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Streit um verzögerten Start des Brustkrebsfrüherkennungsprogramm in Wien
 
Gesundheitspolitik 3. Oktober 2013

Brustkrebs-Früherkennung: Ärztekammer fordert Stopp der WGKK-Verhandlungsblockade

Krankenkasse verschweigt Nullversorgung in anderen Bereichen – Steinhart: Es ist reichlich spät, wenn der Faule um fünf vor zwölf erst fleißig wird.


In der Debatte über den verzögerten Start des neuen österreichweiten Brustkrebs-Früherkennungsprogramms fordert die Wiener Ärztekammer von der Gebietskrankenkasse einen sofortigen Stopp der Verhandlungsblockade und der Falschinformationen der Öffentlichkeit. „WGKK-Obfrau Ingrid Reischl wäre gut beraten, einem Gesamtabschluss für alle Vertragsärzte in Wien zuzustimmen“, so Johannes Steinhart, Vizepräsident und Verhandlungsführer der Ärztekammer für Wien. Es sei reichlich spät, wenn der Faule um fünf vor zwölf erst fleißig werde.


Es sei ein „grober fachlicher Fehler“, in das neue Brustkrebs-Früherkennungsprogramm lediglich die Gruppe der Radiologen einzubeziehen. Für eine qualitativ hochwertige Beratung und Betreuung der Patientinnen müssten nämlich auch Gynäkologen und Allgemeinmediziner miteinbezogen werden, erklärt Steinhart. „Einen Vertragsabschluss kann es daher nur im Gesamtpaket geben.“

Bereits vor einem Jahr habe die Ärztekammer die WGKK darauf hingewiesen, dass es Verhandlungsbedarf gebe, um rechtzeitig eine Vereinbarung für das neue Brustkrebs-Früherkennungsprogramm zu treffen. „Am Wienerberg war das damals noch nicht von Interesse. Die WGKK hat ausdrücklich gewünscht, diesen Punkt gemeinsam mit dem neuen Gesamtvertrag zu verhandeln“, so Steinhart. „Genau das wollten wir nun machen, aber die Krankenkasse verweigert konsequent einen Abschluss.“

Man habe sich seit Anfang 2013 intensiv um Verhandlungstermine bemüht, wurde aber immer wieder vertröstet: Gerade einmal für vier (!) große Verhandlungsrunden innerhalb eines halben Jahres konnte man Reischl gewinnen. „Wir mussten bei Reischl geradezu um Termine betteln. Das sagt wohl alles über die Gesprächsbereitschaft seitens der WGKK“, verlautete aus dem Verhandlungsteam. Die Aufforderung der WGKK an die Ärztekammer, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren, sorgt in der Ärztekammer nun für große Verwunderung, da bereits ein weiterer Verhandlungstermin für den 11. Oktober 2013 vereinbart wurde.

Reischl verängstigt Frauen

Für die Jahre 2013 und 2014 hat die Ärztekammer ein Angebot vorgelegt, das über alle Ärztegruppen hinweg eine Honorarsteigerung vorsieht, die weit unter der Inflationsrate liegt. „Damit hat die Ärztekammer bereits Zugeständnisse gemacht, damit der Budgetrahmen der WGKK für die Jahre 2013 und 2014 nicht gesprengt wird“, betont Steinhart. Möglich sei dies deshalb gewesen, weil die Ärzteschaft erhebliche Beträge im Budget durch Verschiebungen aus den technischen Fächern selbst finanziere.

„WGKK-Obfrau Reischl inszeniert hier einen medialen Aufschrei und verängstig die Frauen in Österreich“, kritisiert Steinhart. Nach wie vor sei sowohl für eine präventive als auch kurative Versorgung durch Mammografie-Untersuchungen auch ohne den Start des neuen Früherkennungsprogramms gesorgt.

Steinhart: „Im Gesamtvertrag verhandeln wir andere äußerst wichtige Bereiche, in denen es zurzeit in Wien eine komplette ‚Nullversorgung‘ gibt.“ Dies werde von der Obfrau völlig ausgeblendet und „unter den Tisch gekehrt“. So gebe es in Wien nach wie vor keine einzige Kassenplanstelle im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Bei der Nuklearmedizin stünden zurzeit keine Therapieplätze zur Verfügung. „Wir tragen auch hier unseren Patienten gegenüber die Verantwortung, durch einen Vertragsabschluss eine entsprechende Grundversorgung ermöglichen zu können.“

PA Wiener Ärztekammer, springermedizin.at

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