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Dr. Artur Wechselberger, Präsident der österreichischen Ärztekammer
 
Gesundheitspolitik 26. August 2013

Präzise Standortbestimmung

„Die brennenden Themen wurden pointiert herausgearbeitet.“

Je breiter die Fragestellung formuliert ist, desto breiter gestreut die Antworten – und desto länger die Wege zu konkreten Umsetzungsvorschlägen. Das hat sich heuer in Alpbach bei der Präsentation der Abschlussforderungen gezeigt. Was dabei aber sehr deutlich geworden ist: Es braucht einen Kulturwandel, will man den zentralen Anspruch der Gesundheitsreform, Health in All Policies, mit Leben erfüllen. Wenn man sich dessen bewusst ist, dann passen die Subthemen, die diskutiert wurden, gut ins Bild, etwa die Stärkung der Gesundheitskompetenz.

Menschen müssen wissen, was sie gesund hält und was sie krankmacht. Dieses Wissen gilt es, zu fördern. Das muss im Kindergarten beginnen und darf nicht wieder aufhören. Was in einzelnen Bereichen, wie etwa der Zahngesundheit, schon gut funktioniert, muss auf alle Bereiche ausgeweitet werden: Bewegung, Ernährung, Lebensstil, aber etwa auch Suchtprävention. Im Sinne von Health in All Policies geht es nicht um eine Turnstunde mehr oder weniger, auch nicht um ein neues Unterrichtsfach „Gesundes Leben“. Es geht darum, das Thema Gesundheit in alle Bereiche der Bildung, in alle Fächer zu integrieren. Nur wenn ich Kompetenz und Bewusstsein frühzeitig fördere, kann ich damit den Wert von Prävention erkennbar machen und einen Zugang zu Gesundheitsförderungsmaßnahmen ermöglichen.

Zum Thema Gesundheitskompetenz gehört aber auch die Wissensvermittlung über unser Gesundheitssystem. Ich war schon erstaunt zu erfahren, dass selbst unter den Teilnehmern diesbezüglich erhebliche Wissensdefizite beklagt wurden, etwa was die Rahmengesundheitsziele betrifft. Nehmen wir aber den Anspruch ernst, den Patienten in den Mittelpunkt aller Bemühungen zu stellen, dann müssen wir genau diese Ziele aktiv kommunizieren, um sie der Bevölkerung näher zu bringen.

Ein zweiter interessanter Punkt war die Betonung des Public Health-Gedankens. Dieser konnte in Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg nie wieder Fuß fassen, da haben wir massiven Nachholbedarf. Andere Länder haben das Konzept, wonach nicht die Gesundheitsversorgung des Individuums im Brennpunkt steht, sondern die gesunde Bevölkerung als Kollektiv, massiv vorangetrieben. Ich glaube, das ist ein Schlüssel, warum wir bei den gesunden Lebensjahren ins Hintertreffen geraten sind.

Auch die Kommunikationsfähigkeit war ein großes Thema. Diese muss noch deutlich verbessert werden: zum einen bei allen im Gesundheitssystem Tätigen, vor allem in Hinblick auf die Bedürfnisse der Empfänger – also einfache Worte, verdaubare Dosen und übereinstimmende Aussagen, zum anderen zwischen den einzelnen Gruppen jener, die Gesundheitsleistungen erbringen. Sie ist Voraussetzung für die angestrebte Verbesserung der Koordination und die integrierte Versorgung.

Was mir besonders gefallen hat, war die Betonung der internationalen Dimension. So hat wohl der Vortrag zu den Grenzen evidenzbasierter Medizin einigen in Österreich die Augen geöffnet. Sie stellt ein wichtiges Tool zur Förderung der Qualität dar, ist aber sicherlich kein Allheilmittel. Auch die Public Health-Ansätze aus verschiedenen Ländern waren sehr interessant und lehrreich - und haben uns einen guten Eindruck vermittelt, wo Österreich derzeit steht und wo es hin sollte.

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