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Gesundheitspolitik 22. Mai 2013

Handyfreie Schule?

Ärztekammer sieht sich in ihren Bedenken bestätigt.

"Die Forderung der Ärztekammer nach handyfreien Zonen hat viel positive Resonanz erfahren und bereits internationale Nachahmer gefunden", betonte der Referent für Umweltmedizin der Ärztekammer für Wien, Piero Lercher. So sei nicht nur das Gymnasium Gainfarn in Bad Vöslau die erste handyfreie Schule in Österreich gewesen, sondern auch die Europäische Schule in Uccle/Brüssel beispielsweise sei bereits komplett handyfrei.

 

"Mittlerweile folgen bundesweit viele andere Schulen diesem Beispiel nach. Auch im Tourismusbereich wurde die Idee bereits als Verkaufsschlager erkannt, und immer mehr Regionen denken über eine Implementierung handyfreier Zonen nach", so Lercher. Verständlich sei für ihn aber auch, dass nicht jeder mit der neu gewonnen Handyfreiheit einverstanden sei. Lercher: "Es ist bei dieser Debatte wichtig, dass es der Ärztekammer nicht um ein absolutes Handyverbot oder gar einer Verbannung des Mobilfunks geht, sondern vielmehr um die Motivation zu einem bewussten und risikoarmen Umgang."

Es sei unbestritten, dass in einzelnen Unterrichtseinheiten die Mobilfunktechnologie, beispielsweise spezielle Smartphones, als didaktische Mittel eingesetzt werden können. "Eine Verwendung des Handys als Weltkarte, Taschenrechner oder digitales Vokabelheft ist durchaus nachvollziehbar", so Lercher. Tatsache sei aber auch, dass komplexe Rechenoperationen nur mit speziellen Taschenrechnern berechnet werden könnten. Und der Blick in den Atlas oder das Wörterbuch bedeute "keinerlei didaktische Nachteile".

Stattdessen Bewegungs- und Entspannungsprogramme

Dass ansonsten während des Unterrichts kein Handy benutzt werden sollte, stehe ohnehin "außer Zweifel". Zur Pausengestaltung solle man sich spezielle Bewegungs- und Entspannungsprogramme für die Schüler überlegen und darüber hinaus auch die dafür notwendige Infrastruktur schaffen, "dann erledigt sich das Problem der exzessiven Handy- und Spielkonsolenverwendung von selbst".

Keinesfalls dürfe jedoch ein Eingriff in die Schulautonomie erfolgen. "Der Bewusstseinsprozess darf auch eine längere Latenzzeit in Anspruch nehmen", meint der Umweltreferent. Verordnete Verbote von "oben herab" hätten eher konträre Effekte. "Doch wenn eine Schule und damit Schüler, Lehrer und Eltern einmal die Handyfreiheit erleben und genossen haben, wird sie keiner mehr missen wollen", so Lercher.

Die Ärztekammer hat bereits 2006 mit den "10 medizinischen Handy-Regeln" Pionierarbeit geleistet. "Seit der Herausgabe vor nunmehr fast sieben Jahren haben diese Regeln nichts an ihrer Aktualität verloren", ist Lercher überzeugt.

Info

Die Plakate "Strahlende Informationen: 10 medizinische Handy-Regeln" können in der Pressestelle der Ärztekammer für Wien kostenlos - auch für Schulen - unter Tel. 01/51501-1223 DW, E-Mail: , bestellt werden.

Plakat-Download auf der Homepage der Ärztekammer für Wien: www.aekwien.at/media/Plakat_Handy.pdf

 

  • Frau Mag. Margret Fessler, 06.05.2014 um 17:08:

    „Sehr geehrte Redaktion!

    Beim Einzug in unser neues Schulgebäude Feber 2011 haben wir uns entschlossen, auf Handys und dergleichen zu verzichten und haben damit die besten Erfahrungen gemacht. Nun freut es mich ganz besonders, dass Schulen, die diesen Weg gehen, auch durch Ihren sehr guten Artikel Unterstützung bekommen! Die Technikgläubigen im pädagogischen Feld haben ja eine ziemlich starke Lobby!

    Mit besten Grüßen
    Margret Fessler
    Direktorin am BRG in der Au, Innsbruck“

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