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Gesundheitspolitik 8. November 2013

Genmais

Ärztekammer warnt vor "nicht abschätzbaren Folgen" auf den Menschen.

Die Wiener Ärztekammer warnt vor möglichen Gefahren, die von genetisch veränderten Organismen ausgehen könnten. Deren Auswirkungen auf Nützlinge und gefütterte Tiere und damit auch auf den Menschen seien nach wie vor nicht wirklich abschätzbar, betont der Referent für Umweltmedizin der Ärztekammer für Wien, Piero Lercher. Aktueller Anlass ist die geplante Freisetzung einer transgenen Maissorte, die unter anderem ein Insektengift produziert.

Gentechnik in der Landwirtschaft überschreitet im Unterschied zu traditionellen Züchtungen die natürlichen Artgrenzen, indem bestimmte Gene aus anderen Organismen in das jeweilige Genom eingeschleust werden. Gelangen solche genetisch veränderte Organismen in die freie Natur, sind sie kaum kontrollier- und auch nicht rückholbar. "Sie stellen damit ein erhebliches Risiko für das biologische Gleichgewicht der Natur dar", warnt Lercher.

Ungeklärt sind auch ihre Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit. Studienergebnisse liegen kaum vor - und schon gar keine Langzeitdaten, weshalb für Lercher "das Vorsorgeprinzip zu gelten hat".

Derzeit geltende Rechtsunsicherheiten dürften nicht Anlass für unüberlegte Entscheidungen sein. Lercher: "Kaum jemand weiß beispielsweise, dass die EU-Kommission dazu verpflichtet werden kann, eine Zulassung zu gewähren, wenn sich im Rat keine qualifizierte Mehrheit für oder gegen die Zulassung findet." Das Recht auf Gesundheit und nachhaltige Integrität müsse im Sinne einer Generationenverantwortung aber höher stehen.

Auch die Tatsache, dass, wie im aktuellen Fall der Zulassung der transgenen Maissorte "Mais 1507" des Agrarkonzerns Pioneer Hi-Bred International, die Entscheidung von der Europäischen Kommission dem Ministerrat weitergereicht wurde, zeige, dass eine Entscheidungsunsicherheit vorherrsche, da etwaige Folgen für Umwelt und Gesundheit bis dato nicht abgeschätzt werden könnten.

Die Wiener Ärztekammer fordert daher:

  1. Es sind vergleichende Langzeitanalysen (mindestens über einen Zeitraum von 30 Jahren) hinsichtlich der nutritiven (die Ernährung betreffenden, Anm.), anti-nutritiven, toxischen und allergenen Inhaltsstoffe durchzuführen, um mögliche, durch die genetische Modifikation ausgelöste, unbeabsichtigte Veränderungen feststellen zu können.
  2. Forschungsarbeiten mit genetisch veränderten Organismen sowohl in der Pflanzenzucht als auch zur Entwicklung neuartiger Wirkstoffe dürfen ausschließlich in hermetisch abgeriegelten Forschungseinrichtungen durchgeführt werden. Eine Freisetzung transgener Sorten und Arten in die freie Natur ist weiterhin strikt abzulehnen, da die Folgen weder abgeschätzt noch rückgängig gemacht werden können.
  3. Die Notwendigkeit, neue transgene Sorten zuzulassen (beispielsweise eine neue Maissorte), muss wirtschaftlich und wissenschaftlich untermauert werden und bedarf einer breiten Zustimmung der Mehrheit der Konsumenten.
  4. Bei in den Zulassungs- und Entscheidungsprozess involvierten Personen und Institutionen soll das bisher geltende Verbot der Freisetzung von transgenen Sorten beibehalten werden.
  5. Es muss klar definiert werden, wer die Haftung für etwaige Schäden und direkte und indirekte gesundheitliche Folgen durch freigesetzte genmanipulierte Organismen übernimmt. (hpp)
  • Herr Prof. Dr. Klaus-Dieter Jany, 22.11.2013 um 16:28:

