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Gesundheitspolitik 29. April 2013

"Niemand weiß so recht, wer wie und wo arbeitet"

Pflicht-Register für nichtärztliche Gesundheitsberufe gefordert.

"Am End' weiß keiner Nix" heißt es auf gut Wienerisch: Laut den Berufsverbänden des österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegepersonals (ÖGKV) sowie der gehobenen medizinisch-technischen Dienste (MTD) sind aktuell in diesem Bereich rund 130.000 Menschen tätig. Doch weder über ihre Qualifikation noch ihren Status ist etwas bekannt. Bei einer Pressekonferenz am Montag in Wien wurde die Einrichtung eines unabhängigen Berufsregisters zur Qualitätssicherung und Planung gefordert.

 

"Es sollte ein eigenes Registergesetz geben oder man kann das im Gesundheits- und Krankenpflegegesetz sowie im MTD-Gesetz verankern", sagte Gabriele Jaksch, Präsidentin des Dachverbandes der gehobenen medizin-technischen Dienste. Ihr Verband betreibt beispielsweise bereits ein derartiges Register auf freiwilliger Basis. Von rund 20.000 MTD-Angehörigen - Biomedizinische Analytiker, Diätologen, Ergotherapeuten, Logopäden, Orthoptisten, Physiotherapeuten und Radiologietechnologen - sind bereits 12.000 registriert. Etwa 50 Prozent arbeiten im Angestelltenverhältnis, etwa 50 Prozent freiberuflich.

Noch viel größer ist die Gruppe des Gesundheits- und Pflegepersonal. Ursula Frohner, Präsidentin des Verbandes dieser Berufsgruppen: "Es sind rund 60.000 Personen bekannt, die hier arbeiten. 15 Prozent sind Freiberufler. Die Tendenz hier ist stark steigend."

Transparenz wichtig, um grauen Markt zu begegnen

Das Problem: In Österreich weiß im Grunde niemand so recht, wer wie und wo arbeitet. Das gleiche gilt für die Transparenz bei der Qualifikation für die Konsumenten. Bei immer größer werdender Verlagerung von Dienstleistungen in den ambulanten Sektor und gleichzeitigem Ansteigen der Zahl der Pflegebedürftigen wäre aber diese Transparenz enorm wichtig, um einem zweifelhaften, grauen Markt zu begegnen.

Dies könnte laut den beiden Verbänden ein gesetzlich verpflichtendes Berufsregister für nichtärztliche gesetzlich geregelte Gesundheitsberufe bringen. Dieses Instrument würde zuverlässige Informationen für die Patientensicherheit, die Qualitätskontrolle und die Bedarfsplanung liefern, hieß es bei der Pressekonferenz. An die Eintragung in das Register sei auch die Erlaubnis zur Berufsausübung zu knüpfen.

"Wir brauchen ein transparentes Instrument, das Patienten die Möglichkeit gibt, die Spreu vom Weizen zu trennen: Also gut ausgebildete von rein kommerziellen, oft in Kurzausbildungen geschulten Leistungsanbietern zu unterscheiden", so Gabriele Jaksch. "Das Register ist im Interesse der zu Pflegenden: Sie sollen sicher sein können, dass qualifizierte Pflege drin ist, wo Pflege draufsteht", ergänzte Ursula Frohner.

Keinesfalls will man bei diesen Gesundheitsberufen die Ansiedlung eines solchen Registers bei der Arbeiterkammer. Das sei schlichtweg der falsche Ort. Die Argumente dagegen, so Gabriele Jaksch und Ursula Frohner: Die Arbeiterkammer sei von ihrer gesetzlichen Funktion her ausschließlich für Angestellte und deren Schutz zuständig. Sie müsste aber eventuell auch Berufsausübungs-Bewilligungen wieder aberkennen - ein klassischer Interessenskonflikt. Und mit Freiberuflern habe die Arbeiterkammer überhaupt nichts zu tun.

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