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Gesundheitspolitik 6. November 2013

Drogensubstitution - Report spricht für Morphine in Retardform

Hohe Haltequote in Wien und deutlich weniger Drogentote im Jahr 2012.

Die Suchtgiftproblematik ist in Österreich stabil. Die Zahl der Drogentoten ist 2012 stark gesunken. Die Hälfte der Opiatabhängigen befindet sich in Substitutionstherapie. Morphin in Retardform (lange Wirkdauer) scheint bei der "Haltequote" der Behandelten die beste Option. Das sind Kernaussagen aus einem neuen "Epidemiologiebericht Drogen 2012/2013" im Auftrag des Gesundheitsministeriums.

"Zwischen Beginn der 2000er-Jahre und 2004/2005 gab es eine steigende Prävalenz des problematischen Drogenkonsums aufgrund einer erhöhten Anzahl an Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die mit einem problematischen Drogenkonsum begonnen haben. Mittlerweile ist die Anzahl (...) wieder rückläufig. Während in Wien die Prävalenzzahlen in den letzten Jahren stagnieren, steigen die Zahlen in den anderen Bundesländern (kontinuierliche Angleichung des Ausmaßes des Drogenproblems zwischen ländlichen/kleinstädtischen Regionen und der Großstadt Wien)", heißt es in dem Report, den die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) für das Ressort erstellt hat.

Die aktuelle Situation beschreiben die Fachautoren vom GÖG unter fachlicher Begleitung der Bundesdrogenkoordinatorin Johann Schopper so: "Aktuell gibt es zwischen 30.000 und 34.000 Personen mit problematischem Drogenkonsum unter Beteiligung von Opioiden in Österreich. Etwa die Hälfte davon lebt in Wien. Ein Viertel der Betroffenen ist weiblich und etwa ein Fünftel ist unter 25 Jahre alt. Wien ist aufgrund der Tatsache, dass es die einzige Großstadt Österreichs ist, vom Drogenproblem am stärksten betroffen, gefolgt von Vorarlberg und Tirol."

Bereits vergangenes Jahr startete Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) eine Diskussion rund um die Opiat-Substitutionstherapie in Österreich. Sie äußerte dabei heftige Kritik an der Verwendung von Opiaten in Retardform (Tabletten).

"Kritik scheint ins Leere zu gehen"

Doch diese Kritik scheint ins Leere zu gehen, so der Faktenreport: "Im letzten Jahrzehnt ist es gelungen, den Anteil an Personen mit problematischem Opioidkonsum, die sich in Substitutionsbehandlung befinden, stark zu erhöhen. Im Jahr 2012 befanden sich 16.892 Personen in Substitutionsbehandlung (von etwa doppelt so vielen Opiatkonsumenten mit intravenösem Konsum etc.; Anm.)."

Die Autoren weiter: "Insgesamt befinden sich nach einem Jahr noch 70 Prozent und nach zwei Jahren noch 60 Prozent der Personen in Behandlung. Es gibt Hinweise, dass nach einer Behandlungsdauer von einem Monat eine kritische Phase bezüglich Behandlungsabbruch besteht. Frauen weisen eine höhere Haltequote auf als Männer und Personen über 30 Jahre als solche unter 30 Jahre. Morphin in Retardform ist allen anderen Substitutionsmitteln hinsichtlich Haltequote eindeutig überlegen. Die Haltequote ist in Wien höher als in den anderen Bundesländern."

Die Daten im Einzelnen:

  • Selbst nach 23 Jahren befindet sich noch ein Drittel der Opiatabhängigen, die ehemals eine Substitutionstherapie bekamen, in Behandlung.
  • 800 Tage nach Start einer Substitutionstherapie (Zeitraum 1. Jänner 2011 bis 31. Dezember 2012) sind noch 71 Prozent der mit Morphinen in Retardform Behandelten in Therapie, mit anderen Substitutionsmitteln gelingt das nur zu einem geringeren Anteil - zu 53 Prozent (Methadon rund 50 Prozent, Buprenorphin rund 60 Prozent).
  • Nach 800 Tagen sind in Wien noch 70 Prozent der Behandelten in Therapie, in den übrigen österreichischen Bundesländern 57 Prozent.

Eindeutig positiv ist die Entwicklung bei der Zahl der Drogentoten: Für 2012 geht man in dem Bericht von 161 Todesfällen aus, die "direkt auf eine Überdosierung zurückzuführen sind". Im Jahr zuvor sind es noch 201 gewesen.

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