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Gefälschte Medikamente aus dem Internet: Mittlerweile müsse man von einer „organisierten Kriminalität“ sprechen.
 
Gesundheitspolitik 1. April 2013

Gefälschte Medikamente gefährden Menschen

Riesige Gewinnspanne bei Arzneimittelimitaten.

Etwa die Hälfte der im Internet gehandelten Medikamente sind gefälscht. Arzneimittelimitate können Leben gefährden. Rund ein Fünftel der Fälschungen enthält Stoffe, die zu körperlichen Schäden führen können. Ob und wie sich Patienten, Ärzte, Wirtschaft und Gesundheitswesen vor den Gefahren plagiierter Arzneien schützen können, diskutieren Experten auf dem 119. Internistenkongress der DGIM in Wiesbaden.

Der Rauschgifthandel droht durch den illegalen Handel mit Arzneimitteln und Arzneimittelfälschungen von seiner traurigen Spitzenposition als eine der lukrativsten kriminellen Einnahmequellen verdrängt zu werden: Bei den „klassischen“ Drogen wie Heroin und Kokain belaufen sich die Kosten für die Beschaffung der für ihre Herstellung benötigten Rohstoffe auf etwa 1000 bis 1200 Euro/kg und die Verkaufserlöse auf etwa 25 000 bis 30 000 Euro/kg (Gewinnspanne etwa 2500 Prozent). Beim „Klassiker“ des illegalen Handels mit Arzneimitteln und gefälschten Arzneimitteln (Viagra®) belaufen sich die Beschaffungskosten für den Wirkstoff Sildenafil auf etwa 40 bis 50 Euro/kg, und die Verkaufserlöse für die illegal hergestellten und vertriebenen Medikamente auf 8000 bis 23 500 Euro/kg (Gewinnspanne etwa 20 000 bis 47 000 Prozent).

Gefälschte Medikamente – eine Definition

Als „gefälscht“ bezeichnet die Weltgesundheitsorganisation Medikamente, deren Identität oder Herkunft absichtlich falsch gekennzeichnet ist. Dazu gehören aber nicht nur Lifestyle-Produkte wie Potenzmittel oder Anabolika. Leicht zu erhalten sind auch Beruhigungs- und Schlafmittel oder konzentrationsfördernde Arzneien. Aber auch Antibiotika, Schmerzmittel und rezeptpflichtige Medikamente in der AIDS- und Krebstherapie gelangen als Plagiate auf den Markt.

Während jedoch der Rauschgifthandel weltweit verfolgt wird, fehlten bei der Bekämpfung des illegalen Arzneimittelhandels vergleichbare, international vereinbarte Normen, sagte Volker Kerrutt vom Zollfahndungsamt Köln.

Europaweit der Verbreitung entgegenwirken

Ob es sich um ein gefälschtes Präparat oder das Original handelt, ist für Verbraucher und Patienten nur schwer zu unterscheiden: Täuschend echt ahmen Händler Verpackung und Aussehen der Tabletten nach. Zum Schutz der Betroffenen und im Sinne der Qualitätssicherung will die DGIM der Herstellung und Verbreitung gefälschter Medikamente entgegenwirken. „Unser gemeinsames Ziel muss es sein, im europäischen Raum Medikamente sicherer zu machen und deren Herkunft zurück verfolgbar zu gestalten“, unterstrich Dr. Franz-Josef Wingen, Sprecher der Korporativen Mitglieder der DGIM aus Leverkusen.

Um den Schutz der Patienten vor Arzneimittelfälschungen auch für die Zukunft zu wahren, hat sich die EU dafür entschieden, noch zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen einzuführen – neben dem klassischen Vertriebsweg vom Hersteller über den Großhändler zur Apotheke und zum Kunden. Eine davon ist die Entwicklung und Etablierung eines neuen Sicherheitsmerkmals für Arzneimittelpackungen, mit dem eine Schachtel individuell identifiziert und auf Echtheit überprüft werden kann, ehe sie dem Apothekenkunden ausgehändigt wird. Dies soll voraussichtlich bis 2017 umgesetzt werden.

Verbraucher können sich nur begrenzt selbst vor Plagiaten schützen. Fehlt ein Beipacktext, sollte keinesfalls das Medikament eingenommen werden. Auch ungewöhnliche Beschaffenheit oder Farbe können auf eine Fälschung hindeuten.

Quelle: Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), 8. April 2013, Wiesbaden

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