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Gesundheitspolitik 27. Juni 2013

Kinder-Reha-Plätze-Einigung: Gute Umsetzung gefordert

Ein Ende der jahrzehntelangen Unterversorgung bei Rehabilitationsbetten für Kinder ist in Sicht.

Für Kinder und Jugendliche gibt es in Österreich ganze 52 Rehabilitationsbetten - der tatsächliche Bedarf ist allerdings sechs- bis achtmal höher. Gezielte Rehabilitation kann jungen Patientinnen und Patienten ein möglichst selbstständiges Leben ermöglichen. Investitionen in Kinder- und Jugend-Reha sind daher über den individuellen Nutzen hinaus auch volkswirtschaftlich sinnvoll.

In einer Aussendung am 27. Juni begründet der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ), Prof. Reinhold Kerbl, warum es in Österreich trotz jahrzehntelanger Bemühungen von ärztlicher Seite dennoch zu keinem Gesamtplan gekommen ist: "Erstens wegen des Dauerkonflikts zwischen Ländern und Sozialversicherung über die finanzielle Zuständigkeit. Zweitens definiert das Sozialversicherungsgesetz Rehabilitation als Wiederherstellung der beruflichen Leistungsfähigkeit, was auf Kinder naturgemäß nicht zutrifft. Drittens fehlten die Daten für eine Bedarfsplanung." Nun ist die Umsetzung eines bedarfsorientierten Kinder-Reha-Plans in Sicht.

"Aber", so der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Artur Wechselberger, "wie so oft werden auch hier die entscheidenden Verhandlungen ohne ärztliche Experten geführt." Deren Expertise sei aber notwendig, damit man die tatsächlichen Bedürfnisse der Betroffenen definieren und ihnen den nötigen Vorrang einräumen kann.

Gezielt und hochqualitativ statt Gießkannenprinzip

Die für den Kinder- und Jugend-Rehabilitationsplan erforderlichen Bedarfsdaten wurden von der ÖGKJ in Eigeninitiative erhoben, von der Gesundheit Österreich GmbH im Auftrag des Gesundheitsministers vollinhaltlich bestätigt und schließlich auch vom Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger anerkannt. In der Folge habe man gemeinsam mit der Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde die Qualitätskriterien festgelegt.

Kerbl: "Wir haben uns ganz klar darauf geeinigt, Rehabilitationsplätze nicht in rauen Mengen zu etablieren, sondern sehr gezielt, aber dafür unter Einhaltung strengster Qualitätskriterien, die vor allem eine altersgerechte Betreuung sicherstellen sollen."

"Das Problem ist jetzt", so Experte Kerbl, "dass Betreiber von Erwachsenen-Reha-Zentren um die Vergabe der geplanten 300 bis 400 Kinder-Plätze rittern und Kinder-Rehabilitation quasi als Anhängsel anbieten. Diese Vergabegespräche laufen nun ohne Einbindung medizinischer Experten." Dabei sei es aus ärztlicher Sicht völlig klar, dass Kinder und Jugendliche schon aufgrund unterschiedlicher Krankheitsbilder andere Therapien bräuchten als Erwachsene. Ein entsprechendes Versorgungsniveau könnten aber nur eigene Kinder-Reha-Einrichtungen bieten. Um solche Zentren kostendeckend führen zu können, seien allerdings auch höhere Tagsätze als für Erwachsene nötig.

Ein von finanziellen Eigeninteressen freies Expertengremium unter Einbindung der Ärzteschaft solle die Umsetzung des Kinder- und Jugend-Reha-Plans begleiten, die Einhaltung der Versorgungsqualität überwachen und so eine echte Verbesserung der Langzeitprognose der jungen Patientinnen und Patienten gewährleisten, fasst Präsident Wechselberger die Forderungen der Kinderärzte zusammen.

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