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Gesundheitspolitik 20. Juni 2013

Mediziner-Ausbildung: Scharfe Kritik an geplanter Verordnungsnovelle

Niedergelassene Ärzte wollen einjährige Lehrpraxis.

Scharfe Kritik übte der Obmann der Bundeskurie Niedergelassene Ärzte in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) und ÖÄK-Vizepräsident Johannes Steinhart an der von Gesundheitsminister Alois Stöger geplanten Verordnungsnovelle zur Mediziner-Ausbildung.

 

Bei der Kuriensitzung des 127. Österreichischen Ärztekammertages am Donnerstag sagte Steinhart: "Der Minister befindet sich auf dem Holzweg, wenn er glaubt, dass eine bloße Verlängerung des Turnus und sechs Monate Lehrpraxis ausreichen, um die Allgemeinmedizin auf ein hohes Qualitätslevel zu heben und ihr mehr Ansehen zu verschaffen." Seit Jahren setze sich die Ärztekammer vergeblich für zwölf Monate verpflichtende Lehrpraxis ein. Steinhart: "Die Politik blockiert und die Stimmen derer, die es betrifft, werden nicht einmal ignoriert." Und das, obwohl laut einer Umfrage 83 Prozent der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte klar für eine einjährige Lehrpraxis sind. Für Steinhart sei das Projekt in der jetzigen Form "schlichtweg untauglich".

Ausbildungsreform ist realitätsfern

Zu einer ordentlichen Ausbildungsreform gehöre aber nicht nur die verpflichtende einjährige Lehrpraxis, sondern auch die dezidierte Vorgabe, dass diese nur in einer allgemeinmedizinischen Ordination absolvierbar ist. "Es ist realitätsfern zu glauben, dass ein Jungmediziner in einer Spitalsambulanz das Rüstzeug für die Arbeit in einer allgemeinmedizinischen Praxis erhalten kann", sagte der Kurienobmann. Eine Ambulanz sei viel zu spezialisiert. Weder das Patientenaufkommen noch die zu behandelnden gesundheitlichen Probleme seien mit den Anforderungen einer allgemeinmedizinischen Ordination vergleichbar. Steinhart: "Wir sehen in den Papieren zur Gesundheitsreform nur das xte Lippenbekenntnis zur Aufwertung der Hausärztinnen und -ärzte. Aufwerten ohne ordentlich auszubilden wird aber schlicht nicht funktionieren." Außerdem müsse die Allgemeinmedizin endlich als umfassender und eigenständiger medizinischer Bereich anerkannt werden, ohne den eine qualitätsvolle Betreuung der Bevölkerung nicht funktionieren könne.

Ärztemangel nicht nur, aber vor allem auf dem Land

Nicht nur auf dem Land sind Allgemeinmediziner schwer zu finden, inzwischen gibt es sogar Probleme bei der Stellenbesetzung in Landeshauptstädten. Mit ein Grund ist, dass Jungmediziner einfach nicht wüssten, was in der Ordination auf sie zukommt. "Es ist ein Witz, dass man in Österreich Allgemeinmediziner werden kann, ohne auch nur eine Stunde in einer Ordination verbracht zu haben", kritisierte Steinhart. Auch seien endlich Maßnahmen gegen die zunehmend familienfeindliche Work-Life-Balance vor allem der Landmediziner zu setzen. Wenn sich nicht rasch etwas ändere, würden schon bald arge Versorgungsengpässe spürbar werden, vor allem im ländlichen Raum, warnte der ÖÄK-Vizepräsident. "Wir wissen aus einer Umfrage, dass 80 Prozent der Befragten den Haus- bzw. Landarzt für unverzichtbar halten - das ist ein eindeutiger politischer Auftrag der Bevölkerung an den Minister", so Steinhart.

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