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Gesundheitspolitik 12. September 2013

Standpunkte: Gemeinsam besser als einsam

Prävention war eines der zentralen Themen der diesjährigen Gesundheitsgespräche in Alpbach. Es passiert zwar einiges, aber noch viel zu wenig und zu unkoordiniert. Das soll sich jetzt ändern.

Gesundheitsförderung und Prävention – kaum ein Arbeitskreis oder eine Podiumsdiskussion, die sich in Alpbach nicht mit dem Thema befasst hätten. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Zum einen hinkt Österreich im Bereich der internationalen Entwicklung weit hinterher. Während etwa die Gesundheitsversorgung, die sogenannte „Reparaturmedizin“, nicht nur einen hohen Stellenwert, sondern auch einen exzellenten Ruf genießt, kommen wir im Vorsorgebereich über Mittelmaß und Stückwerk kaum hinaus. Zum anderen verlangt die angespannte finanzielle Situation des Systems nach neuen Ansätzen, um die Kostenexplosion einigermaßen unter Kontrolle zu bekommen. Vorsorgemaßnahmen haben hier nachgewiesenermaßen hohes Sparpotenzial, auch wenn dieses erst über Umwege und Verzögerungen wirksam werden kann. Genau das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum zwar jeder von der Sinnhaftigkeit von Gesundheitsförderung und Prävention spricht, aber nur wenige – oder einzelne – auch etwas dafür tun. Erfolge sind in Legislaturperioden kaum messbar und somit auch nur bedingt politisch verkaufbar. In Zukunft soll jedenfalls alles besser werden. Eine Erkenntnis, die sich jedenfalls mehr und mehr durchsetzt, ist die Überzeugung, dass wir auch in Österreich von einem Einzelkämpfertum und Projektdenken mehr in Richtung Strategie, Programmdenken und Kooperationsbereitschaft kommen müssen, soll sich mittelfristig etwas bewegen.


Präventions-Charta Österreich

„Kooperation und gemeinsames Bemühen aller, um Wirkung zu erzielen.“

KommR Renate Römer, Obfrau der Allgemeinen Unifallversicherungsanstalt AUVA


Wir brauchen eine bundesweite Abstimmung, wenn wir erreichen wollen, dass Österreicher mehr Jahre in Gesundheit verbringen. Wir haben uns als AUVA daher entschlossen, die Initiative Präventions-Charta Österreich ins Leben zu rufen, um einen Startschuss zu setzen und andere zu motivieren, sich einzubringen und gemeinsam mit uns etwas zu bewegen in diesem Land. Nur auf breiter Basis und mit entsprechender Kooperationsbereitschaft aller Stakeholder im Gesundheitsbereich werden wir die erhoffte Wirkung erzielen. Politische Vertreter aus Bund und Ländern, andere Sozialversicherungsträger, Ärzte- und Patientenvertretungen, aber etwa – im Sinne von Health in all Policies – auch Entscheidungsträger aus der Wirtschaft, der Industrie oder der Bildung sind daher eingeladen, sich aktiv einzubringen und den Themen Gesundheitsförderung und Prävention endlich auch in der praktischen, alltäglichen Umsetzung den Stellenwert zu geben, den sie in der Theorie längst haben. Wir haben in einem ersten Schritt an einer Begriffsbestimmung gearbeitet, damit wir zukünftig alle das Gleiche meinen, wenn wir von Prävention und Gesundheitsförderung sprechen. Dass es bis jetzt nicht so war und noch immer nicht ist, zeigt z. B. ein Blick in das ASVG, wo die Begriffe aktuell sehr inkonsequent, zum Teil unklar oder auch veraltet verwendet werden. Wir müssen damit beginnen, die Begriffe in der Legistik zu vereinheitlichen und entsprechend zu reformieren. Außerdem sollen im Rahmen der Präventions-Charta alle derzeit laufenden Gesundheitsförderungs- und Präventionsprojekte im Land unter einer noch zu definierenden Koordinationsstelle zusammengeführt werden. Daraus wollen wir eine Präventions-Landkarte für Österreich erstellen. Ich bin mir ganz sicher, dass wir hier sehr viele gute Projekte finden werden. In einem weiteren Schritt sollen dann gemeinsam mit allen Partnern in Abstimmung mit der Gesundheitsreform konkrete Ziele formuliert werden. Ich denke, wir brauchen solche strategischen Ziele und ein koordiniertes Vorgehen, um Prävention und Gesundheitsförderung in diesem Land auf eine höhere Ebene zu heben.