    „Kommentar von
    Kl.-D. Jany und K. Widhalm

    Die mögliche Zulassung der gentechnisch veränderten Maissorte 1507 für den kommerziellen Abbau in der EU nimmt die Wiener Ärztekammer unter Federführung ihres Umweltreferenten Piero Lercher zum Anlass, pauschal vor den unabsehbaren Gefahren gentechnisch veränderter Pflanzen (gv-Pflanzen)und sonstiger Organismen eindringlich zu warnen. Worauf sich die Warnungen beziehen und von welchen wissenschaftlichen Studien sie abgeleitet werden, bleib unklar. Gerade von einer Einrichtung wie die Ärztekammer, die sich dem Menschen und der Wissenschaft verpflichtet sieht, wäre eine wissenschaftliche Absicherung ihrer undifferenziert wirkenden Aussagen zu erwarten gewesen. Möglicherweise kennt der Referent die umfassende Literatur zur Sicherheitsbewertung transgener Pflanzen hinsichtlich Umwelt, Tier und Mensch nicht. In keiner der wissenschaftlich fundierten Untersuchungen konnten gentechnik-spezifisch negative Auswirkungen der gegenwärtig zugelassenen gv-Pflanzen nachgewiesen werden. Möglicherweise beruft sich der Referent auf die Fütterungsstudie mit gv-Mais an Mäusen hinsichtlich ihrer Reproduktivität über mehrere Generationen. Diese Studie wurde vom österreichischen Staat finanziert und aus ihren vorläufigen Ergebnissen konnte tatsächlich eine reduzierte Vermehrungsfähigkeit der Mäuse nach Fütterung mit gv-Mais abgeleitet werden. Die genaue Analyse der Studie erbrachte aber schwerwiegende Fehler im Versuchsansatz und in der statistischen Auswertung. Die Studie wurde allerdings in aller Stille zurückgezogen und selbst im Internet ist sie nicht mehr auffindbar, aber dennoch wird sie immer noch als ein Kronzeuge für die Bedenklichkeit von Produkten aus gv-Pflanzen herangezogen.
    Genauso wenig wie der Referent mit der Literatur zur Risikobewertung vertraut ist, scheint er auch nur geringe Kenntnisse über gesetzliche Regulationen zum Inverkehrbringen von Produkten aus gv-Pflanzen und sonstigen Organismen zu verfügen. Möglicherweise bezieht sich der Referent in seiner Aussage zur EU-Kommission auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofes in Sachen Mais 1507 im Verfahren der Firma Pioneer Hi-Bred International Inc. gegen die Kommission. In dem Urteil wird die EU-Kommission verpflichtet, das Verfahren zur Zulassung des Maises voranzutreiben, das sie seit 2001 verschleppt hat. Die EU-Kommission kann nicht zur Zulassung einer gv-Pflanze verpflichtet werden. Erst wenn in dem langwierigen Abstimmungsverfahren der EU-Mitgliedsstaaten keine Einigung für oder gegen eine Zulassung herbeigeführt werden kann, entscheidet die EU-Kommission eigenständig. Bei ihrer Entscheidung für oder gegen eine Zulassung beruft sie sich auf das (die) wissenschaftlich basierte Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und auf den Stand der Wissenschaft im Hinblick auf die Vorsorge von Mensch, Tier und Umwelt. Ganz verschweigt der Umweltreferent die gesetzlich vorgesehene Möglichkeit der Anwendung einer nationalen Schutzklausel zum Verbot des Anbaus einer Gv-Pflanze auf ihrem Territorium. Das Verbot muss wissenschaftlich begründbar sein oder sich auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse berufen. Österreich hat bislang stets von der Schutzklausel Gebrauch gemacht, auch wenn es die Ablehnung nie profund wissenschaftlich begründen konnte. Die EU-Kommission hatte bislang nie die Kraft das von Österreich ausgesprochenen Verbote aufzuheben.
    Die Forderung nach mehr Langzeituntersuchungen hinsichtlich der toxikologischen Unbedenklichkeit von Produkten aus gv-Pflanzen ist berechtigt, aber die Ausweitung auf einen Zeitraum von mindestens 30 Jahren zeugt von wenig Sachverstand zur Toxikologie von komplexen Lebensmitteln, wie es Pflanzen sind. Tierexperimente über diesen Zeitraum sind wenig aussagekräftig und die Ergebnisse lassen sich oft nicht auf den Menschen übertragen. Vermutlich fordert die Wiener Ärztekammer nicht eine mehrjährige kontrollierte Ernährungsstudie an Menschen, um nutritive, anti-nutritive, toxische und allergene Effekte auszuschließen. Die Wissenschaft kann grundsätzlich nie etwas vollkommen ausschließen, auch wenn sie an einem Produkt über 30 Jahre forscht, aber sie kann mit den heutigen Methoden, Unterschiede zwischen der gentechnisch veränderten und der Vergleichspflanzen fundiert erkennen und bewerten. Viele wissenschaftliche Arbeiten hierzu sind veröffentlicht, aber wahrscheinlich ist diese Literatur dem Umweltreferenten unbekannt.
    Die Forderung, dass Forschungsarbeiten an gv-Pflanzen oder sonstigen gentechnisch veränderten Organismen ausschließlich in hermetisch abgeschlossenen Forschungseinrichtungen durchgeführt werden dürfen, trifft zwar in speziellen Einzelfällen wie pathogenen Mikroorganismen zu, ist aber für gv-Pflanzen in dieser Form aus guten Gründen gesetzlich nicht vorgesehen. Wie sollten reale Umwelteinflüsse in einer künstlichen Umwelt abschließend bewertet werden? Mit dieser Forderung verweigert sich die Wiener Ärztekammer einer realen Umweltforschung zu gv-Pflanzen bzw. sie möchte offenbart keine erlangen, damit auch in Zukunft die „unabsehbaren“ Folgen der Freisetzung von gv-Pflanzen beschworen werden können.
    Insgesamt gesehen, wäre die Wiener Ärztekammer gut beraten gewesen, sich nicht ausschließlich auf ihren Umweltreferenten mit beschränktem Allrounderwissen zu verlassen, sondern für die Aufstellung ihrer Forderungen auch Wissenschaftler aus Universitäten und sonstigen Forschungseinrichtungen zu hören, die mit der Gentechnik, Pflanzenzüchtung und der Risikobewertung von gv-Pflanzen tatsächlich vertraut sind.


