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Gesundheitspolitik 20. Juni 2013

Chronischer Schmerz - ungelöstes Problem des Gesundheitssystems

ÖSG-Präsident Prof. Lampl: Therapie chronischer Schmerzen bei der Umsetzung der Gesundheitsreform ausreichend berücksichtigen.

"Die Österreichische Schmerzgesellschaft appelliert an die Verantwortlichen im Gesundheitssystem und an die Mitglieder der Bundeszielsteuerungskommission, bei der bevorstehenden Festlegung der Bundesgesundheitsziele die flächendeckende und kompetente Therapie des chronischen Schmerzes dem gesellschaftlichen und medizinischen Bedarf entsprechend zu berücksichtigen. Schließlich soll bis zum 30. Juni der Entwurf des ersten Bundeszielsteuerungsvertrages für die Jahre 2013 bis 2016 vorliegen."

 

Das sagt der neue ÖSG-Präsident Prof. Dr. Christian Lampl (Geschäftsführer und Ärztlicher Direktor des KH Barmherzige Schwestern, Linz). "Chronischer Schmerz ist eines der größten und bis heute unzureichend gelösten Probleme der modernen Gesundheitssysteme."

Zahlreiche Studien bestätigen, dass in Österreich etwa 1,5 Millionen Menschen an chronischen Schmerzen leiden. Es dauert im Durchschnitt 1,7 Jahre, bis eine korrekte Diagnose erstellt ist. Nach wie vor ohne angemessene Behandlung sind 23 Prozent aller österreichischen Schmerzpatienten/-innen. "Darauf mit geeigneten Maßnahmen zu reagieren, ist eine Pflicht der Politik.

Die Prävention und Behandlung chronischer Schmerzen muss von politischen Entscheidungsträgern auf österreichischer und auf europäischer Ebene als eine der höchsten Dringlichkeiten erkannt und es müssen dafür deutlich mehr Ressourcen zur Verfügung gestellt werden. Das ist nicht nur eine medizinische, sondern auch volkswirtschaftliche Notwendigkeit. Dem hat allerdings die österreichische Gesundheitspolitik bisher nicht Rechnung getragen."

Chronische Schmerzen bedrohen Gesundheitssysteme

Chronische Schmerzen "bedrohen dramatisch die modernen Gesundheitssysteme und haben das Potenzial, sie in die Unfinanzierbarkeit zu treiben", sagt Prof. Lampl. Insgesamt werden die Kosten, die chronischer Schmerz in Österreich verursacht, auf 1,4 bis 1,8 Milliarden Euro geschätzt. "Wird Schmerz nicht rechtzeitig kompetent behandelt, besteht das Risiko der Chronifizierung, und diese ist ein enormer Kostentreiber."

Für die schmerztherapeutische Aus- und Weiterbildung sowie für die breite Anwendung moderner Schmerztherapien bei möglichst vielen Patienten/-innen, die davon profitieren können, müssen mehr Ressourcen zur Verfügung gestellt werden, fordert der ÖSG-Präsident. Wesentlich sind auch schmerzpräventive Maßnahmen. Mehrkosten tragen sich durch spätere Pensionsantritte sowie eingesparte Krankenstandstage, Krankenhausaufenthalte und Betreuungskosten selbst.

"Wir brauchen unter anderem eine einheitliche Definition des chronischen Schmerzes, eine eigene ISD-Kodierung für Schmerz, klare Kriterien für interdisziplinäre Betreuung und eine flächendeckende Versorgung mit schmerzmedizinischen Einrichtungen inklusive Schmerzrehabilitation", sagt Lampl. Notwendig sei auch eine "sinnvoll abgestufte Versorgung vom Hausarzt zum Schmerzmediziner zur Schmerzambulanz zur Schmerzabteilung zum Schmerzkrankenhaus. Schmerzversorgung muss auch außerhalb von Zentren, in denen zum Beispiel eine Schmerzambulanz vorhanden ist, erfolgen. Die ÖSG stellt der Politik sehr gerne ihre Expertise zur Verfügung."

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