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Gesundheitspolitik 17. Juni 2013

Lebensstil als wichtigste Maßnahme gegen Adipositas

Tagung in Krems: Steuern auf "Junk Food"?

Eigenverantwortung ist das zentrale Element in der Adipositasprävention. Beim diesjährigen Europäischen Forum für evidenzbasierte Prävention (EUFEP) in Krems in Niederösterreich wurden in den vergangenen Tagen Möglichkeiten der Vorsorge diskutiert. “Es gibt eine Reihe von kostengünstigen, sehr effektiven Präventionsmaßnahmen gegen Adipositas, doch diese werden von Regierungen kaum oder nur zögerlich umgesetzt“, erklärte am Freitag Boyd Swinburn, Spezialist für Volksernährung und Weltgesundheit an der Deakin Universität in Melbourne (Australien), bei dem Symposium.


Die besten und am schnellsten wirksamen positiven Effekte in der Prävention könnten mittels steuerlicher Eingriffe und Gesetzgebung erreicht werden, so Swinburn. Gesetzliche Interventionen erzielen die höchste Reichweite und verursachen die geringsten Kosten. Seine Empfehlungen: Sogenanntes „Junk Food“ mit einem Steuerzuschlag von mindestens 20 Prozent belegen, dafür gesunde Lebensmittel von der Mehrwertsteuer befreien, oder sogar subventionieren, hieß es in einer Aussendung.

Lebensmittelmarketin gesetzlich regeln

Zusätzlich ist Swinburn aufgrund seiner Studienergebnisse ein starker Befürworter von gesetzlichen Restriktionen beim Lebensmittelmarketing. Dabei geht es unter anderem um das Verbieten von Marketingaktivitäten und Werbung für „Junk Food“ bei Kindern. Marketing und Lobbying der Nahrungsmittelindustrie würden aber beispielsweise ein Ampelsystem zur Kennzeichnung von Lebensmittel (Grün - gesund etc.) mit Milliardenaufwand bekämpfen.

Untersucht hat der WHO-Experte auch die Effektivität von Bewegungsprogrammen durch Gemeinden und Schulen. Es gebe einige Programme mit einem guten Kosten-Nutzen-Verhältnis, doch generell seien Bewegungsprogramme die teuersten und ineffizientesten Präventionsmaßnahmen. Auch ein von der australischen Regierung mit Millionen von Dollar unterstütztes Bewegungsprogramm für Schüler habe sich als sehr ineffizient in der Adipositasbekämpfung herausgestellt. Bewegung sei wichtig, aber diese müsste im Alltag integriert sein, resümierte Swinburn.

Vorbeugung bei Kindern

„Fernseher raus aus dem Kinderzimmer, mehr Spielen im Freien und genug Schlaf" – mit diesem Aufruf nahm Wolfgang Ahrens von der Universität Bremen vor allem die Eltern in die Pflicht. "Das Risiko, an Übergewicht zu versterben ist inzwischen weltweit größer, als an den Folgen von Hunger zu sterben", unterstrich der wissenschaftliche Leiter des Kongresses, Gerald Gartlehner (Donau-Universität Krems). Deutliches Übergewicht reduziert die Lebenserwartung um drei Jahre, Adipositas (Fettleibigkeit) um sechs Jahre. Mehr als die Hälfte der Europäer ist mittlerweile übergewichtig oder fettleibig.

Die Zahl adipöser Menschen steigt weltweit rapide an, auch in Österreich. Das Ergebnis einer neuen Studie aus Österreich zeigt unter 14.000 Kindern im Alter zwischen vier und 19 Jahren, dass bereits rund 15 Prozent übergewichtig und weitere acht Prozent adipös sind.

"In einem Zeitraum von zehn Jahren sind wir um zehn Prozent schwerer geworden. Wir essen zu viele ungesunde Nahrungsmittel – zu salzig, zu fett und zu zuckerhaltig", erklärte Tim Lobstein, Policy Director der „International Obesity Task Force“ und ehemaliger Direktor der “UK Food Commission”. Das weltweite Budget für die Bewerbung gesundheitsschädlicher Lebensmittel betrage umgerechnetrund 90 Milliarden Euro.

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