    Prof. Dr. Klaus-Dieter Jany
    Vizepräsident für Forschung und Lehre
    Wadi-International-University (Syria)
    c/o Nelkenstraße 36, D-79351 Linkenheim


    Kurt WIDHALM, M.D.
    em. Professor for Clinical Nutrition and Pediatrics
    President: Academic Institute for Clinical Nutrition
    Alserstraße 14/4 A-1090 Vienna, Austria“

  • Herr Univ.-Lekt. Dr. med. Piero Lercher, 13.12.2013 um 09:37:

    „Antwort auf den "Kommentar" von Klaus-Dieter Jany und Kurt Widhalm

    Zu allererst muss festgestellt werden, dass im vorliegenden „Kommentar“ die wissenschaftliche Argumentation und Aufarbeitung der Thematik durch Klaus-Dieter Jany und Kurt Widhalm auf Sachebene nur rudimentär zu erkennen ist und vorwiegend unqualifizierte und diskriminierende Argumente auf persönlicher Ebene getätigt werden.
    Ohne Recherche und Nachfrage werden irgendwelche Studien genannt, auf denen laut Meinung der beiden Kritiker die Presseaussendung der Ärztekammer beruhe, und am Ende werden diese Studien mit Gegenargumenten widerlegt. Eine solche Vorgangsweise, um sich als „Experten“ hineinzureklamieren, ist in heutigen Zeiten nicht mehr angebracht und entbehrt auch jedweder wissenschaftlichen Gepflogenheit.

