufgenommen werden. Der technische Probebetrieb wird im Jahr 2015 über die Bühne gehen. Und noch einen großen Vorteil bietet das neue Haus: Eine einheitliche Plattform für alle Informationstechnologien und einfachere und nutzerfreundliche Strukturen als in den langsam gewachsenen und daher mit unterschiedlichen Systemen arbeitenden Spitälern.

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