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Wichtige Vernetzung der Neurologie-Experten.
 
Gesundheitspolitik 4. November 2013

WCN 2013: Vernetzung als Basis besserer Versorgung

Neurologische Erkrankungen stellen in Zukunft eine enorme – auch gesundheitspolitische – Herausforderung dar. Austausch und Wissenstransfer sind dabei zentrale Elemente für die Qualitätssicherung in der Betreuung.

Um weltweit eine Versorgung von Menschen mit neurologischen Erkrankungen auf höchstem Niveau sicherzustellen, sind Aus- und Weiterbildung sowie internationaler Wissenstransfer zentrale Elemente. Ein neues „Specialty Network“ der World Federation for Neurology soll dabei auch den Austausch zwischen den zahlreichen Subdisziplinen der Neurologie fördern, bessere Synergie zwischen den Spezialorganisationen ermöglichen und Ressourcen, zum Beispiel im Bereich der internationalen Aus- und Fortbildung, nutzbringend koordinieren. Die European Federation of Neurological Societies hat ihre Mission dahin gehend erweitert, die Ausbildung von Neurologen auch in Afrika zu unterstützen.

„Das erklärte Ziel der World Federation of Neurology ist es, weltweit die Neurologie und ihre Qualität zu fördern und den Zugang für Patienten zu guter Versorgung sicherzustellen“, betonte Prof. Dr. Wolfgang Grisold, Primararzt im SMZ-Süd - Kaiser-Franz-Josef-Spital in Wien, der im Rahmen dieses Weltkongresses für Neurologie (WCN) zum nächsten Generalsekretär der World Federation for Neurology (WFN) gewählt wurde. Aufgrund seiner internationalen Erfahrung weiß der Experte, dass die angestrebte Qualitätsverbesserung global betrachtet viele Gesichter haben kann: „Unser Fachgebiet spielt je nach Staat oder auch Kontinent eine mehr oder weniger bedeutsame Rolle. Manchmal mangelt es am Bewusstsein, was unsere Disziplin leisten kann, oft fehlen für optimale Versorgung die Mittel. So haben in vielen Entwicklungsländern Patienten nicht einmal Zugang zu den einfachsten Medikamenten“, so Grisold.

Internationaler Wissenstransfer

Ein zentraler Dreh- und Angelpunkt für eine qualitätsvolle neurologische Versorgung ist eine fundierte Aus- und Weiterbildung. Die in der WFN zusammengeschlossenen 114 Mitgliedsgesellschaften setzen sich daher für eine Verbesserung der Curricula angehender Mediziner ein oder für größere Verbindlichkeit bei der Weiterbildung. „Generell ist unser Ziel, weltweit einen gemeinsamen Standard für die Ausbildung von Neurologen zu etablieren“, so Grisold. „Da die Neurologie eine kontinuierliche Entwicklung verzeichnet, ist die permanente Fortbildung von zentraler Bedeutung. Allein beim Lyseverfahren zur Schlaganfallsbehandlung gab es etliche Modifikationen in nur wenigen Jahren“, betonte Grisold. Ein besonderer Fokus der Tätigkeit des WFN liegt daher auf dem internationalen Austausch und Wissenstransfer – etwa durch eine Website, um Fachliteratur global zugänglich zu machen, Junior Travelling Fellowships oder Stipendien zur gezielten Förderung von Neurologen in Krisen- oder Entwicklungsstaaten. „Auf diese Weise konnten wir beispielsweise die Schulung von afghanischen Kinderneurologen oder Fortbildungen in Afrika ermöglichen. Das sind wichtige Stimuli für die Gesundheitsversorgung in weniger privilegierten Weltgegenden“, erläuterte Grisold.

Als besonderen Erfolg verbucht Grisold den Aufbau von Teaching Centers (TC) in Ländern mit Aufholbedarf. Das erste TC für afrikanische Neurologen wurde kurz vor dem Kongress in Rabat eröffnet. „Teaching Centers sind Lehreinheiten an Universitätskliniken, die von uns visitiert und zertifiziert werden. Dabei werden neben dem Lehrkurrikulum die Ausstattung, die interdisziplinäre Zusammenarbeit und die Lebenssituation der Studenten beleuchtet. Fallweise finanzierten wir auch Lehrbeauftragte oder Stipendien für Praktikanten.“

Auch der WCN wurde zur Wissensvermittlung genutzt: In einem umfangreichen Fortbildungsprogramm („Teaching Courses“) wurden zahlreiche relevante Themen behandelt: von neuesten Erkenntnissen bei der Epilepsietherapie über Neurorehabilitation bis hin zur Therapie von neurologischen Tropenerkrankungen. Als wichtige Neuerungen wurden Kurse angeboten, die neben Neurologie auch Basisgrundlagen behandeln, und eine Reihe von Hands-On-Kursen, die sich beim letzten Weltkongress in Marrakesch bereits bewährt haben. Grisold: „Wichtig ist auch, dass ‚soft skills‘ wie palliative Maßnahmen, der Umgang mit der Administration oder das Schreiben von wissenschaftlichen Arbeiten in den Kursen angeboten werden.“

