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Gesundheitspolitik 25. Juni 2013

Ungeliebte Hausarztrolle

Interesse der Vorarlberger Turnusärzte an Hausarzt-Tätigkeit gering.

Ärztekammer fordert erneut Lehrpraxen, um drohenden Ärztemangel im niedergelassenen Bereich abzuwenden.

82 Prozent der Vorarlberger Turnusärzte wollen sich nicht um eine Stelle als Allgemeinmediziner bewerben. Das ist eines der Ergebnisse einer Befragung unter 117 Turnusärzten im Auftrag der Vorarlberger Ärztekammer. Hermann Blaßnig, Sprecher der Spitalsärzte, bezeichnete diese Entwicklung am Dienstag als "dramatisch, weil sich der zunehmende Ärztemangel gerade im Bereich der Praktiker dadurch noch zusätzlich verschärfen wird". Deutlich positiver als in den Jahren 2008 und 2010 beurteilten die Turnusärzte die Qualität ihrer Ausbildung an den Vorarlberger Krankenhäusern.


Vor zwei Jahren konnten sich noch rund 50 Prozent der Jungmediziner vorstellen, Hausarzt zu werden. Grund für die ablehnende Haltung ist laut Ärztekammer, dass die Turnusärzte das Berufsbild des praktischen Arztes gar nicht wirklich kennen, weil sie während ihrer Ausbildung nie in einer Praxis arbeiteten. "Wir fordern daher einmal mehr die Einführung der Lehrpraxis als Teil des Turnus und die Finanzierung durch das Land Vorarlberg im Rahmen einer Modellregion", so Turnusärzte-Sprecher Simon Mayer. Lernten die Turnusärzte die Arbeit in einer Praxis kennen, würden sich mehr für eine Zukunft als Hausarzt entscheiden, erklärte Mayer.

Der Ärztemangel und damit einer der Problembereiche zeige sich bereits bei der Zahl der Befragten. Wurden 2008 und 2010 noch 140 Turnusärzte befragt, waren es im heurigen Frühjahr nur mehr 117. Es seien einfach nicht mehr Turnusstellen besetzt, so die Begründung der Ärztekammer.

Waren die Jungärzte in der Vergangenheit meist unzufrieden mit der Qualität ihrer Ausbildung - kritisiert wurden Zeitmangel und fehlende Praxisorientierung - , bewerteten die Turnusärzte diese heuer erstmals deutlich besser. Man freue sich, dass die seit Jahren geforderten Maßnahmen nun endlich griffen, so Blaßnig. Vor allem die Einführung eines Turnusärztetätigkeitsprofils habe sich positiv ausgewirkt, hieß es. Die Jungärzte seien zudem durch Arzt- und Dokumentationsassistenten von administrativen Tätigkeiten entlastet worden und könnten sich wieder mehr auf ärztliche Tätigkeiten konzentrieren. "Diese Entwicklung ist sehr positiv, und wir hoffen, dass die Spitalbetreiber noch mehr Personal für administrative Tätigkeiten zur Verfügung stellen", sagte Blaßnig.

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