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Dr. Josef Kandlhofer, ehemaliger Generaldirektor des Hauptverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Mag. Dr. Andrea Schwarz-Hausmann, MBA Pensionsversicherungsanstalt, Landesstelle Wien, Rechtsabteilung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

© privat

Franz Bittner, selbstständiger Berater im Gesundheitswesen

 
Gesundheitspolitik 22. April 2013

Standpunkte: Wer wird Patientenombudsfrau oder -mann in Wien?

Die drei Kandidaten über ihre Motivation zur Bewerbung, die großen Herausforderungen der Aufgabe und die Frage der Unabhängigkeit.

Als die Wiener Ärztekammer die Position eines Wiener Patientenombudsmanns bzw. einer Ombudsfrau ausschrieb, wunderten sich nicht nur die amtierenden Pflege- und Patientenanwälte, sondern auch viele Gesundheitsexperten und rätselten über die Motive. Die Optik war schief und Befürchtungen bezüglich Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit einer solchen Position erschienen nachvollziehbar. Mit dem ersten Schritt im Auswahlverfahren konnten zumindest diese Befürchtungen entkräftet werden. Eine Jury unter dem Vorsitz von Prof. Karin Gutiérrez-Lobos, Vizerektorin der Medizinischen Universität Wien, hat aus den 36 Bewerbern drei Kandidaten ausgewählt, die sich noch vor dem Sommer der finalen Wahl durch die Bevölkerung stellen werden. Und alle drei sind aufgrund ihrer bisherigen Tätigkeit und ihrer Persönlichkeit über jeden Verdacht erhaben, „Günstlinge der Kammer“ zu sein: Die Juristin und Gesundheitsökonomin Andrea Schwarz-Hausmann, derzeit Pensionsversicherungsanstalt, beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema und hat darüber das Buch „Praxiswissen Gesundheitsberufe: Arztrecht, Berufsrecht, Krankenanstaltenrecht, Haftung, Patientenrecht, Checklisten“ veröffentlicht. Josef Kandlhofer war Generaldirektor des Hauptverbands. Auch der ehemalige Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse Franz Bittner war viele Jahre für den Hauptverband tätig und ist zurzeit als Berater tätig.

 

Zuhören und Probleme lösen

Kandlhofer: „Der Ombudsmann ist keine Konkurrenz, sondern sinnvolle Ergänzung zur Patientenanwaltschaft.“

Mit 31. März 2013 bin ich aus dem Management des Hauptverbandes der Österreichischen Sozialversicherungsträger ausgeschieden. Nach 40 Jahren Berufserfahrung als Jurist und im Management, sowie als ausgewiesener Kenner des österreichischen Gesundheitssystems ist, die Position eines Patientenombudsmanns eine neue Herausforderung, der ich mich gerne stellen will.

Der Patientenombudsmann soll unabhängig sein und auch so agieren. Vorrang hat das Erkennen und das Lösen von Problemen im niedergelassenen Bereich – zur Zufriedenheit aller Beteiligten! Zur Patientenanwaltschaft orte ich klare Unterschiede: Patientenanwälte werden von der Politik bestellt und sind ausschließlich dem Patienten, seinen Interessen und Beschwerden verpflichtet. Der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit ist der Spitalsbereich. Der Patientenombudsmann stellt weder eine Parallel- noch eine Konkurrenzeinrichtung, sondern eine sinnvolle Ergänzung dar. Abgesehen davon fördert die Wiener Ärztekammer damit aus Sicht der Patienten die Transparenz im Gesundheitssystem. Was die Position zusätzlich stärkt, ist der Umstand, dass die Wiener Ärztekammer diese Vertrauensperson nicht einsetzt, sondern von den Versicherten wählen lässt.

Wenn mir die Versicherten das Vertrauen schenken, betrachte ich das Zuhören als die wichtigste Aufgabe. Nur so kann ich Probleme, die an mich hergetragenen werden, auch erkennen und verstehen. Als Patientenombudsmann sehe ich mich dann als Vermittler zwischen Patienten und Ärzten mit dem Ziel, gemeinsam Lösungen zu finden. Zentrale Aufgabe ist es, das Miteinander zu fördern und auch unüberwindlich scheinende Gräben zu überwinden.

Die demokratische Legitimation verbinde ich mit beruflicher und finanzieller Unabhängigkeit. Gemeinsam mit meiner langjährigen Erfahrung und dem Verständnis für alle Beteiligten erfülle ich damit die besten Voraussetzungen für den Patientenombudsmann. In diesem Sinn steht jede Stimme für mich für ein besseres gegenseitiges Verstehen von Patienten und Ärzten, für gemeinsame Problemlösungen und für die Zufriedenheit aller Beteiligten im Gesundheitssystem.

