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Gesundheitspolitik 23. September 2013

Kinder- und Jugendpsychiatrie: Mangel bei der Versorgung

Hoher Bedarf und große Versorgungsdefizite.

Auf der 30. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie vom 12. bis 14. September in Wien wurde nicht nur über Leistungen des Faches, sondern auch über Versorgungslücken diskutiert.

„Rund 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren haben psychische Auffälligkeiten, etwa die Hälfte davon sind behandlungsbedürftig“, betonte Prof. Andreas Karwautz, Vizepräsident der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie (ÖGKJP). Angeführt wird die Erkrankungs-Liste von Angststörungen, gefolgt von Depressionen unterschiedlicher Ausprägung. Weitere Störungen sind Magersucht oder Ess-Brech-Sucht, Aufmerksamkeitsdefizit und Hyperaktivität, Psychosen, Entwicklungsstörungen wie Rechtschreibschwäche oder Störungen aus dem Autismus-Spektrum, Störungen des Sozialverhaltens und Bindungsstörungen.

Der lange Weg zur Diagnose

„In den meisten Fällen sind diese Krankheiten gut behandelbar. Allerdings bekommen Kinder und Jugendliche sehr oft erst nach vielen Jahren einer psychiatrischen Krankheit eine professionelle Behandlung und Betreuung“, so Karwautz. Eine Ursache dafür ist, dass psychiatrische Erkrankungen im Kinder- und Jugendalter häufig übersehen oder bagatellisier werden. Dazu komme eine massive Mangelsituation in der Versorgung.

„Die Versorgungslage im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie ist in Österreich angesichts der vielen Patienten, die von den Leistungen unseres Faches profitieren könnten, eine Katastrophe“, bemängelt auch Charlotte Hartl, Bundesfachgruppen-Obfrau ÖÄK. „Die Versorgungsentwicklung gestaltet sich zäh, besonders in der Basisversorgung haben wir großen Nachholbedarf. Für insgesamt 258.000 Kinder und Jugendliche, die einer kinder- und jugendpsychiatrischen Behandlung oder Beratung bedürften, arbeiten im niedergelassenen Bereich österreichweit zwölf Kassenfachärzte. In vier Bundesländern können unsere Patienten nur durch Wahlärzte behandelt werden. Das ist besonders für Patienten mit schweren, chronischen Krankheitsverläufen tragisch, da sich viele Eltern die private Behandlung nicht leisten können.“

Mangelversorgung

Der Österreichische Strukturplan Gesundheit (ÖSG) formuliert die Notwendigkeit einer kinder- und jugendpsychiatrischen Vollabteilung auf 300.000 Einwohner sehr klar. In den meisten Bundesländern gibt es nur etwa die Hälfte der im ÖSG vorgesehenen Kinder- und Jugendpsychiatrie-Betten, nur in Kärnten wird die untere Grenze der vorgegebenen Zahl erreicht. „Der Mangel an Abteilungen führt nicht nur zu einer Mangelversorgung der spitalspflichtigen Patienten, sondern auch zu einem Mangel an Ärzteausbildungsstellen. In meinem Fach haben wir einen eklatanten Fachärztemangel. Wir bräuchten in Österreich etwa 350 Spezialisten, tatsächlich gibt es aber nur rund ein Drittel davon“, so Hartl.

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