Einbeziehung aller neurologischen Subspezialitäten

„Die Neurologie ist ein sehr breit angelegtes und sich enorm dynamisch entwickelndes Fachgebiet mit vielen Spezialisierungen“, sagte Prof. Dr. Werner Hacke vom Universitätsklinikum Heidelberg und Vizepräsident der WFN. „Unter dem großen Dach der Neurologie haben sich über die Jahre auf internationaler, regionaler und nationaler Ebene zahlreiche Spezialorganisationen entwickelt“ Ein Vorteil dieser Organisationen – sie binden neben Neurologen auch andere Fachgebiete ein, die sich mit dem jeweiligen Krankheitsbild beschäftigen – in der Epilepsie zum Beispiel Pädiater.

Für all diese, auf internationaler Ebene tätigen, Fachgesellschaften bietet die WFN jetzt eine neue Plattform zur Koordination ihrer Aktivitäten an: das WFN Specialty Network. „Damit will die WFN eine Hilfestellung zur besseren Abstimmung anbieten. Durch eine solche Plattform für Austausch und Dialog können etwa Synergieeffekte geschaffen und Ressourcen gemeinsam genutzt werden“, erklärte Hacke. „Viele der Spezialgesellschaften führen etwa Aus- und Weiterbildungsaktivitäten durch, die in vielen Fällen so sinnvoll abgestimmt oder gemeinsam umgesetzt werden könnten.“ Ein erster praktischer Erfolg der verstärkten Koordination: Einige der Spezialorganisationen, darunter die International Child Neurology Association (ICNA) und die International League against Epilepsy (ILAE), haben bereits ihre Absicht erklärt, ihre Fortbildungsangebote in Afrika in Zukunft verstärkt gemeinsam durchzuführen.

Auch auf dem Weltkongress wurden zu den großen Kongressthemen wie etwa Demenz, Parkinson, Schlaganfall oder Epilepsie gemeinsame Symposien der WCN mit den Spezialgesellschaften durchgeführt.

EFNS: hochwertige neurologische Versorgung in Europa

Die European Federation of Neurological Societies (EFNS) hat zehn Aufträge. Einer besteht darin qualitativ, hochwertige neurologische Versorgung in ganz Europa sicherzustellen. Die Förderung von Bildung und Ausbildung in der Neurologie sei entscheidend, um dieses Ziel zu erreichen, sagte Prof. Richard Hughes aus London und Präsident des EFNS. „Wir veranstalten jährlich im Frühling eine viertägige Schulung in Staré Splavy, Tschechische Republik, unter der Schirmherrschaft von Prof. Pavel Kalvach. „Wir halten auch regionale Teaching Courses in Osteuropa ab, in diesem Jahr in Odessa, Ukraine und Ohrid, in der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien. 2012 und 2013 haben wir 40 sechswöchige Fortbildungsaufenthalte und neun wissenschaftliche Halbjahres- bis Jahres-Stipendien für junge Neurologen unterstützt.“

Unterstützung für neurologische Ausbildung in Afrika

Seit 2008 hat die EFNS ihre Aktivitäten erweitert, um mit afrikanischen Kollegen zu arbeiten und regionale Kurse in Afrika südlich der Sahara zu veranstalten. Im Jahr 2013 hat die EFNS/ENS Task Force „Neurology and Sub-Saharan Africa“ unter dem Vorsitz von Prof. Erich Schmutzhard, Österreich, einen Kurs in Dakar, Senegal, organisiert. Fünf weitere Organisationen haben dabei mitgewirkt: die WFN, die Movement Disorder Society, die World Stroke Organisation, die International Brain Research Organisation und die American Academy of Neurology. Laut Hughes wurden mehr als 100 Trainees aus dem Bereich Neurologie und verwandten Fachgebieten von einer Fakultät europäischer und afrikanischer Neurowissenschaftler unterrichtet.

Europas Neurologen schließen sich zusammen

Seit mehr als zwei Jahrzehnten gibt es in Europa zwei neurologische Fachgesellschaften, die EFNS und die European Neurological Society (ENS). Um ihre Arbeit noch effektiver zu gestalten, schließen sich diese nun zusammen und bilden eine neue gemeinsame Organisation: die European Academy of Neurology (EAN). Die Organisation wird am 3. Juni 2014 auf dem gemeinsamen Kongress der EFNS und ENS in Istanbul ins Leben gerufen werden.

Quelle: 21. Weltkongress für Neurologie, 21. – 26. September 2013, Wien

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