    Dennoch wird im Sinne eines konstruktiven Dialogs und unter Berücksichtigung etwaiger Missverständnisse folgende Stellungnahme abgegeben:

    Es ist eine Tatsache, dass seit der Präsentation der ersten genveränderten Pflanze vor 30 Jahren nach wie vor viele Fragen offengeblieben sind und noch immer unerwartete, nicht erklärbare Eigenschaften beobachtet werden. Ebenso ist bis dato nicht ausreichend geklärt, wie sich der Verzehr von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) langfristig auf die menschliche Gesundheit auswirkt.
    Eine diesbezüglich von Jany und Widhalm geforderte umfassende Kenntnis der Literatur wird zur Erstellung adäquater Richtlinien und Empfehlungen zu wenig sein, denn Untersuchungen an Nagetieren (der Großteil der Studien wurde bei Ratten analysiert!!) können nicht direkt auf den Menschen übertragen werden. Außerdem fehlen Langzeitstudien sowohl seitens der Gentechnik-Befürworter als auch seitens der Gentechnik-Gegner.
    Was die Studienlage betrifft, so kann nur bewertet werden, was tatsächlich mit Studien untersucht worden ist - und hier gibt es viele Phänomene und Beobachtungen, die bis dato noch nicht erforscht worden sind.

    1. Zur Kritik der wissenschaftlichen Absicherung der Aussendung:
    Die Expertise der Wiener Ärztekammer beruht nicht nur auf theoretischer Studienanalyse, sondern ganz nach Tradition der Klassischen Wiener Medizinischen Schule auch auf Sachverstand, Beobachtungsgabe, Kombinationsfähigkeit und praktischer Auseinandersetzung mit der Materie. Unzählige Gespräche mit Landwirten und Konsumenten, aber auch die Berücksichtigung von technischen und gesetzlichen Entitäten wurden in der Argumentation berücksichtigt. Damit bringt die Wiener Ärztekammer auch eine ganz neue Qualität in diesen Diskussionsprozess ein.

    Die Bedeutung des von der Ärztekammer propagierten Vorsorgeprinzips wird auch durch andere wichtige Institutionen, wie beispielsweise durch ein Positionspapier der katholischen Kirche, untermauert. Ebenso propagiert im Zusammenhang mit der Lebensmittelsicherheit auch die AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) für GVO-Produkte folgende Risikobereiche:
    1) Toxikologische oder immunologische Effekte durch Veränderungen im pflanzlichen Genom oder ausgelöst durch transgene Proteine
    2) Negative gesundheitliche Effekte für den Konsumenten durch Nährwertveränderungen im Lebensmittel/Futtermittel, ausgelöst durch die genetische Modifikation
    3) Herbizid-Rückstände im Trinkwasser im Falle der Kultivierung von herbizidresistenten GVO

    Ökologische Gefahren können aufgrund folgender Phänomene entstehen:
    1) Transfer der genetischen Modifikation auf konventionelle Kulturpflanzen oder auf verwandte Wildpflanzen
    2) die Überlebensfähigkeit des Samens im Boden
    3) die Weitergabe von Antibiotikaresistenzmarkergenen auf Bakterien
    4) negative Effekte auf Nicht-Zielorganismen (Nützlinge)
    5) Resistenzbildungen bei Pflanzenschädlingen oder Unkräutern

    In einer umfassenden Risikobewertung müssen unbedingt auch nichtmedizinische Phänomene ins Kalkül gezogen werden, wie beispielsweise die negativen Auswirkungen auf die Agrobiodiversität und die biokulturelle Diversität. Transgene Pflanzen werden oftmals auch hinsichtlich Parasiten- und Unkrautbefall entwickelt. Das aktuelle Beispiel der Resistenzentwicklung des Maiswurzelborers (Diabrotica virgifera) führt jedoch solche Genmodifikationen ad absurdum. Zudem kann eine Gefährdung von Nützlingen bis dato nicht zu 100% ausgeschlossen werden.
    Die Realität konfrontiert uns auch bereits mit Lizenz- und Patentklagen aufgrund unkontrollierter Verbreitung von genetisch modifizierten Sorten, die auf konventionellen und biologischen Anbauflächen detektiert werden. Die Klagen der lizenz- und patentinhabenden Großkonzerne führen nicht selten zum wirtschaftlichen Ruin des betroffenen Landwirts. Die daraus resultierenden sozioökonomischen und psychosozialen Folgen und deren Auswirkungen auf die Gesundheit der Betroffenen haben sehr wohl wieder medizinische Relevanz. Dies kann mit einer Studie an Nagern wohl nur schwer bestätigt oder widerlegt werden….


