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Gesundheitspolitik 30. Oktober 2013

Arbeitszeit & Sicherheit: Medizin muss aktiv werden!

Die Plattform Patientensicherheit fordert, Dienstzeitregelungen unter dem Aspekt der Qualität und Sicherheit zu betrachten.

„Nach rund 20 Stunden im Dienst reagieren Ärzte so, als ob sie 1,5 Alkohol im Blut hätten. Wahrscheinlich möchte niemand von so einem Mitarbeiter behandelt oder gar operiert werden“, erklärt Prof. Dr. Norbert Pateisky, Leiter der Abteilung für klinisches Risikomanagement 
an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde, 
Medizinische Universität Wien und Vorstandsmitglied der Plattform Patientensicherheit.

„Auch eine Studie an einem österreichischen Schwerpunktkrankenhaus hat deutlich gezeigt, dass beispielsweise Chirurgen, die nach einem Nachdienst weiter arbeiten, eine doppelt so hohe Reoperationsrate haben wie ausgeruhte Mediziner“, so Pateisky weiter. Er bringt damit die Diskussionen der letzten Tage auf den Punkt: Engpässe und überlastetes Personal führen zu erheblichen Qualitäts- und Sicherheitsmängeln in der Gesundheitsversorgung.

Die Experten der Österreichischen Plattform für Patientensicherheit arbeiten daher schon seit Jahren daran, das Thema Patientensicherheit durch Forschung, Koordination von Projekten, Vernetzung und Information verstärkt in das Gesundheitssystem einfließen zu lassen. Die Ergebnisse kommen sowohl den PatientInnen als auch den MitarbeiterInnen zugute. Arbeitsbeispiele sind etwa ein Handbuch für Patientensicherheit oder eine mobile App-Lösung, mit der Patienten mitwirken können, ihren eigenen Krankenhausaufenthalt sicherer zu gestalten.

Warum geht es in anderen Branchen?

Das AKH Wien steht derzeit wohl nur stellvertretend für eine strukturelle Fehlentwicklung, die schon seit Längerem zu beobachten ist und auf die sowohl vonseiten der ÄrztInnenvertreter als auch vonseiten der Plattform für Patientensicherheit immer wieder hingewiesen wurde. „Eine Reihe von Branchen wie etwa die Luftfahrt oder das Transportgewerbe zeigen deutlich, dass Regelungen möglich sind. Es ist an der Zeit, dass sich auch Verantwortliche für das Gesundheitswesen endlich die Frage stellen, ob sie einen Ärztemangel und eine schlechtere Patientenversorgung weiter dulden möchten“, so Pateisky.

Sicherheit spart langfristig Geld

Dass umfassende strukturelle Änderungen auch Geld kosten – zumindest am Anfang – liegt auf der Hand. „Wir wissen alle, dass ein teures Auto mehr Komfort und Sicherheit bietet als ein billiges, das ist in der Behandlung von Patienten nicht anders und kann auch nicht wegdiskutiert werden“, ist Pateisky überzeugt. Krankenhäuser tragen derzeit die Folgen der Schäden, die durch mangelnde Qualität und Patientensicherheit entstehen, nur bedingt, denn die Kosten für Pflegeurlaube, Rehabilitationen, Krankenstände oder Frühpensionen tragen vor allem die Steuerzahleren. „Langfristig ist eine sichere Medizin für die Gesellschaft auf jeden Fall kostengünstiger!“, so Pateisky.

Über die Plattforum

Die Österreichische Plattform für Patientensicherheit – ANetPAS – Austrian Network for Patient Safety – wurde im November 2008 im Zuge des Projekts EUNetPAS (7. EU-Rahmenprogramm) und auf Initiative des Bundesministeriums für Gesundheit gegründet. Ziel dieses ExpertInnenforums ist die Etablierung und das Betreiben eines unabhängigen, dynamischen und konstruktiven Netzwerkes, dem die wesentlichen Einrichtungen und ExpertInnen des österreichischen Gesundheitssystems angehören, die sich mit Patientensicherheit beschäftigen. Im Mittelpunkt steht die Förderung der Patientensicherheit durch Forschung, Koordination von Projekten, Vernetzung und Information. Schwerpunkte und Handlungsfelder der Patientensicherheit sollen identifiziert und analysiert werden, um daraus interdisziplinär Lösungen zu entwickeln und zu verbreiten.

Link: www.plattform-patientensicherheit.at

PA Plattform Patientensicherheit, springermedizin.at

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