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Gesundheitspolitik 11. Oktober 2013

Armut steigert Herzinfarktrate

In sozial benachteiligten Stadtteilen gibt es deutlich mehr Herzinfarkte als in sozial privilegierteren Bezirken. Infarktpatienten aus sozial schwachen Vierteln sind jünger als ihre Leidensgenossen aus den besser gestellten Gegenden der Stadt und haben ein höheres Risiko, innerhalb eines Jahres nach dem Infarkt zu versterben. Das zeigt eine Auswertung von Daten aus dem Bremer Herzinfarktregister, die auf dem ESC in Amsterdam präsentiert wurde.

„Diese Ergebnisse verdeutlichen die Wichtigkeit von Primär- und Sekundärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen, insbesondere in sozial benachteiligten Stadtteilen“, kommentierte Prim. Univ.-Prof. Dr. Thomas Stefenelli, Vorstand der Kardiologischen Abteilung, SMZ Ost Donauspital, Wien. „Unterschiedliche soziale Schichten haben verschiedene kardiovaskuläre Risikoprofile, was sich in Spitalseinweisungen und Sterblichkeit niederschlägt.“

Die konkreten Ergebnisse der Studie, in der Daten von 2.061 Herzinfarkt-Patienten analysiert wurden: In den Teilen der Stadt mit dem niedrigsten Sozialstatus gab es 66 Herzinfarkte pro 100.000 Einwohner, in den sozial stärksten Gegenden waren es nur 47 pro 100.000 Einwohner.

Die Infarkt-Patienten aus den unterprivilegierten Bezirken waren mit durchschnittlich 62 Jahren signifikant jünger als die sozial besser gestellten Patienten (67 Jahre). In Bezug auf die kardiovaskulären Risikofaktoren wiesen die Patienten mit geringstem Sozialstatus einen höheren Raucheranteil auf als in den „besten“ Stadtvierteln (51 vs. 36 Prozent) und sie waren häufiger übergewichtig (26 vs. 17 Prozent).

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Während sich bei der Mortalität im Krankenhaus keine Unterschiede zeigten, waren die Patienten aus den sozial schwachen Stadtteilen von einer signifikant höheren Einjahresmortalität betroffen.

Die Forschergruppe um Dr. Susanne Seide, Klinikum Links der Weser in Bremen, teilte die Patienten der Teilnehmer der Studie je nach Höhe des Allgemeinen Bremer Benachteiligungsindex (BI) und der Einkommensstatistik der jeweiligen Stadtteile in vier Gruppen ein. Der BI berücksichtigt Kriterien wie die Arbeitslosenrate, den Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund, die Schulbildung, die Kriminalitätsrate, die Wahlbeteiligung und Geschlechts- und Altersverteilung der Bevölkerung.

 

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