    2.Zur Kritik der angeblichen Unkenntnis der Gesetzeslage und dem Vorwurf, dass Österreich bislang stets von der Schutzklausel Gebrauch gemacht hat, auch wenn es die Ablehnung nie profund wissenschaftlich begründen konnte:

    Wir in Österreich sind in der glücklichen Lage, im Sinne der Biodiversität über ein breites Angebot an Pflanzen- und Obstsorten zu verfügen. Obwohl wir ein sehr kleines Land sind, haben wir eine Vielzahl regionaler Spezialitäten, davon auch sehr viele autochthone und alte Sorten, die in geschmacklicher Hinsicht unvergleichlich gut und von Natur aus gegen viele Schädlinge resistent sind.
    In Österreich sind derzeit weit mehr als 200 Maissorten verfügbar (Österreichische Sortenliste 2013). Faktum ist auch, dass unsere Landwirte nach wie vor selbst Samen züchten und nicht von Großkonzernen abhängig sein wollen (derzeit bestimmen sechs multinationale Konzerne fast 80% des weltweiten kommerziellen Saatgutmarktes!).
    Der gesundheitliche Wert biologisch erzeugter Nahrungsmittel ist unbestritten, und wir haben das Know-how, diese in ausreichender Menge zu produzieren und zu konkurrenzfähigen Preisen anzubieten. Letztendlich muss man auch den Willen der österreichischen Konsumenten/innen respektieren, die auf gentechnikfreie Lebensmittel bestehen – wir sind ein Land der gesundheitsbewussten Feinschmecker und nicht umsonst weltweit Spitzenreiter in Sachen Lebensmittelqualität.
    Das Recht auf Gesundheit und nachhaltige Integrität muss im Sinne einer Generationenverantwortung höher stehen als wirtschaftliche Interessen!

    3. Zur Kritik an der Forderung von Langzeituntersuchungen:
    Die beiden Kritiker der Presseaussendung schreiben selbst, dass „Tierexperimente über diesen Zeitraum wenig aussagekräftig sind und die Ergebnisse sich nicht auf den Menschen übertragen lassen“, wodurch sie ihren angreifenden Worten gleich das Gegenargument „beigepackt“ haben, dem nichts mehr hinzuzufügen ist.
    4. Zur Kritik an der Forderung von GVO-Forschungen in hermetisch abgeschlossenen Forschungseinrichtungen:
    Die Forderung nach hermetisch abgeschlossenen Forschungseinrichtungen rührt aus der Tatsache, dass in einigen Bundesländern Österreichs eine Freisetzung von genmanipulierten Organismen strikt verboten ist.
    Zusätzlich können damit lizenz- und patentrechtliche Klagen von Landwirten vermieden werden, die sich mit konventionellem Anbau beschäftigen, indem in ihren Feldern keine (unter Umständen) durch Wind und Wetter verbreiteten genmanipulierte Pflanzen nachgewiesen werden können. Die traurige Wahrheit ist ja, dass es in anderen Ländern diesbezüglich bereits existenzbedrohende Klagen wegen Patenrechtverletzungen gibt. Eine neutrale Koexistenz von gentechnisch veränderten und biologisch-konventionellen Pflanzen ist unmöglich.
    Ein triftiges Argument sind auch die bestehenden Deckungsausschlüsse. So werden gemäß einer aktuellen Stellungnahme des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft Schäden durch GVOs aufgrund der darin liegenden hohen Risikopotenziale als grundsätzlich unversicherbar angesehen.

    Solange also etwaige direkte und indirekte gesundheitliche Folgen nicht zu 100% ausgeschlossen werden können und Haftungs- und Versicherungsfragen im Falle etwaiger Schäden nicht geklärt sind, gilt das Vorsorgeprinzip und wir müssen wir uns nichts einreden lassen, was wir nicht wollen und auch nicht benötigen!

    Mit freundlichen Grüßen


    Univ.-Lekt. Dr. med. Piero LERCHER
    Leiter des Referates für Umweltmedizin
    der Wiener Ärztekammer
    Referat für Umweltmedizin der Ärztekammer für Wien
    1010 Wien, Weihburggasse 10-12, 2. Stock, Zi.2.06
    Tel. +43 1 51501-1404
    Fax +43 1 512 60 23-1404
    E-mail:
    Homepage: www.aekwien.at“

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