 

Im Mittelpunkt der Mensch

Schwarz-Hausmann: „Ich trage Verantwortung für die kompetente, schnelle und couragierte Vertretung der Patienten.“

Meine zentrale Aufgabe als unabhängige Patientenombudsfrau ist es, bei Anliegen, Beschwerden, aber auch als Informationsstelle in sämtlichen Fragen des Gesundheitswesens persönlich zur Verfügung zu stehen. Da völlige Weisungsfreiheit und inhaltliche Unabhängigkeit bestehen, trage ich die Verantwortung für die kompetente, schnelle und couragierte Vertretung der Patienten. Aus meiner langjährigen Tätigkeit für Sonderkrankenanstalten, Ambulatorien und Kuranstalten weiß ich, dass ausschließlich durch die Aufarbeitung von Anliegen und Beschwerden im gemeinsamen Gespräch mit den Betroffenen eine Verbesserung herbeigeführt werden kann. Die Qualität der Gesundheitsversorgung muss erhalten bleiben! Als Patientenombudsfrau gewährleiste ich die rasche und transparente Umsetzung von Lösungen in Zusammenarbeit mit allen bestehenden Patientenvertretungen und Ombudsleuten. Gerade in dieser Hinsicht ist meine politische Unabhängigkeit von Vorteil. Ohne vorgegebenes Verfahren kann durch die funktionelle Nähe zur Ärztekammer eine fundierte Bearbeitung gewährleistet werden.

Ich stehe mit meinen 46 Jahren mitten im Leben und biete an, als Ombudsfrau ein starkes und konstruktives Bindeglied zwischen Patienten und Ärzteschaft zu sein, ohne durch gesetzliche Vorgaben oder politische Einflussnahme eingeschränkt zu werden. Mein Einsatz für das Recht der Patienten:

  • Als politisch unabhängige Interessenvertreterin nehme ich die Patienten und ihre Sorgen ernst.
  • Transparenz und akzeptable Lösungen sind mein Ziel als eine Fürsprecherin in Sachen Gesundheit.
  • Einsparungen dürfen nicht zulasten der Patienten gehen.
  • Ich orientiere mich an den Bedürfnissen der Patienten und scheue mich nicht, Anregungen für politische Änderungen offen auszusprechen.
  • Für Patienten ein persönlicher Ansprechpartner und verständnisvoller Zuhörer zu sein – dies kennzeichnet meine Tätigkeit und meine beruflichen Grundsätze.
  • Zusammen mit den Patienten Probleme anpacken, Chancen nutzen und Lösungen forcieren.

 

Urteilen sollen die Patienten

Franz Bittner: „Der neu geschaffenen Einrichtung sollte die Chance gegeben werden, sich zu profilieren.“

Die Ausschreibung der Ärztekammer, eine Ombudsstelle für den niedergelassenen Bereich in Wien einzuführen, hat mich überrascht. Positiv überrascht hat mich vor allem, dass diese Funktion von keiner Ärztin, keinem Arzt und in völliger Weisungsfreiheit ausgeübt werden soll. Wenn man bedenkt, dass die Ärztekammer sich mit dem – aus meiner Sicht falschen - Slogan „Die Ärzte sind die Anwälte der Patienten“ über Jahre positioniert hat und nun diese Position aufgibt, dann dürfte sich intern ein Sinneswandel vollzogen haben. Dieser hat mich bewogen, für die Funktion zu kandidieren. Ich schätze die Patientenanwaltschaft und ihre Leistungen, ebenso die Ombudsstellen der sozialen Krankenversicherungen, an deren Ausbau ich mitwirken durfte. Bei über 1,8 Millionen Wiener Versicherten kann es meiner Meinung nach aber gar nicht zu viele Stellen geben, an die sich kranke Menschen mit ihren Wünschen und Beschwerden wenden können. Es wäre aus meiner Sicht mit allen eine enge Zusammenarbeit – im Sinne der Beschwerdeführer – wünschenswert.

Die zentralen Aufgaben dieser Position betreffen einerseits die rasche und direkte Intervention beim behandelnden Arzt, um einen Konsens zwischen Patient und Arzt zu erwirken, und andererseits die Beratung der Gremien der Ärztekammer bei Systemfehlern. Ich denke, dass ich die Ärztekammer dahin gehend beraten kann, sich stärker als bisher der Prävention zu widmen, zum Beispiel in Form von Diabetesprogrammen, oder der Integrierten Versorgung das Wort zu reden, um das unnötige Hin- und Herschicken von Patienten zu reduzieren. Vielleicht habe ich, da ich keine Partikularinteressen verfolgen muss, als Ombudsmann mehr Erfolg als in meiner früheren Funktion als Obmann der WGKK.

Wichtig wäre vorab, dass möglichst viele Menschen für die Einrichtung voten. Für meine Person sollten sie voten, weil ich viele Jahre positive wie auch negative Erfahrung in unserem guten Gesundheitswesen sammeln konnte, einiges mit meinem Team für die Menschen positiv verändern konnte, keine Konfrontationen gescheut und in den meisten Fällen einen Konsens erreicht habe.

V. Weilguni, Ärzte Woche 17/2013

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