Österreichischer Präventionstag

„Wir müssen auch die Eigenverantwortung durch Anreizsysteme fördern.“

Peter Mc Donald, Stellvertretender Obmann der Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft


Österreich kämpft mit Übergewicht, mangelnder Bewegung, Nikotin und Alkohol. Im Durchschnitt verliert jeder Österreicher 21 Jahre der an sich hohen Lebenserwartung an gesunden Lebensjahren. Das ist eindeutig zu viel und mehr als im EU-Durchschnitt. Wir benötigen mehr und wirkungsvollere Präventionsmaßnahmen in allen Politik- und Lebensbereichen und mehr Bewusstseinsbildung. Wäre es da nicht sinnvoll, wenn wir in Österreich jedes Jahr unter ein anderes Motto zur Vorbeugung von Krankheiten und zur Bewusstseinsbildung in Sachen Gesundheit machen? Wir schlagen daher vor, das Jahr 2014 unter den Schwerpunkt „Bewegung“ zu stellen. Alle geförderten Aktivitäten müssten über das Prinzip laufen, Gesundheit bzw. Krankheitsverhütung in alle Lebensbereiche und Politikfelder zu bekommen – von der täglichen Schulstunde bis zur Gestaltung der Arbeitswelt. Für jeweils Anfang Mai sollte ein besonderes Zeichen gesetzt werden: Der jeweils erste Sonntag im Mai, außer es ist der 1. Mai, sollte als „Österreichischer Präventionstag“ mit entsprechenden Veranstaltungen begangen werden. Neben einem verbesserten Präventionsangebot müssen wir aber auch die Eigenverantwortung in Sachen Gesundheit durch Anreizsysteme fördern. Wir müssen solidarisch mit Menschen sein, die sich in schwierigen Situationen befinden, z. B. durch Krankheit. Aber wir sollten auch solidarisch mit jenen Menschen sein, die mehr Eigenverantwortung übernehmen wollen. Wir als SVA sind 2012 erstmals mit unserer Aktion „Selbstständig Gesund“ in diese Richtung gegangen. Das führte u. a. zur häufigeren Inanspruchnahme der Gesundenuntersuchungen unter den SVA-Versicherten: Ihre Zahl stieg von 44.000 im Jahr 2011 auf 61.500 im Jahr 2012. Zukünftig werden in einem Pilotversuch gemeinsam mit der Ärztekammer in Wien und im Burgenland auch sechs- bis siebzehnjährige Kinder und Jugendliche von SVA-Versicherten einen kostenlosen „SVA Gesundheits-Check Junior“ beim Arzt in Anspruch nehmen können. Damit soll die Vorsorge-Lücke zwischen dem Eintritt ins Schulalter und der Erwachsenen-Gesundenuntersuchung geschlossen werden.


Vom Projekt zum Programm

„Die Reform ist ein politisches Bekenntnis zur Stärkung der Gesundheitsförderung.“

Mag. Christa Peinhaupt, MBA, Leiterin Fonds Gesundes Österreich, Gesundheit Österreich GmbH

Das Jahr 2013 stellt einen wichtigen Meilenstein für die Gesundheitsförderung in Österreich dar. Der Fonds Gesundes Österreich hat sich 15 Jahre nach seiner gesetzlichen Verankerung zu einem Kompetenzzentrum für Gesundheitsförderung entwickelt. Neben der Förderung von innovativen Pilotprojekten wird zunehmend das Augenmerk auf die Entwicklung von strategischen Förderprogrammen gerichtet sein. Das Gesundheitsförderungs-Know-how soll in Zukunft noch stärker nach außen getragen und Entscheidungsträgern in der Gesundheitsförderung zur Verfügung gestellt werden. Aufbauend auf regionalen Bedarfslagen – jedoch immer mit Bezug zur Verbesserung gesundheitlicher Chancengerechtigkeit – und auf der Erfahrung von gut umgesetzten Projekten wird der Transfer erfolgreicher Projekte angeregt und somit ein Beitrag zur Umsetzung von Gesundheitsförderungsprogrammen geleistet werden. Die 2012 von der Bundesgesundheitskommission und dem Ministerrat beschlossenen Rahmen-Gesundheitsziele bilden 2013 einen wesentlichen strategischen Rahmen für die Gesundheitsreform. Diese ist ein politisches Bekenntnis für die Stärkung der Gesundheitsförderung. Auf Landesebene werden Gesundheitsförderungsfonds eingerichtet, denen in den nächsten zehn Jahren 150 Millionen Euro zur Verfügung stehen werden. Das erlaubt eine planbare und nachhaltige Entwicklung gesundheitsfördernder Strukturen. Die Chance und Herausforderung für die Gesundheitsförderung ist es, die Möglichkeiten dieser Reform zu nutzen, unter Einbindung aller relevanten Entscheidungsträger die Handlungsfelder für Gesundheitsförderung aufeinander abzustimmen und die Ressourcen entsprechend dieser Handlungsfelder optimal einzusetzen. Um mittelfristig zu nachhaltigen Gesundheitsförderungsprogrammen zu kommen, die am Bedarf der Bevölkerung orientiert sind, wird es wichtig sein, von der bislang vorrangig projektförmigen und subventionsabhängigen Ausgestaltung der Gesundheitsförderung ein Stück abzugehen und gemeinsam Prioritäten für zukunftsweisende Gesundheitsförderungsprogramme mit einer gesicherten Finanzierung festzulegen.

V. Weilguni, Ärzte Woche 37/2013

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