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Jeder vierte Mann und jede zehnte Frau trinkt Alkohol in gesundheitsgefährdenden Mengen.
 
Gesundheitspolitik 30. April 2013

Nicht so schlimm?

Aktuelle Studie ermittelt volkswirtschaftliche Kosten des übermäßigen Alkoholkonsums.

Todesfälle, Krankheiten, Verletzungen und dementsprechend hohe Folgekosten, ganz abgesehen vom persönlichen Leid – das sind kurz gesagt die Folgen von übermäßigem Alkoholkonsum. Ein ernüchterndes Resümee einer aktuellen Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS), die sich mit den Kosten, die Alkoholmissbrauch für die Gesellschaft verursacht, auseinandergesetzt hat.

Der übermäßige Konsum von Alkohol macht krank und kostet die Volkswirtschaft enorme Summen. Das sind die zentralen Ergebnisse einer aktuellen Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS). Zu hoher Alkoholkonsum hat viele Ursachen und ebenso viele Auswirkungen: von der eingeschränkten Arbeitsfähigkeit der Betroffenen bis zum sozialen Umfeld. Diese Komplexität macht auch die Abgrenzung für eine Datenerhebung schwierig.

Das IHS hat sich jetzt mit den volkswirtschaftlichen Effekten der Alkoholkrankheit beschäftigt, deren Tragweite bisher wohl unterschätzt wurde. Immerhin werden rund zehn Prozent der Österreicher im Lauf des Lebens alkoholkrank, 350.000 Personen sind ab dem 16. Geburtstag als „chronische Alkoholiker“ zu klassifizieren. Frauen, die täglich zumindest einen Liter Bier oder zwei Vierteln Wein trinken – das entspricht rund 40 g Alkohol – gefährden bereits ihre Gesundheit. Bei Männern liegt die kritische Grenze bei 60 g Alkohol pro Tag.

Zu den direkten medizinischen Kosten, die in der Studie erhoben wurden, werden der Ressourcenverbrauch im Gesundheitssystem für ambulante und stationäre Behandlungen, Arzneimittel, Rehabilitation oder Pflege gerechnet. Direkte nicht-medizinische Kosten sind zwar durch die Krankheit bedingt, belasten aber andere Branchen, wie etwa den Bereich der Pflege- und Pensionsgelder aufgrund von Frühpensionierungen, Fahrtkosten zur Behandlung, Diätkosten oder erforderliche Wohnungsadaptionen. Indirekte Kosten sind ökonomische Effekte aufgrund von Mortalität und Morbidität, die zu Produktivitätsverlusten durch vorzeitigen Arbeitsausfall, erhöhte Krankenstände, vorzeitige Pensionierungen oder durch den Tod des Erwerbstätigen verursacht werden.

Nach den IHS-Modellrechnungen verursachte die Alkoholkrankheit im Jahr 2011 allein an direkten medizinischen Kosten 375 Millionen Euro, was rund 1,4 Prozent aller Kosten im Gesundheitswesen ausmacht. Bei den Krankenkassen schlägt sich dieser Umstand mit zusätzlichen 6,52 Millionen Euro an Krankengeldzahlungen zu Buche. Einen Ausweg sehen die Forscher in Maßnahmen zu einem restriktiveren Umgang mit der Droge Alkohol sowie mehr Aufklärung über Therapieangebote.

Lesen Sie weiter: Des Österreichers lockerer Umgang mit Alkohol hat Folgen

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