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Gesundheitspolitik 25. Oktober 2013

Gute Versorgung Sterbender als Gegenmittel zu Euthanasie

Wie und wo gestorben wird, hängt weitgehend von der sozialen Situation ab.

Eine gute Versorgung von Menschen im Endstadium von tödlichen Erkrankungen ist das beste Mittel gegen Euthanasiedebatten. Wie und wo in Österreich gestorben wird, hängt weitestgehend von der sozialen Situation des Menschen ab, von Geld und von dem Vorhandensein von Angehörigen. Dies erklärten am Freitag Experten bei einem Pressegespräch aus Anlass einer Palliativmedizin-Tagung in Wien.

Unter Palliativmedizin versteht man die medizinische Betreuung von Menschen am Ende ihres Lebens. "Umsorgung versus Entsorgung", lautet der Titel des "1. Interdisziplinären Fachtags Palliative Care", der am Freitag im Schloss Schönbrunn ablief. Der Vorstand des Instituts für Ethik und Recht in der Medizin in Wien, Ulrich Körtner, nahm zu den regelmäßigen Debatten über "Sterbehilfe" Stellung: "Es sollte um Sterbebegleitung gehen. Hier gibt es eine breite Palette von Möglichkeiten. Die meisten Menschen sterben medizinisch begleitet. Die ethische Frage, was zu tun ist und was nicht, was zu unterlassen ist, müssen wir uns auf jeden Fall stellen."

Schlagzeilen machende Fälle wie der Suizid eines Transsexuellen in Belgien wegen psychischem Leidensdruck oder die vor wenigen Tagen erfolgte Straffreistellung eines Niederländers, der seine unheilbar kranke Mutter getötet hatte (Tötung auf Verlangen), stellten eher eine dunkle Seite der Problematik dar: "Wir haben (aus Belgien und den Niederlanden; Anm.) auch Berichte über nicht freiwillige Euthanasie. Das wäre Mord." In Österreich gebe es mit den vorhandenen gesetzlichen Regelungen inklusive der Patientenverfügung ausreichend Möglichkeiten für eine menschliche und das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen wahrende Betreuung von Menschen in ihrer letzten Lebensphase. Körtner: "Ich bin nicht dafür, den gesetzlichen Rahmen zu ändern."

Versorgungsfrage

Die Frage liegt offenbar vielmehr darin, ob es für eine flächendeckende und ausreichende Palliativmedizin in Österreich auch die erforderlichen finanziellen, organisatorischen und personellen Ressourcen gibt. Das darf bezweifelt werden. Palliativmediziner Dietmar Weixler: "Wo und wie man stirbt, ist im größten Maß davon abhängig, wie die soziale Situation ist." Es gehe in der Begleitung dieser Menschen vor allem um Zeit und um eine Versorgung mit einem Team von Ärzten, Krankenpflege, Psychologen und Sozialarbeitern. Klappt das, wird auch der Wunsch der Patienten nach eine vorzeitigen Tod extrem selten. Innerhalb von zehn Jahren betreute ein Palliativ-Versorgungsteam rund um Horn in Niederösterreich mehr als 900 Patienten. Nur zwei davon - und diese mit höchstem Risiko - verübten einen Suizid.

Ein großer Teil der Debatten über Euthanasie dürfte auch aus unbewältigten Ängsten - oft mehr von überforderten Angehörigen als von den direkt Betroffenen selbst - beruhen. Krankenpflegerin Angelika Feichtner, auch der Universität Klagenfurt in der Ausbildung tätig: "Die Angst der Menschen vor dem Sterben betrifft vor allem Schmerzen und die Abhängigkeit von Anderen. Ein Sterbewunsch ist nichts pathologisches, sondern Symptome einer Krise oder psychischen Erschöpfung." Dies könne man durch entsprechende psychologische Begleitung bewältigen helfen.

Die Expertin will auch den Gedanken, dass das Angewiesensein auf Hilfe anderer eine "Schande" sei, nicht akzeptieren: "Wir sind am Anfang unseres Lebens auf andere angewiesen, wir sind am Ende unseres Lebens auf andere angewiesen. Das ist nichts Entwürdigendes. Es geht hier um den Schutz einer großen Gruppe von Menschen."

Ökonomische Fragen

Freilich, so Körtner: "Wir müssen in Sachen Palliativmedizin auch über Geld und Wirtschaftlichkeit sprechen." Die in Österreich vorhandenen Ressourcen für die Sterbebegleitung dürften jedenfalls derzeit nur einen Teil des Notwendigen abdecken. Dazu fehlen - so die Experten - auch Daten über den Bedarf als Basis für jede Planung. "Ich traue mich nicht, für unser Team zu werben", schilderte Hilde Kössler vom Hospiz Baden. Denn Menschen, die nur noch wenig Zeit in ihrem Leben hätten, könne man nicht warten lassen.

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