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Gesundheitspolitik 22. April 2013

25 ärztliche Dienststunden in der Klinik – und nicht mehr

Ärztekammer fordert maximale Dienstdauer von 25 Stunden für Spitalsärzte.

Die Bundeskurie Angestellte Ärzte fordert eine Verkürzung der höchstzulässigen durchgehenden Dienstdauer für Spitalsärzte auf maximal 25 Stunden. Derzeit ist es zulässig, dass Spitalsärzte mitunter bis zu 32 Stunden, an Wochenenden sogar bis zu 49 Stunden durchzuarbeiten.

 

"Überlange Dienste machen erwiesenermaßen krank und erhöhen das Fehlerrisiko", erklärte Harald Mayer, Bundeskurienobmann und Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), am Freitag in einer Aussendung. Er forderte die Politik zu unverzüglichem Handeln auf, weiteres Zuwarten wäre "grob fahrlässig".

Gefährliche überlange Dienste

"Wie gefährlich überlange Einsatzzeiten sind, belegen bereits zahlreiche internationale Studien. Wer mehr als 24 Stunden im Dienst steht ist so beeinträchtigt, als hätte er 0,8 Promille Alkohol im Blut", führte Mayer aus.

Das sei nicht nur "legalisierter Raubbau an der Gesundheit der Ärztinnen und Ärzte, sondern auch eine potenzielle Gefahr für die Gesundheit der Patienten". Mayer: "Im angeblich besten Gesundheitssystem der Welt sollte der hilfesuchende Patient Anspruch auf die Behandlung durch einen ausgeruhten Arzt haben."

Qualitätsverbesserung

Jede Diskussion über Qualitätsverbesserungen in den Krankenhäusern führe sich selbst "ad absurdum", wenn dieses Problem nicht gelöst werde. Es sei wohl selbstverständlich, dass dabei die vitalen Interessen der Ärztinnen und Ärzte auch den Sicherheitsbedürfnissen der Patienten entsprechen würden. Mayer: "Wie können wir die Versorgung verbessern, wenn die Kolleginnen und Kollegen permanent gezwungen sind, für die Erhaltung des Systems ihre Leistungsgrenzen zu überschreiten?" Der Kurienobmann will diesbezüglich vor allem die Politik in die Pflicht nehmen. "Der Witz dabei: Die Parteien sagen selbst, dass Dienste über 25 Stunden bedenklich sind. Bereits im Sommer 2011 gab es aus dem Sozialministerium Signale, eine Gesetzesänderung zu initiieren. Aufgrund des Widerstands einzelner Bundesländern, die Kostensteigerungen befürchten, ist das Projekt bis dato blockiert", kritisierte Mayer. Dabei werden die Folgekosten überlanger Dienstzeiten durch vermehrte Krankenstände ebenso außer Acht gelassen wie die Möglichkeit, durch organisatorische Maßnahmen Kostensteigerungen zu vermeiden. "Wir sehen, wie überstrapazierte Kolleginnen und Kollegen chronisch krank werden und psychisch wie physisch ausbrennen", sagte Mayer.

Lage bei Turnusärzten

Besonders dramatisch sei die Situation bei den Turnusärzten, ergänzte der stellvertretende Kurienobmann und Bundessprecher der Turnusärzte, Karlheinz Kornhäusl: "Es ist ja nichts Neues, dass Turnusärzte als Systemerhalter missbraucht und für einen Nachtdienst nach dem anderen eingeteilt werden, obwohl sie mit ihrer Kraft schon am Ende sind." Auf der Strecke bleibe nicht nur die Gesundheit des Einzelnen, sondern auch die Motivation, weiter in diesem System zu bleiben. "Es ist kein Wunder, wenn es immer schwieriger wird, Turnusstellen in Österreich zu besetzen." Die Arbeitsbedingungen seien unattraktiv, überfordernd und hielten einem internationalen Vergleich nicht stand. "Entweder bleiben die jungen Kolleginnen und Kollegen resigniert und demotiviert im System oder sie gehen ins Ausland", resümierte Kornhäusl.

Eine Gesetzesänderung zur Reduzierung der maximalen Dienstdauer sei längst überfällig und sollte nicht erst morgen, sondern schon heute in Angriff genommen werden, bekräftigten die beiden Ärztevertreter abschließend. 

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