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Gesundheitspolitik 16. Mai 2013

Der "Wahlkampf" beginnt

Neue Patientenombudsstelle in Wien wird im Juni gewählt.

Vom 14. bis 23. Juni 2013 findet die Wahl zum neuen Wiener Patientenombudsmanns/-frau statt. In dieser Zeit können alle in Österreich sozialversicherten Personen, die über 16 Jahre alt sind, mittels SMS-Voting mitbestimmen, wer zukünftig ihre Interessen vertreten wird. Es ist dies die erste Wahl eines Patientenvertreters, der nicht von politischen Gremien ernannt wird.

 

Heute, Donnerstag, stellten sich die drei Kandidaten erstmals vor die Öffentlichkeit: Franz Bittner, Josef Kandlhofer und Andrea Schwarz-Hausmann wurden in einer Vorauswahl von einer unabhängigen Jury als Kandidaten bestimmt. Insgesamt musste die Jury aus 36 Bewerbungen die für sie am besten geeigneten Persönlichkeiten auswählen. Somit ist vier Wochen vor der eigentlichen Wahl der Startschuss für den "Wahlkampf" gefallen.

SpringerMedizin.at berichtete: Ombudsmann für Wiener Patienten gesucht

Ausgewiesene Experten des Gesundheitssystems

Franz Bittner ist ehemaliger Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse und war viele Jahre für den Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger tätig. Zurzeit arbeitet er als selbstständiger Berater im österreichischen Gesundheitswesen.

Bittner glaubt, dass das österreichische Gesundheitswesen bei den Menschen "ein hohes Ansehen" genieße. Trotzdem gebe es in der Beziehung zwischen Patienten sowie behandelnden Ärztinnen und Ärzten oft Missverständnisse, die für den Einzelnen zu großen Problemen führen könnten. "Für diese Fälle will ich konkrete Hilfe im Einzelfall geben und Systemfehler aufdecken", betont Bittner. Er will Anregungen, Beschwerden und Wünsche, die an die Ombudsstelle herangetragen werden, "raschest prüfen und im Sinne der Patienten handeln".

Josef Kandlhofer ist Jurist und war bis 31. März 2013 Generaldirektor des Hauptverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger. Weitere Erfahrungen im Gesundheitsbereich sammelte er in der Sozialversicherungsanstalt der Bauern.

"Im Laufe meiner Tätigkeit in der Sozialversicherung habe ich viel erlebt. Menschen mit Problemen im Gesundheitswesen haben sich an mich gewandt, weil sie oder ihre Angehörigen keinen Ausweg mehr wussten oder weil sie sich im Dschungel des Gesundheitssystems verirrt hatten", schildert Kandlhofer seine Erlebnisse. Ihm ist es daher wichtig, rechtzeitig Hilfe leisten zu können und zur Seite zu stehen, ehe es zu spät ist. "Ich will nicht um Probleme herumreden, sondern sie gemeinsam mit den Patienten lösen", kündigte Kandlhofer an.

Politische Unabhängigkeit im Vordergrund

Andrea Schwarz-Hausmann ist ebenfalls Juristin und Gesundheitsökonomin sowie seit 2003 bei der Pensionsversicherungsanstalt tätig. Nebenberuflich hält sie unter anderem Vorträge zum Thema Recht und Qualitätsmanagement für Ärztinnen und Ärzte an diversen Akademien.

Für sie ist Verantwortung "mehr als nur ein Wort": "Als Patientenombudsfrau möchte ich Verantwortung für die kompetente, schnelle und couragierte Vertretung von Patienteninteressen tragen, und das weit weg von Parteiprogrammen." Ihr sei bewusst, dass sowohl Patienten als auch Ärztinnen und Ärzte berechtigte Anliegen hätten: "Als Vermittlerin möchte ich beiden Seiten zu höchster Transparenz in allen Situationen verhelfen." Gerade in dieser Hinsicht sei auch ihre politische Unabhängigkeit von Vorteil, so Schwarz-Hausmann.

Wähler entscheiden per SMS

Eben diese politische Unabhängigkeit garantiert die direkte Wahl des neuen Patientenombudsmanns/-frau durch die Patienten. Der Modus dabei ist einfach: Der Wähler sendet ein SMS an die Telefonnummer 0800 60 50 40 und schreibt "1" für Bittner, "2" für Kandlhofer und "3" für Schwarz-Hausmann. Danach erhält er ein Retour-SMS, wobei er mit "Ja" bestätigen muss, dass er über 16 Jahre alt und in Österreich wohnhaft ist sowie über eine aufrechte Sozialversicherung verfügt.

Das Abschicken der zwei SMS-Meldungen ist für die Patienten kostenlos. Gültig sind nur jene SMS, die zwischen dem 14. und 23. Juni 2013 abgeschickt werden.

Zu den umfangreichen Aufgaben des neuen Patientenombudsmanns/-frau wird die Behandlung von Beschwerden von Personen oder deren Angehörigen über Ärztinnen und Ärzte, die Aufklärung von Mängeln oder Missständen, insbesondere in Zusammenhang mit der ärztlichen Versorgung der Wiener Bevölkerung, die Erteilung von Auskünften gegenüber Patienten sowie Ärztinnen und Ärzten, die Prüfung von Anregungen sowie die Abgabe von Empfehlungen, insbesondere gegenüber den Organen der Ärztekammer, gehören.

Über die Wahl selbst wird die Ärztekammer in den nächsten Wochen intensiv die Bevölkerung informieren. Geplant sind Zeitungsinserate, Informationen in den U-Bahn-Stationen sowie Plakate im öffentlichen Raum. Bereits jetzt liegen Informationsfolder in den Wiener Ordinationen auf, die über den Wahlmodus informieren sowie die drei Kandidaten vorstellen.

Weiters können sich Patienten online unter www.patientenwahl.at  über die Wahl informieren.

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